
- Die Fotografien Monika Haller von Hallerstein - Andrea Weber
Viele Wege führen zum Ziel – sandige Wege am Strand, moosweiche Wege im Moor, steinige Wege im Fels. Für Monika von Haller stehen diese Wege in der Natur sinnbildlich für den Lebensweg des Menschen. Deshalb hat sie das Thema „Wege“ zu einem zentralen Motiv in ihrer fotografischen Arbeit gemacht.
Natürlich verläuft auch ihr eigener Lebensweg nicht geradlinig. „Man muss die Richtung verändern, eine Abzweigung nehmen und auch mal umkehren im Leben“, weiß sie. Wichtig daran ist nur, dass man Veränderung akzeptiert und auch den Mut findet, den nächsten, unbekannten Schritt zu tun. So einen neuen Wegeabschnitt im fremden Terrain ging Monika von Haller, als sie zum ersten Mal 2006 ihre Naturfotografien in der Öffentlichkeit ausstellte. Sie durfte damals eine Arztpraxis mit ihren Bildern ausstatten. „Ich war so nervös und hatte Angst vor den Reaktionen“, erinnert sich die Autodidaktin. Doch die waren durchwegs positiv.
Fotografische Täuschung: Schnee wie Sanddünen und Eisschollen wie Juwelen
Monika von Hallers Fotografien strahlen eine erdige Ruhe aus. Sie liebt Holz, Steine, Gräser. Sie geht nicht auf die Suche nach konkreten Motiven, sondern überlässt alles dem Zufall. Ihre Aufnahmen zeigen oft nur Detailansichten, die den Betrachter zuerst im Ungewissen lassen. So wirkt beispielsweise Schnee im Zwielicht wie eine Sanddüne. Trotz aller Spontanität kommen am Ende dann doch thematische Serien zustande, wie etwa „Icy Jewels“, klirrendkalte Eisschollen zwischen plätscherndem Wasser oder „Wood Works“, eine Serie holzwurmverbissener Baumscheiben-Querschnitte. „Nicht ich, sondern die Natur ist der Künstler. Ich bin nur das Auge, diese Kunst sichtbar zu machen“, erklärt sie. Aus ihren Fotoserien entwirft sie dreiteilige Geschenkkarten.
Fotografien der Giebelfiguren des Aphaia-Tempels: Nackte Popos im Großformat
Die gebürtige Münchnerin studierte zunächst Betriebswirtschaft um später festzustellen, dass die bunte Medienbranche ihr mehr liegt. So kam sie als Assistentin zur damaligen Plattenfirma Ariola, arbeitete sich bis zum internationalen Labelmanager hoch, und schied Jahre später als Assistentin der Geschäftsleitung der BMG-UVA-Musikverlage aus dem Musikgeschäft wieder aus. Seit 1995 lebt sie mit ihrer Familie in Wolfratshausen und seit der Heirat ist sie eine Freifrau. Ihr Mann ist ein Familienmitglied des Nürnberger Adelsgeschlechts Haller von Hallerstein. Zu dieser Familie gehört auch ein berühmter Vorfahre. Der Bauforscher und Archäologe Carl Freiherr Haller von Hallerstein fand vor 200 Jahren die Ägineten und grub sie aus, die Giebelfiguren des Aphaia-Tempels in Ägina, die heute in der Münchner Glyptothek ausgestellt sind. Auch zu diesen antiken Skulpturen hat Monika von Haller eine Fotoserie gemacht und ist wieder ihren eigenen künstlerischen Weg gegangen. Denn nicht wie alle anderen, hielt sie die archaischen Herren von vorne mit ihrer Kamera fest, sondern lichtete lieber ganz ungeniert deren nackte Popos im Großformat ab und gab auf ihren Bildern dem alten Stein ein neues künstlerisches Leben.
