
- Nachhilfe als Azubi - Stefan Dassler
Dies kann etwa in Form von ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) oder als Unterricht bei Nachhilfeinstituten sein. Den Nachhilfeinstituten kommt dabei eine wachsende Bedeutung zu. Sie expandieren zunehmend.
Zum Begriff „Nachhilfe“
In dem Begriff „Nachhilfe“ findet sich der Stamm "Hilfe". Berufsschule hilft Schülern zu lernen, Wissen zu erlangen, berufliche Kompetenzen zu erwerben, sich zu bilden. Scheinbar reicht diese Hilfe nicht aus, denn es wird zunehmend verstärkt außerschulisch, lernbegleitend „nachgeholfen“.
Nachhilfeunterricht beinhaltet die private Betreuung und Unterrichtung von Auszubildenden unterrichtsbegleitend zum Berufsschulunterricht. Zu den Hauptaufgaben des Nachhilfeunterrichts zählen:
- Die Betreuung von Auszubildenden bei der Anfertigung der Hausaufgaben
- Das gezielte Lernen für Klassenarbeiten, Wissensabfrage, Zwischen- und Abschlussprüfungen
- Das Wiederholen, Festigen und Nacharbeiten bearbeiteter schulischer und betrieblicher Lerninhalte
- Das Schließen von Wissenslücken in ausgewählten Berufsschulfächern.
Der Ursprung des Nachhilfeunterrichts ist eng verknüpft mit der Problematik der Hausaufgaben, seit es öffentliche Schulen und intentionale Erziehung gibt. Die Begründung der Hausaufgaben besteht in der Entwicklung der Selbstständigkeit und der Persönlichkeitserziehung des einzelnen Schülers. Gegner bemängeln vor allem die Undifferenziertheit in der Aufgabenstellung und die physische und psychische Überlastung der Schüler.
Der Anspruch, Hausaufgaben stets so zu stellen, dass sie ohne fremde Hilfe zu bearbeiten sind, konnte jedoch nie aufrechterhalten werden. Hilfe durch andere Auszubildende, ausbildungsbegleitende Maßnahmen, insbesondere aber durch Nachhilfelehrer ist ein durchgängiges Arbeitsmuster von immer mehr Auszubildenden.
Bisherige Untersuchungen haben in einem Zeitraum von fast 40 Jahren immer wieder belegt, dass Nachhilfeunterricht keine Ausnahme der ergänzenden Form des Übens und Wiederholens ist. Sie stellten heraus, dass fast 50 Prozent aller Jugendlichen im Laufe ihrer Schulzeit Erfahrungen als Nachhilfeschüler gemacht haben.
Gruppen- oder Einzelunterricht bei Nachhilfeinstituten
Im Gruppenunterricht (drei bis fünf Auszubildende) erkennen die Auszubildenden, dass nicht nur sie Probleme haben, sondern dass noch andere Azubis mit den gleichen Schwierigkeiten kämpfen. Die Azubis unterstützen und motivieren sich in der Minigruppe gegenseitig. Durch die Bestätigung der Auszubildenden untereinander wird das Selbstvertrauen der einzelnen Gruppenmitglieder gestärkt und Prüfungsängste und Nervosität vor Klassenarbeiten und Abschlussprüfungen abgebaut.
Hingegen kann im Einzelunterricht jedem Auszubildenden die nötige Aufmerksamkeit gegeben werden, um Fragen zu stellen und Probleme zu lösen. Für den Azubi kann eine individuelle Strategie entwickelt werden. Das Lernumfeld des Auszubildenden kann optimal gestaltet werden. Mit Einzelunterricht kann sichergestellt werden, dass jeder Lernende die volle Aufmerksamkeit des Lehrers bekommt. Es hilft, falsche Scheu vor dem Unterrichtsfach abzulegen, angstfrei Fragen zu stellen und so die Basis für das eigene aktive Lernen zu legen.
Für die Wahl zwischen Gruppen- und Einzelunterricht kann eventuell auch ein Probeunterricht, den die meisten Nachhilfeinstitute gestatten, weiterhelfen.
Qualifizierte Lehrkräfte
Die Entwicklung auf dem Nachhilfemarkt boomt und pädagogisch voll ausgebildete Lehrkräfte sind bei Nachhilfeinstituten sehr gefragt. Die Lehrkräfte müssen nicht nur fachlich qualifiziert sein, sondern auch pädagogisch zu den Ansprüchen des Instituts passen. Dies ist die Grundlage, um ein Vertrauensverhältnis zwischen Nachhilfelehrer und Auszubildendem aufbauen zu können und eine sinnvolle langfristige Förderung zu erzielen.
Zunächst sollen noch einige Rahmenbedingungen für die Lehrkräfte in Nachhilfeinstituten angesprochen werden. Sie übernehmen als freie und selbstständige Mitarbeiter den Förderunterricht sowie alle pädagogischen, methodischen und didaktischen Maßnahmen. Bei der Wahrnehmung und Gestaltung des Unterrichts unterliegen sie keinen Weisungen.
Vermittlung von Lerntechniken
Ein sinnvoller Nachhilfeunterricht sollte auch das Lernen-Lernen einbeziehen. Langfristiges Ziel bei der Vermittlung von Lerntechniken ist es, zum selbstständigen Lernen zu führen. Die Lehrenden sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern darüber hinaus motivieren und zum eigenständigen Lernen befähigen.
Schlechte Noten in der Berufsschule nicht nur deshalb zustande, weil der Schüler den aktuellen Stoff nicht versteht oder Probleme in einem bestimmten Fach hat. In vielen Fällen mangelt es an grundsätzlichen Lernstrategien. Die Vermittlung von Lerntechniken kann Inhalt spezieller Lerntechnikkurse oder auch Bestandteil des Nachhilfeunterrichts in Form von Lerntipps sein.
Kursdauer bei Nachhilfeinstituten
Nachhaltiger Notenerfolg in der Berufsschule hängt von der Dauer der in Anspruch genommenen Nachhilfe ab. Auch unabhängige Studien zum Thema Nachhilfe kommen zu diesem Ergebnis. Um die Auszubildenden langfristig zu selbstständigem Lernen zu führen, wird bei vielen Nachhilfeinstituten eine Förderdauer von mindestens sechs Monaten empfohlen. Es wird darauf hingewiesen, dass es sinnvoll ist, wenn im Problemfall Schüler zweimal pro Woche an Nachhilfesequenzen teilnehmen.
Laut Statistik verschiedener Nachhilfeinstitute ergibt sich bei einer Förderdauer von über zehn Monaten etwa eine Erfolgsquote von über 90 Prozent – bezogen auf eine Verbesserung um ein bis drei Notenstufen in der Berufsschule. Je längerfristig die Nachhilfe besteht, desto mehr wird aber auch die Gefahr von Risiken und Nebenwirkungen aktuell.
Literaturhinweis
Stefan Dassler: Nachhilfe per Internet. Ein Ratgeber nicht nur für Lehrkräfte. Diplomica Verlag 2010. 132 Seiten. Euro 29,90. (erscheint im Dezember 2010)
