
- Der Blasturm in Schwandorf, Ausschnitt - Carl Spitzweg
Passend zur dunklen Jahreszeit wird es nun Nacht im Museum Georg Schäfer. Am Samstag, den 26. November um 15 Uhr fand im MGS die Vernissage zur aktuellen Wechselausstellung statt. Begleitet wird die Sonderschau „Carl Spitzweg und Künstler der Sammlung - Nächtliche Sternstunden“ von einem passenden Rahmenprogramm, wie der „Nachtführung" mit Museumsleiterin Dr. Sigrid Bertuleit am 8. Dezember 2011.
Die aktuelle Sonderausstellung im Museum Georg Schäfer
Vom 27. November 2011 bis zum 19. Februar 2012 präsentiert das MGS in der Schweinfurter Brückenstraße „Nächtliche Sternstunden und das Glück des Augenblicks“. Die neue Wechselausstellung versammelt Werke von Carl Spitzweg und anderen Künstlern der hauseigenen Sammlung. Die Bandbreite der Maler reicht von Carl Gustav Carus über Moritz von Schwind und Wilhelm Lichtenheld bis hin zu Adolph von Menzel. Natürlich darf auch Caspar David Friedrich als der wohl berühmteste Vertreter der deutschen Romantik nicht fehlen. Die Spitzweg-Sammlung im MGS umfasst 173 Gemälde und über 100 Zeichnungen. Darunter finden sich nur 20 typische Nachtstücke. Hinzu kommen unzählige Werke, die sich mit dem Schlaf beschäftigen. Deshalb wählte man für den zweiten Teil der Sonderschau den Titel „Die Kunst des Schlafens“. Dieses Leitmotiv zieht sich als roter Faden - oder besser gesagt als schwarze Markierung - durch alle Ausstellungsräume.
Spitzwegs Nachtbilder
Die Nacht ist bei Spitzweg nie richtig dunkel. Entweder sorgt die Dämmerung für Licht - wie auf der „Benediktenwand am Abend“ - oder der helle Mondschein erleuchtet die Szenerie. Insgesamt schuf Carl Spitzweg zwischen 1832 und 1880 über 100 Nachtstücke. Das von ihm ab 1870 bevorzugte Coelinblau lässt den Nachthimmel auf seinen Bildern in ganz besonderem Glanz strahlen. Und wenn es auf dem einen oder anderen Gemälde tatsächlich nachtschwarz wird, so erkennt man bei näherer Betrachtung den Schein einer Kerze im Fenster oder eine Laterne wie auf den Bildern „Nachtwächter in einer alten Stadt“ und „Der Blasturm in Schwandorf“. Letzeres wurde als Motiv für das Plakat zur Ausstellung gewählt. Obwohl dieses orangefarbene Licht Geborgenheit und Gemütlichkeit verbreitet, tut man Spitzweg unrecht, wenn man ihm biedermeierliche Spießigkeit vorwirft. Neben der beschaulichen Darstellungsweise zeichnet er sich durch eine eher nüchterne Beobachtungsgabe aus. Auch Humor und Ironie kommen in seinen Werken nicht zu kurz. Mit den Malern der Romantik hatte der 1808 in München geborene Autodidakt dagegen sehr wenig gemeinsam. Dennoch gibt es bei Franz Carl Spitzweg natürlich auch Mondscheinbilder zu sehen.
Nachtstücke zwischen Biedermeier-Idylle und Alptraum
Spitzwegs Bilder mögen auf manche moderne Betrachter kitschig wirken, doch der Vorwurf relativiert sich im Vergleich zu anderen Malern. Man betrachte nur, wie pathetisch Moritz von Schwind seine „Königin der Nacht“ in Szene setzt oder wie romantisch das „Fenster am Oybin bei Mondschein“ von Carl Gustav Carus im nüchternen Blickwinkel heutiger Zeitgenossen erscheint. Auch wer beim Stichwort Nachtstücke an Alpträume oder Spukgeschichten denkt, dürfte von Spitzweg enttäuscht sein. „Der Hexenmeister“ bändigt einen verängstigten, schon etwas angekokelten Drachen in einer zwar märchenhaften, aber völlig ungefährlichen Szenerie. Die schaurige Seite der Nacht beleuchten andere Künstler der Ausstellung wie etwa Franz Krammer mit „Faust und Mephisto auf dem Blocksberg“. Dagegen wirkt Spitzwegs „Hexenritt“ eher heiter als gruselig. Seine Hexen schweben tänzerisch durch die gar nicht bedrohliche Nacht. Im Vergleich dazu muten „Das Irrlicht“ von Arnold Böcklin oder Januarius Zinks „Erschreckte Kinder“ schon fast gespenstisch an.
Der Schlaf und seine Facetten
Von jeher streiten sich die Geister, wie viel Schlaf der Mensch denn nun wirklich braucht. Extreme Kurzschläfer wie Napoleon oder Rainer Werner Fassbinder kamen angeblich mit zwei bis vier Stunden aus. Im Gegensatz dazu pries Goethe die Freuden des langen Schlafens. Säuglinge schlafen fast rund um die Uhr, Kleinkinder kommen mit zehn bis zwölf Stunden aus. Moderne Mediziner empfehlen für Jugendliche und Schwangere neun bis zehn Stunden Schlaf. Gesunde Erwachsene liegen im Durchschnitt mit sechs bis acht Stunden goldrichtig. Ältere Menschen schlafen zumeist mehr als acht Stunden, da sie gerne mal am Tage ein Nickerchen einlegen. Im Gegensatz zu dem weitverbreiteten Vorurteil wird der Schlaf mit zunehmendem Alter übrigens nicht kürzer, sondern weniger tief.
Dass die Nachtruhe leider nicht immer ungestört bleibt, ist eine Binsenweisheit. Doch wie aktiv Schlafwandler werden können, bleibt den Betroffenen zumeist verborgen. Den beunruhigenden Filmaufnahmen aus dem Schlaflabor der TU München stehen gemütliche Einschlafhilfen gegenüber, die Kindern das Zubettgehen versüßen sollen. Ein eigener Raum wurde den Schlafliedern gewidmet, und natürlich darf dort auch das berühmte Sandmännchen nicht fehlen. Um Träume geht es im Saal mit den Zeichnungen. Carl Gustav Carus war nicht nur Maler, sondern auch Mediziner. Seine Hypothese „Träume sind die Summe früherer aufgespeicherter Vorstellungen“ wirkt erstaunlich modern.
Öffnungszeiten und Publikationen des MGS
Das Museum Georg Schäfer ist dienstags bis sonntags von 10 – 17 Uhr und am langen Donnerstag bis 21 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen finden donnerstags um 19 Uhr statt sowie samstags und sonntags um 15 Uhr. Wer nach dem Gang durch die Wechselausstellung noch nicht genug hat vom Thema, darf sich auf „Kleine Nachtstücke mit Carl Spitzweg“ freuen. Das Büchlein mit einem Nach(t)wort von Sigrid Bertuleit wird rechtzeitig vor Weihnachten erscheinen. Zudem gibt es den monographischen Spitzweg-Katalog von Jens Christian Jensen im Museum Georg Schäfer derzeit zum Sonderpreis von 20 Euro. Nähere Informationen zu den „Nächtlichen Sternstunden“ finden sich auf der Homepage des MGS.
Bildnachweise: © alle Museum Georg Schäfer
- Carl Spitzweg, Der Blasturm in Schwandorf, um 1870, Öl auf Papier auf Leinwand
- Carl Spitzweg, Die Benediktenwand am Abend, um 1838, Öl auf Malpappe
- Carl Spitzweg, Hexenritt, um 1875, Öl auf Malkarton
- Moritz von Schwind, Königin der Nacht, o. J., Schwarze Kreide
Als Quellen dienten Artikel von Sigrid Bertuleit im Magazin „Stadt/Kultur/Themen“ des Schweinfurter Tagblattes vom November/Dezember 2011 sowie die Pressemappe des MGS. Die Autorin dankt dem Museum für die freundliche Überlassung des Text- und Bildmaterials.
