Nah am Wasser gebaut: Rheindürkheim

Schifferatmosphäre in Rheindürkheim - Regina Urbach
Schifferatmosphäre in Rheindürkheim - Regina Urbach
Kaum ein Wormser Stadtteil ist so sehr vom Leben mit dem Strom geprägt wie Rheindürkheim - im Guten wie im Schlechten.

Entlang der Rheinuferstraße hat jedes Wohnhaus seinen eigenen Rheinblick. Viele haben sogar Schiffsmasten mit bunten Fahnen im Garten. An einem normalen Werktag begegnet man am Rheinufer bei Rheindürkheim mehr großen Schiffen als Autos.

Regelmäßig überflutet der Rhein die Schwemmwiesen, Hochwassermarken künden am zentralen Platz des Schiffervereins davon. Wie ein Schiffsbug scheint diese Verlängerung des Orts in den Rhein hineinzuragen. Dort, wo das Heck sein müsste, befindet sich alles, was zentral ist in Rheindürkheim: der Kiesplatz, der Maibaum, die Feuerwache und das barocke Palais der Ortsverwaltung von 1737. Etwas versetzt, also wie Nachbarschiffe, stehen die ebenfalls im 18. Jahrhundert erbaute Simultankirche und das Gasthaus "Zum Schiff" von Starkoch Wolfgang Dubs. Da die Kirche keinen Turm hat, läuten die Glocken des Rathauses zum Gottesdienst und zu jeder Viertelstunde - fast schon symbolisch dafür, wie eng Rheindürkheimer zusammen halten.

In früheren Jahrhunderten lebten die Rheindürkheimer hauptsächlich von Fischerei, Schifffahrt, Ackerbau - daher auch die Sense und der Bootshaken im Ortswappen. In den letzten Jahren siedelten sich immer mehr große Logistikunternehmen am Ort an. Doch auch Straußwirtschaften, Friseure, Fischfeinkost, Spielgerätehersteller oder ein Atelier und viele andere finden sich unter den knapp 100 im Gewerbegebiet angesiedelten Unternehmen.

Hochwasser verliert Schrecken

Rheindürkheim verkörpert den Zwiespalt zwischen Wohn- und Umweltqualität einerseits und wirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit andererseits. Es liegt nahe an Vater Rhein. Und der ist ja bekanntlich auch zugleich lebensnotwendige Verkehrsschlagader und Gefahrenquelle für Hochwasser. Letztere Gefahr wurde mit der Renaturierung des kleinen Seegrabens weiter eingedämmt: Denn nun kann sich das zuvor eingeengte Gewässer ein breiteres Bett suchen. Früher belastete seine Einmündung bei Rheindürkheim die Situation zusätzlich, wenn bereits Hochwassergefahr bestand. Nun erreichen seine eventuell erhöhten Wasserstände den Rhein erst mit einer Woche Verzögerung - da er erst bei Gimbsheim in den Rhein geführt wird. Nach dem Abschluss der umfangreichen Baumaßnahmen am Hochwasserschutzdamm und den Rheinmauern ist Rheindürkheim vor einem statistisch alle 200 Jahre wiederkehrenden Hochwasserereignis geschützt.

Und doch ist es eher das Element Feuer, was dem Ort in letzter Zeit zu schaffen machte. Am 30. November 2008 kam der erst 25-jährige freiwillige Feuerwehrmann Michèl Helmerich beim Löschen eines Silobrands ums Leben. Eine Tragödie, die landesweit Wellen schlug und zu solcher Betroffenheit führte, dass viele Feiern abgesagt wurden. "In den vergangenen Jahren wusste man, dass die Arbeit gefährlich ist. Doch es ist tatsächlich nie ein tödlicher Unfall passiert", resümiert Ortsvorsteher Adolf Kessel.

Rheinperlenfest

Zahlreiche Feste führen nicht zufällig Vater Rhein im Namen: vom Rheinmauerfest über das Rheinperlenfest im Juni bis zum Rheinuferfest im August. Als Hagen den Nibelungenschatz in den Rhein warf, wurden die Perlen in Rheindürkheim an den Strand gespült, so geht die Sage. Daher feiert Rheindürkheim jedes Jahr sein Rheinperlenfest und wählt sich eine Rheinperlenkönigin, die die Stadt ein Jahr lang repräsentiert.

Radeln, Singen, Schippern

Anhand der etwa 30 Vereine wird deutlich, wie groß der Zusammenhalt der knapp 3.000 Rheindürkheimer ist. Besonders die Freiwillige Feuerwehr ist nicht aus Rheindürkheim wegzudenken. Schon Kinder ab sechs Jahren können hier Brandschutzmaßnahmen und Notrufabsetzen üben. Eine echte Bereicherung sind die fünf jungen " Rheinspritzer", die, ursprünglich als Fastnachtsbeitrag, in Lederhosen und Filzhüten bajuwarisches Liedgut zum Besten geben.

Sehr erfolgreich sind auch die Kunstradsportlerinnen. Der RSV hat sein Angebot aus Einrad-, Kunstrad-, und Rennfahren um die Abteilung Radtouristik erweitert. Seine aktive Rolle wird durch Persönlichkeiten wie Claudia Wahlig, ehemalige Teilnehmerin an den Deutschen Radsportmeisterschaften und engagierte Trainerin, geprägt.

Eine besondere Rolle im gesellschaftlichen Leben des Stadtteils kommt der Marinekameradschaft zu, die seit 51 Jahren besteht und bereits vor gut 40 Jahren eine Partnerschaft mit der Marinekameradschaft Metz eingegangen ist. Zum 50-jährigen Jubiläum reisten aus dem französischen Metz eigens Marinekameraden an. Es ist die Pinasse der Marinekameradschaft, die alljährlich von irgendwo rheinaufwärts aufbricht und mit sich eine neue Rheinperlenkönigin an Land bringt.

Dr. Regina Urbach, Foto Dölger, Worms

Regina Urbach - Dr. Regina Urbach (www.creatent.de), Redakteurin Print und Online. Studierte Geschichte und Islamwissenschaft (Promotion) in Beirut, ...

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