Nachhilfe für die Persönlichkeit

Coaching kann helfen, seine Wirkung auf andere zu optimieren

Ein Persönlichkeitstraining dient dem Zweck, eigene Stärken gezielt einzusetzen und Signale anderer besser zu verstehen.

Ein viel versprechendes erstes Date, ein positiv verlaufenes Vorstellungsgespräch – aber der nette Mann meldet sich nicht mehr, und der vermeintlich neue Chef schickt eine Absage. Ilona Kramer kennt diese Erfahrungen. Und auch auf Partys ist es immer dasselbe: Kaum gehen die Gespräche mit einem neuen Bekannten über den Small Talk hinaus, wird der Mann einsilbig und sucht das Weite. Neidisch beobachtet Ilona ihre Freundin Susanne, die in einem Kreis von netten Männern lacht und scherzt, und keiner läuft davon.

Menschen, die Ähnliches erleben wie Ilona, gibt es viele. Regina Swoboda glaubt, darin eine gesellschaftliche Entwicklung zu erkennen. Die Geschäftsführerin von „open4life“ ist Kinesiologin, Trainerin und Coach und hat aus ihrer eigenen Erfahrung heraus Seminare entwickelt, die Menschen helfen, sich selbst besser zu erkennen und mehr Gespür für Andere zu bekommen. Swoboda bietet unter anderen einen Workshop mit dem Titel „Hinreißend weiblich – unwiderstehlich männlich“, Single/Flirt-Coachings und die Seminare „Männerflüsterer“ (für Frauen) und „Frauenflüsterer“ (für Männer) an. Den großen Erfolg dieser Veranstaltungen, die inzwischen in mehreren deutschen Städten und in Zürich angeboten werden, führt Swoboda auf die nachlassenden Fähigkeiten der persönlichen Kontaktaufnahme in einer multimedialen Welt zurück. Chatten, Bloggen und Internetforen, E-Mail- und SMS-Kommunikation können stattfinden, ohne dass man etwas von seiner Persönlichkeit preisgeben muss.

Männer, die abends ausgehen, wollen einfach nur Spaß haben. Frauen sind dagegen unbewusst immer auf der Suche nach einem festen Partner. Seine Erfahrungen damit schildert ein Seminarteilnehmer so: „Mit einer Frau kannst du kaum ein Gespräch führen, ohne dass sie nach dem Beruf, dem Einkommen, dem Auto und sogar nach der Bereitwilligkeit, eine Familie zu gründen, fragt. Das törnt mich genauso ab, wie die Frau, wenn ich sie direkt fragte, ob sie mit mir ins Bett gehen möchte.“

Ursprüngliche Geschlechsattribute nutzen

Swobodas Persönlichkeitscoaching setzt dort an, wo ursprüngliche weibliche und männliche Attribute verschüttet sind. „Im Überlebenskampf, im Beruf, werden Frauen männliche, harte Verhaltensweisen abverlangt“, sagt Regina Swoboda. Was verloren gehe, seien Verspieltheit, Entspanntheit und Lockerheit. Männer hingegen trauten sich heute nicht mehr zu entscheiden: „In ihrem Bemühen, nichts falsch zu machen, werden sie passiv und überlassen der Frau die Wahl des Restaurants oder die gesamte Gestaltung des Abends. Das macht sie in den Augen der Frauen zu Langweilern.

Bei „open4life“ lernen Männer wie Frauen in Rollenspielen zu verstehen, „wie Menschen ticken“, verstehen dadurch ihre eigenen Verhaltensweisen besser und können sie ändern. Der Auslöser dazu kommt nicht nur aus privater Unzufriedenheit, sondern oft auch aus beruflichem Antrieb. Wer an jedem Arbeitsplatz leicht aneckt oder immer wieder zum Mobbingopfer wird, erfährt durch das Coaching, woran es liegt. „Jeder hat seine starken Seiten“, sagt Regina Swoboda, „aber das kann auch ein Fallstrick sein, denn Stärke ist gleichzeitig auch Schwäche. Man muss die Kehrseite der Medaille kennen.“

Soziale und personale Kompetenz

Ingrid Rößler mag das „Modewort Coaching“ nicht. Sie spricht lieber von Begleitung, wenn sie von dem erzählt, was sie seit 25 Jahren für Führungskräfte bei Rossmann anbietet. „Menschen, die andere leiten, müssen imstande sein, die wichtigsten Elemente erfolgreicher Kommunikation und ihrer Grundlagen zu beherrschen. Sie müssen aktiv zuhören lernen und zur persönlichen Veränderung bereit sein. Es geht um soziale und personale Kompetenzen.“ Dazu ist es unerlässlich, dass die Teilnehmer ihre Wahrnehmung für sich und andere schärfen. Führungspersönlichkeiten treten als Kopfmenschen auf, sie halten nichts von „Psychokram“, ist Rößlers Erfahrung. Es sind Menschen, die überzeugt davon sind, dass sie mit jedem Konflikt selbst fertig werden müssen. Die ausgebildete Gesprächs- und Gestalttherapeutin bringt ihnen bei, dass die Welt der Gefühle bei Entscheidungsprozessen, in Verhandlungen und in der Mitarbeiterführung immer mitbeteiligt ist. Es soll gelernt werden, sie bewusster wahrzunehmen und zu steuern.

Das Ganze ist ein gruppendynamischer Prozess, der in vier über ein Jahr verteilten Abschnitten stattfindet. Während dieser gemeinsamen „Reise“ durch die vier Seminare bildet sich innerhalb der Gruppe ein fester Zusammenhalt, ein kleines Netzwerk und ein emotionales Band, das noch lange über das Seminar hinaus hält.

In den Jahresgruppen gibt es keine Themenvorgabe. „Die Bedürfnisse ergeben sich aus der Gruppe“, sagt Ingrid Rößler. Ihre Aufgabe besteht darin, die Balance zwischen Thema und Gruppe zu halten. Das Ziel heißt „Persönlichkeitsentwicklung“. Wenn auch beruflich veranlasst, die Teilnehmer nehmen etwas für sich selbst mit. Denn eine geschärfte Wahrnehmung auf sich und andere ist sowohl beruflich als auch privat von Nutzen.

Georg Stiels hat die Unsicherheit über richtiges oder falsches Auftreten von Firmen und Privatpersonen zu seinem Beruf gemacht. „Imageconsulting“ nennt er das, was er seit 2003 erfolgreich betreibt. Zu seinen Kunden zählen Verkäufer, Sekretärinnen und Außendienstmitarbeiter namhafter Großunternehmen ebenso, wie Menschen, die aus privatem Antrieb heraus ihr Auftreten verbessern wollen. Stiels eigene Karriere beinhaltet so unterschiedliche Stationen wie ein Kloster und die Modeateliers namhafter Designer. Die Beschäftigung mit Äußerlichkeiten hat für den studierten Philosophen und Theologen nichts mit Oberflächlichkeit zu tun – im Gegenteil: Die ersten sieben Sekunden beim Zusammentreffen zweier Menschen hinterlassen einen Eindruck, den man später kaum noch korrigieren kann. In seinen Seminaren vermittelt Stiels, dass sich ein optimales Erscheinungsbild nur mit zeitgemäßen Umgangsformen erreichen lässt. Dabei hat echte Höflichkeit nur am Rande mit Etiketteregeln zu tun. Im Gespür für einen respektvollen Umgang miteinander liegen für den Lifestyle-Experten auch „die verborgenen Quellen des Selbstvertrauens“.

Etikette muss vom Herzen kommen

Auch der Stiltrainer Jan Schaumann setzt auf die sogenannten „Soft Skills“: „Etikette sollte nicht aufgesetzt wirken. Vielmehr gehört sie zum persönlichen Stil eines Menschen. Nur was von Herzen kommt, kann auch die Herzen anderer Menschen erobern“, sagt er.

Darin scheinen sich alle Coaches einig zu sein: Der klarste Verstand, das profundeste Fachwissen und die perfekteste Kleidung nützen im Umgang mit anderen nicht viel, wenn die Persönlichkeit des Menschen dahinter unsichtbar bleibt.

Ilona Kramer hat ein dreistündiges Flirt-Coaching von „open4life“ absolviert. Bei Dozent Bernd Schrubka, Schauspieler, Coach und Entertainer, lernte sie, was typisch weiblich und was typisch männlich ist und welche Signale sie durch ihre Gestik, Mimik und Körperhaltung aussendet. In Zukunft wird sie versuchen, die Männer in ihrer Umgebung eher „mit dem Herzen“ anzusprechen und kopflastige Themen als Gesprächseinstieg zu vermeiden.

Dipl.-Volkswirt Angelika Basdorf ist ständige Aut , Basdorf

Angelika Basdorf - Angelika Basdorf Diplom-Volkswirt sozialwissenschaftliche Richtung Seit 1998 bin ich selbstständige freie Journalistin und ...

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