
- Fizek schreibt ironisch gebrochen über Werwölfe - Bettina Fizek
Zugegeben: wer heute einfach nur Horror schreibt, ohne ein Mindestmaß an Erotik oder etwas ähnlichem, kann sich keine großen Chancen auf dem modernen Büchermarkt ausrechnen. Nicht zuletzt Joanne K. Rowling hat vorgemacht, dass die Verbindung von Fantasy und Krimi absolut bestsellertauglich ist. Fizek setzt ihren Schwerpunkt ein wenig anders. Ihr Erstling ist zunächst im Bereich des Mystery angeordnet, wechselt dann zur Fantasy und schließlich in den Horror. Sex gibt es auch.
Geraldine Guthrie — eine Tierärztin auf Abwegen
Geraldine ist die klassische Heldin zu Beginn einer Romanserie. Sie ist beruflich erfolgreich. Als Biologin, Tierärztin und in der Stelle einer Wildhüterin betreut sie vor allem die Bärenpopulation in den Wildparks um Tallahassee (Florida). Sie ist jung und von den Männern frustriert. So vergräbt sie sich in ihrer Arbeit und blendet mögliche Beziehungskisten aus. Doch all das ändert sich, als Geraldine eines Morgens im Krankenhaus aufwacht. Was in der Nacht davor passiert ist, kann sie nicht mehr erinnern. Die Krankenschwester erzählt ihr, sie sei überfallen worden und ein "unglaublich gut aussehender" Mann habe sie gebracht, sei aber sofort wieder verschwunden. Seine Identität wisse man nicht.
Innerhalb einer Woche wird Geraldine zweimal von fremden Männern angegriffen und beide Male eilen ihr andere, ebenfalls fremde Männer zu Hilfe. Das erste Mal ist es auch der Unbekannte, der sie ins Krankenhaus gebracht hat. Doch er verschwindet, bevor Geraldine mit ihm sprechen kann. Viel beunruhigender für die junge Frau allerdings ist, dass ihre Angreifer nicht einfach getötet werden, sondern in Flammen aufgehen.
Vampire und Werwölfe und Dämonen
Mit diesem Rätsel kann sich Geraldine allerdings nicht lange befassen. Fizek dreht den Plot zu Gunsten der Action sehr auf. Denn kaum hat sich die Tierärztin von dem zweiten Angriff erholt, als ihr unbekannter Retter in ihrer Wohnung auftaucht und sie ein drittes Mal retten möchte. Natürlich verlangt Geraldine zuerst Antworten. Ihr Retter nennt sich Urbano und scheint so etwas wie ein Dämon zu sein. Er behauptet, Geraldine werde von Vampiren verfolgt und diese seien auf dem Weg zu ihrer Wohnung. Noch bevor sich die junge Frau jedoch überzeugen lässt, greifen die Nachtwesen an. Die beiden fliehen und geraten zwischen die Fronten, als plötzlich Werwölfe auftauchen, die sich einen erbitterten Kampf mit den Vampiren liefern.
Die üblichen Verdächtigen in einer leicht ironisch gebrochenen Story
So weit, so gut. Geraldine erfährt im Laufe der Geschichte, dass sie in der Nacht, an die sie sich nicht erinnert, von einem Vampir gebissen wurde, der Fluch allerdings durch einen magischen Bann gestoppt wurde. Doch die Vampire wollen das nicht so einfach hinnehmen. Das ist der Grund, warum sie die junge Frau gezielt jagen. Nicht ganz so klar ist, warum die Werwölfe Geraldine zu Hilfe eilen und welche Rolle der fremdartige Urbano dabei spielt.
Das ganze klingt nicht wirklich neu und das ist es auch nicht. Weder die Personen noch die Handlung kann mit großen Umwälzungen im Fantasy-Bereich aufwarten. Allerdings scheint sich die Autorin auch nicht hundertprozentig ernst zu nehmen. An einigen Stellen bricht sie ihre Geschichte geschickt und unerwartet und erzeugt dadurch eine ironische Atmosphäre, die dem Roman eindeutig gut tut. So erzählt Fizek zwei Träume von Geraldine, die beide einen recht doppelten Boden besitzen.
Gut gebaute Männer, Sex und Feminismus light
Auch in einem anderen Bereich bleibt Fizek konventionell. Die Männer sind (fast) allesamt gut gebaut, attraktiv und natürlich sehr männlich. Im Gegensatz zu den Frauen reflektieren sie ihre Rolle nicht oder nur sehr wenig. Dagegen üben sich die Frauen in einem gemäßigten Feminismus. Schließlich scheint es doch nur ihr Ziel zu sein, einfach den guten, netten und fürsorglichen Mann zu angeln. Die einzige (wirkliche) Sexszene dagegen ist trocken beschrieben, fast analytisch und ohne diese schwülstigen Metaphern, die man sonst so häufig findet, wenn es um Geschlechtsverkehr in der Romantic Fantasy geht.
Braver Auftakt einer Fantasy-Serie
Der Leser wird schon gemerkt haben, dass sich die Begeisterung des Rezensenten in Grenzen hält. Zugegeben: grundlegend wird das Erzählen von der Autorin beherrscht und so befindet sie sich nicht allzu weit entfernt von Bestseller-Autorinnen wie Kresley Cole, Nalini Singh oder J. R. Ward. Auch die sonst üblichen Rechtschreibfehler und stilistischen Schlampereien der Jungautoren findet man nicht in diesem Werk. Es ist gut überarbeitet.
Zudem sind die Dialoge recht flüssig geschrieben und ohne Firlefanz, teilweise sogar witzig, ohne aufdringlich witzig zu sein. Wenn es ein großes Manko bei diesem Roman gibt, dann, dass die Personen zu Gunsten der Geschichte verschwinden. Die Autorin erzählt zu schnell. Die Geschichte rast auf ihren Höhepunkt zu und wird ein wenig lieblos gegenüber den Protagonisten. Im Vergleich zum Beispiel zu "Sam" von Susanne Caspary legt die Autorin weniger Wert auf innere Befindlichkeiten. Was bei Caspary manchmal zu ausgewalzt wird, gerät Fizek zu knapp. So ist der Roman insgesamt brav und leserfreundlich geschrieben, ohne groß zu begeistern.
Fizek möchte mit diesem Werk eine Reihe von Geschichten um die Tierärztin Geraldine Guthrie beginnen. Sie habe, so erklärt sie, nicht einen einzelnen Roman im Blick gehabt, sondern eine sich aufbauende Geschichte, die Geraldine mehr und mehr in eine umfassende Intrige hineinzieht, bei der die Vampire und die Werwölfe eine wichtige Rolle spielen. Worin diese Intrige genauer besteht, dazu wollte sich die Autorin allerdings nicht äußern.
Abschließend kann man sagen, dass dieser Roman nicht schlecht ist, zumindest einen Vergleich mit manchem Druckwerk nicht scheuen muss. Ob man ihn empfehlen kann, hängt wohl von den persönlichen Vorlieben des Lesers ab.
Bettina Fizek: Nacht der Begierde, Kindl Desktop Publishing
ASIN: B005UPDZRK
