Nachhilfe – ein boomendes "Geschäft"

Cover Ratgeber - Hofschlaeger/pixelio
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Nachhilfeanbieter gibt es mittlerweile zu Tausenden - aber wie finden Eltern darunter die richtige Hilfe für ihr Kind - worauf ist zu achten?

Was früher noch als Stigma galt, ist heute schon fast normal: Ein Schüler, der Nachhilfe nehmen muss, um in der Schule mitzuhalten. So gibt es in Deutschland mittlerweile an die 4.000 Nachhilfeanbieter, die einen jährlichen Umsatz von circa 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften.

Ursachen

Woran liegt das? Nun, hierfür gibt es mehrere Gründe, als da zum Beispiel wären:

  • Unterrichtsstoff: Noch immer ist es so, dass Wissen gepaukt, also auswendig gelernt werden muss, das bis zur nächsten Klassenarbeit schon halbwegs vergessen ist, da ja in der Zwischenzeit schon wieder neuer Stoff hinzukam.
  • Ein großes Problem scheint die wenig sinnvoll umgesetzte Verkürzung der Gymnasialjahre von neun (G9) auf acht (G8) Jahre. Da nicht der Unterrichtsstoff, sondern nur die Zeit verkürzt wurde, zwingt das die Schüler, noch mehr als früher zu pauken. Wie belastend dies ist, zeigt eine Studie der Landeselternvertretung (LEV) Saarbrücken. Laut dieser Studie unter 1.720 Schülern war der Bedarf an Nachhilfe bei den G8-Schülern fast doppelt so hoch wie bei den Schülern, die nach neun Jahren Abitur machen. Zudem gaben mehr Schüler an, dass sie das Abitur ohne Nachhilfe nicht schaffen könnten. Alle fühlten sich in der Schule öfter überlastet, dies zeigte sich auch an einer höheren Quote an gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit.
  • Klassenstärke: In den allermeisten Schulen ist eine Klassenstärke von bis zu 30 Schülern bis zur Oberstufe nicht selten. Dies bedeutet einerseits, dass es für den Lehrer nahezu unmöglich ist, auf einzelne Schüler einzugehen, auf der anderen Seite, dass dort oft eine Unruhe und Lautstärke herrscht, die Konzentration erheblich erschweren.

Wann Nachhilfe, wo, wie lange?

Letztendlich hängt es auch vom Anspruch des Schülers, beziehungsweise seiner Eltern ab, wann Nachhilfe in Anspruch genommen wird. Immer mehr Grundschüler erhalten mittlerweile Nachhilfe, vor allem in Deutsch. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass etwa 20 Prozent aller Schüler bezahlte Hilfe in Anspruch nehmen. Während manche Familien zufrieden sind, wenn Sohn oder Tochter sich mit Dreien und Vieren bis zum Abschluss durchhangelt, ist es für andere sehr wichtig, dauerhaft einen möglichst guten Notendurchschnitt zu erzielen. Dis ist letztendlich eine Sache des Anspruchs und nicht zuletzt natürlich der finanziellen Gegebenheiten.

Es gibt diverse Möglichkeiten, einen geeigneten Nachhilfelehrer zu finden, so zum Beispiel in der Schule selbst bei Schülern der höheren Klassen, im Bekannten- oder Freundeskreis, in der örtlichen Zeitung, oder – und das dürfte der Hauptanteil sein, im Internet. Dort tummeln sich diverse Anbieter mit diversen Angeboten. Da große Konkurrenz herrscht, sind die meisten Stundensätze recht moderat (90 Minuten sind ab etwa 15 Euro zu erhalten), jedoch haben die allermeisten eine Aufnahmegebühr, manche eine Vertragslaufzeit und noch einige beachtenswerte Punkte mehr.

Es besteht die Möglichkeit für Einzel- oder Gruppenunterricht und die allermeisten Nachhilfelehrer kommen mittlerweile ins Haus, was begrüßenswert ist. Erstens sind die meisten Kinder nachmittags so ausgelastet (auch durch Sport oder Musikunterricht), dass sie sich den Anfahrtsweg gerne sparen, zweitens besteht hierdurch die Möglichkeit für Eltern und Lehrer, sich zeitnah auszutauschen, was wichtig ist.

Einer der größten deutschlandweiten Anbieter ist die „Schülerhilfe“, die es mittlerweile in jeder größeren Stadt gibt. Hier wird Gruppenunterricht angeboten, der dann pro Kind auch nur um die sieben Euro beträgt. Wie viel Zeit dann letztendlich pro Kind bleibt, wenn es in einer Gruppe von bis zu fünf Schülern betreut wird, ist leicht auszurechnen.

Wie lange Nachhilfe in Anspruch genommen wird (werden muss) ist pauschal nicht zu beantworten. Sollte es sich um eine kurzfristige Hilfe bezüglich einer bevorstehenden Klassenarbeit handeln, ist dies natürlich etwas anderes, als wenn über Monate oder gar Jahre Wissenslücken aufgebaut wurden. Hier sollte man Schüler und Nachhilfelehrer Zeit geben, mindestens sechs Monate. Die besten Ergebnisse wurden in einem Zeitraum zwischen neun bis zwei Monate erzielt. Kleiner Tipp: Nicht zu lange warten mit der Nachhilfe – je mehr Lücken vorhanden sind, desto schwieriger ist es, diese zu beheben – zumal ja auch immer neuer Stoff hinzukommt.

Bildnachweis: Hofschlaeger/pixelio.de

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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