Nachhaltigkeit - Zukunft oder nur ein Modewort?

Sustainability - Die rettende Alternative zur Ausbeutung der Natur?

Alles Öko? - © Sven Fauth
Alles Öko? - © Sven Fauth
Der Begriff "Nachhaltigkeit" wird bereits seit Jahren inflationär gebraucht und mißbraucht. Nachhaltigkeit bedeutet elementar die zukunftsfähige Nutzung eines Systems.

Beschreibung des Begriffes „Nachhaltigkeit“ und Definition

Die nachhaltige Entwicklung eines ökologischen oder sozialen Systems ist dadurch charakterisiert, daß die Zukunftsfähigkeit des Systems gesichert wird.

Dies kann gewährleistet werden, wenn eine Art dynamischer Gleichgewichtspunkt gefunden wird, der dem System eine Robustheit gegenüber Einflüssen verleiht, so daß zukünftigen Generationen ein Steuerungs- und Reaktionspotential erhalten bleibt.

Um von nachhaltigen Verhalten sprechen zu können, benötigt man daher einen Maßstab. In den 1970er beziehungsweise. 1980er Jahren war dieser Maßstab für Nachhaltigkeit der Ressourcenverbrauch, seit den 1990er Jahren steht dagegen eher die Tragekapazität im Vordergrund.

UN-Konferenz Habitat II

„Wir legen uns fest“ - heißt es zum Beispiel in den Beschlüssen der UN-Konferenz Habitat II - „auf das Ziel nachhaltiger Siedlungen [...] durch die Schaffung einer Gesellschaft, die ihre Ressourcen gemäß der Tragfähigkeit der Ökosysteme effizient nutzt und dem Vorsorgeprinzip Rechnung trägt.“(Habitat Agenda § 42)

Was genau ist Nachhaltigkeit? Probleme und Beispiele

Die Bestimmung von Referenzgrößen in dynamischen Systemen ist sehr komplex und mit großen Unsicherheiten verbunden, es ist somit schwierig, eine valide Aussage darüber zu treffen, ob ein Verhalten nachhaltig ist.

Ein weiteres Problem stellt die Operationalisierung dar: Nachhaltigkeit läßt sich in Bezug auf verschiedene Größen operationalisieren.

Als Beispiel sei hier die nachhaltige Waldnutzung angeführt. Ganz elementar betrachtet, bedeutet nachhaltige Waldnutzung, daß nicht mehr Wald genutzt werden soll als nachwächst. Nun stellt sich allerdings die Frage, was aufrecht erhalten werden soll - die Waldfläche, der Holzvorrat, das schlagbare Holz, der Holzertrag, der Nährstoffgehalt des Waldbodens, der Wildbestand, oder der Erholungswert - man könnte fast beliebig viele andere Funktionen nennen.

Probleme der Beurteilung nachhaltiger Entwicklung

Eine weitere Schwierigkeit besteht in der sozialhistorischen Wertabhängigkeit der Beurteilung nachhaltiger Entwicklung. Beurteilungen über die nachhaltige Entwicklung sind immer abhängig von den in der Gesellschaft aktuell vorhandenen Wertstrukturen.

So können wir heute nicht mit Sicherheit wissen, welche Werte zukünftige Generationen besitzen oder zum Beispiel welche baulichen Elemente in 100 Jahren als wertvoll erachtet werden. Das was vor nicht allzu langer Zeit als zukunftsweisend insbesondere in der Stadtplanung und Architektur galt, wird heute nicht selten als „Schandfleck“ erachtet und nicht selten abgerissen, um neuen nun als modern geltenden Bauten Platz zu machen. Inwiefern ein derartiges Verhalten „nachhaltig“ im ökologischen Sinne ist sei dahingestellt.

Sind Kernkraftwerke nachhaltig?

Man kann allerdings zum Schluß gelangen, daß bauliche Realisationen für den Menschen nicht nachhaltig sind, wenn sie für zukünftige Generationen aller Voraussicht nach keinen Nutzen, dafür aber hohe Kosten erbringen.

Als Beispiel könnte man stillgelegte oder beschädigte Kernreaktoren anführen aber auch die sogenannten "Endlager" für radioakitven Müll bergen Risiken in sich, die eine auf dem Konzept der Nachhaltigkeit basierende Gesellschaft nicht vertreten kann.

Resumee

Abschließend läßt sich festhalten, daß Kosten-Nutzen-Rechnungen nicht nur gegenwärtige monetäre Kriterien umfassen, sondern auch Kosten berücksichtigen sollten, die in zukünftigen Generationen auftreten könnten.

Nachhaltigkeit bedeutet demzufolge die Aufrechterhaltung der Entwicklungsfähigkeit von anthropogen definierten Systemen. Die Ermittlung von Nachhaltigkeit in dynamischen Systemen ist schwierig, mit großen Unsicherheiten verknüpft und zum Teil von subjektiven Werten abhängig.

Im gegebenen System sind daher ordnungspolitische Rahmenbedingungen und Institutionen so festzulegen, daß eine nachhaltige Entwicklung gewährleistet ist, gleichzeitig aber die Entwicklung einer zukünftigen sozialeren und libertär gestalteten Gemeinschaft nicht übermäßig behindert wird.

Abschließend sei kritisch anzumerken, daß das bisherige ökonomische System unter anderem auf der Manipulation und Ausbeutung von Natur basiert.

Sven Fauth, © Sven Fauth

Sven Fauth - Studium der Volkswirtschaftslehre in KonstanzStudium der Landschaftsplanung in BerlinAls selbständiger Künstler erstelle ich ...

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