Werner Zink ist seit dem 26.9.1991 hauptamtlicher Fußballtrainer beim Südbadischen Fußball-Verband (SBFV), davor wirkte er bereits seit 1986 als Honorartrainer. Zink (59) ist Inhaber der Fußball-Lehrer-Lizenz des Deutschen Fußball-Bund (DFB) und in Südbaden zuständig für die Trainerausbildung im Verbandsgebiet und derzeit verantwortlich für die Kader der ungeraden Jahrgänge ab 1993 und jünger. Suite101.de hat sich mit dem Fußball-Lehrer über die Nachwuchsförderung in Südbaden unterhalten.

Suite101: Hallo Herr Zink, wo erreiche ich sie gerade?

Zink: Ich bin gerade auf dem Sprung zu einer Spielersichtung. Das ist nochmals eine interessante Gruppe, mit den Spielern des älteren Jahrgangs, dem Übergang von den B- in die A-Junioren. Spieler, die sich fußballerisch erst sehr spät entwickelten, wie Ali Günes (Anm. d. Red.: ehemals SC Freiburg), Stefan Vogler (ehemals Greuther Fürth), Jürgen Gjasula (ehemals Kaiserslautern), schafften über diese Schiene den Weg in den Profifußball.

Suite101: Im Jahr 2002 hat der DFB das Stützpunktkonzept installiert. Was hat sich in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren im Nachwuchsbereich im Verbandsgebiet des SBFV verändert?

Zink: Es gab natürlich auch schon davor ein Fördersystem und Talentsichtung durch den Landesverband. Aber durch das neue Stützpunktkonzept des DFB wurde in Südbaden von sechs auf zwölf Stützpunkte aufgestockt, Wir haben die Trainingsumfänge erhöht und sind jetzt flächendeckend vertreten. Gerade im Bereich der D- und C- Junioren haben wir nun eine größere Dichte, was von großer Bedeutung ist.

Suite101: Wo würden Sie die Talentförderung in Südbaden einordnen, wenn Sie eine Note geben müssten?

Zink: Wenn ich das Stützpunkttraining mit anderen Landesverbänden vergleiche, kann ich gute Noten verteilen. Zum Beispiel bei der Auswahl der Stützpunkttrainer. Bei uns kann nur jemand als Trainer wirken, der die Trainer-B-Lizenz hat und somit auch die notwendige Qualität vorweisen kann. Insgesamt ist es auch von Vorteil, dass wir mit dem SC Freiburg über einen Erstligisten verfügen, mit dem es leichter ist, die Talente im Verbandsgebiet zu halten.

Suite101: Ein Qualitätslevel ist auch die Ausbildung der Trainer und Übungsleiter. Sind Sie zufrieden mit dem Zulauf seitens der Vereine?

Zink: Ja und Nein! Es gibt in den Vereinen insgesamt eine gute Bereitschaft zur Ausbildung. Es bedarf im Nachwuchsfußball aber vieler Trainer. Noch immer ist es aber leider so, dass viele Kinder im Trainingsbetrieb von Übungsleitern trainiert werden, die über keine Ausbildung verfügen. Ein einmaliges Stützpunkttraining des Verbandes unter der Woche kann diese Defizite nicht auffangen, das ist dann einfach zu wenig.

Suite101: Welche Rolle spielt der Südbadische Fußballverband (SBFV) im Hinblick auf das Nachwuchskonzept des SC Freiburg?

Zink: Dadurch, dass in Südbaden nur ein Leistungszentrum vorhanden ist, ist es logisch, dass die talentierten Spieler beim SC Freiburg aufgefangen werden. Viele Nachwuchsspieler, beispielsweise aus dem Bodenseeraum und den Bezirken Baden-Baden und Offenburg haben aber oftmals zu lange Wege für die Anreise zum Training. Da würde ich mir noch mehr Leistungszentren für diese Spieler wünschen. Außerdem hat der SC Freiburg leider nicht so viele Plätze in der Fußballschule, wie es Talente gibt. Die Kooperationen des SC Freiburg mit dem FC Radolfzell und dem FV Offenburg und die hervorragende Jugendarbeit in einigen anderen Vereinen unseres Verbandes sind gut, aber insgesamt ist das zu wenig.

Suite101: Der SC Freiburg mit seiner Fußballschule gilt schlechthin als der "Ausbildungsverein“ im deutschen Profifußball. Gerade aktuell sind mit Ginter, Höhn und Sorg wieder drei „Eigengewächse“ in die Profimannschaft nachgerückt. Ist dies auch das Produkt einer verbesserten Nachwuchsarbeit in den Vereinen?

Zink: Wenn man auf die letzten zwanzig Jahre zurück blickt, gab es schon immer junge Kicker aus Südbaden in der Fußball-Bundesliga. Jetzt geht der Weg der Talente in erster Linie zum SC Freiburg. Diese Entwicklung ist auch das Produkt der Stützpunktarbeit im Südbadischen Fußballverband. Unsere Trainer werden zweimal jährlich fortgebildet, da hat sich viel getan. Die Qualität des Trainings in den Stützpunkten und in vielen Vereinen trägt mit dazu bei, dass in den letzten Jahren bei den Juniorenmannschaften große Steigerungen festzustellen sind. Auch wenn nicht jeder Spieler den Sprung in die Bundesliga schaffen kann - ein südbadischer Auswahlspieler ist in der Regel ein guter Oberliga-Spieler. Somit profitieren auch die übrigen Vereine in Südbaden von der Talentförderung des Verbandes.