Nanette Scriba – Chansonsängerin und Malerin

Nanette Scriba - Christa Kaddar
Nanette Scriba - Christa Kaddar
Nanette Scriba ist weithin als Chansonsängerin und Songpoetin bekannt. Seit fünf Jahren malt die professionelle Künstlerin zudem faszinierende Aquarelle.

Die Mainzer Sängerin Nanette Scriba begeistert ihr Publikum nicht nur mit Musik und Gesang, sondern auch mit außergewöhnlichen Aquarellen. Werke aus der Serie „Unterwegs im Licht“ hat sie seit 2007 in mehreren Ausstellungen im Rhein-Main-Gebiet gezeigt. Vertreten wird sie durch die Mainzer Altstadt-Galerie Lehnert. Knapp 20 Jahre nachdem sie ihr Kunststudium in Mainz mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Malerei wieder. „Schuld“ daran sind die Aufenthalte auf der Insel Maio: Die Grazie der Einheimischen, die Farben Afrikas und das besondere Licht auf der Insel, die zu den Kapverdischen Inseln – westlich des Senegals – gehört. Dort verbringen die Mainzerin und ihr Mann jedes Jahr ein paar Monate.

Nanette Scriba hält poetische Augenblicke in Bildern und Liedern fest

Schon während des Kunststudiums hat sie sich der Musik gewidmet. Bereits 1981 veröffentlichte sie ihr erstes Album mit französischen Chansons, danach folgten zahlreiche CDs mit ihren eigenen Liedern. Der Schwerpunkt ihres kreativen Schaffens lag bis vor fünf Jahren auf der Musik. Jetzt beweist die ausdrucksstarke Sängerin auch in der Malerei einen ganz eigenen Stil. Ihre großformatigen Aquarelle sind keine Abbilder des Insellebens, sondern verdichtete Szenen und Stimmungen einer eigenen Realität. Spielende Kinder, Menschen vor ihren Häusern oder unterwegs auf den Straßen, Menschen, die warten oder miteinander reden – in Nanette Scribas Bildern erlangen sie eine Faszination, der sich die aufmerksamen Betrachter nicht entziehen können. „Das ist die Brücke zwischen meinen Liedern und den Bildern“, sagt sie. „In beiden geht es darum, einen winzigen, gar nicht benennbaren poetischen Augenblick einzufangen. Es sind sehr flüchtige, magische Momente, in denen sich Geschichten verbergen – man entdeckt sie nur mit einem Gespür für die Zwischentöne und Nuancen.“

Maio ist eine karge Insel mit einem rauen und trockenheißen Wüstenklima. „Erst nach drei Wochen habe ich mich dort jeweils akklimatisiert“, berichtet sie. Und: „Die Einfachheit, das reduzierte Leben auf Maio schärft die Sinne, die Aufnahmefähigkeit steigt. Hier kann man sich der ständigen Reizüberflutung noch entziehen.“ Die Eindrücke für ihre Aquarelle sammelt sie, während sie durch die heißen Gassen streift. In vielen Skizzen entsteht das Bild. Es dauert bis zu 20 Tagen, bis sie mit einem Aquarell fertig ist. Und mit dem Thema „Cabo Verde“ ist sie noch lange nicht fertig, auch wenn sie sich für die Zukunft noch andere Motive für ihre Malerei vorstellen kann, wie sie sagt. Auch das Singen gehört weiterhin zu ihrem Leben, jetzt noch bereichert um kreolische Lieder von den Kapverden. Zwei davon trug sie bei der Eröffnung ihrer Ausstellung im Weingut Georg Müller Stiftung in Eltville-Hattenheim vor und dazu noch ihr eigenes Lied „Vernissage“. „Als ich das Lied geschrieben habe, habe ich nicht geahnt, dass ich es einmal bei meiner eigenen Vernissage singen würde“, erklärte Nanette Scriba.

Nanette Scriba singt berühmte französische Chansons und eigenen Lieder

Bei einem Galadiner im Riesenfaßkeller dieses Weinguts kamen die Gäste Anfang November – neben einem erlesenen Vier-Gänge-Menü – in den gleichzeitigen Genuss von Malerei und Gesang von Nanette Scriba. Während ihre Ausstellung dort noch die Wände füllt, bestritt sie als Stargast des Abends zwischen dem zweiten und dritten Gang des Galadiners den musikalischen Teil. Die von ihr vorgetragenen Chansons waren eine Hommage an große französische Chansoniers wie Maxime Le Forestier, Georges Brassens oder Barbara. Das waren Lieder wie „La fugue d’autrefois“, „Dis, quand reviendras-tu?“, oder „Les copains d’abord“. Außerdem trug Nanette Scriba mit ihrer wundervollen Stimme auch deutsch-französische Lieder vor, die sie selbst getextet und komponiert hat: Erinnerungen an ihre Zeit in Frankreich, an Freunde wie Joel, Eric und Pascal und an die zarte erste Liebe. Auch von dem alten, melancholischen und von ihr hinreißend interpretierten „Plaisir d’amour“ zeigten sich die Gäste absolut begeistert.

Multitalent Nanette Scriba singt auch auf Chinesisch

An diesem Abend bewies die sympathische Künstlerin, dass sie auch ein ausgeprägtes Sprachtalent hat, als sie die Gäste mit einem chinesischen Lied überraschte. Sichtlich entzückt lauschten die Chinesen im Publikum dem Gesang. Das hatten sie an einem solchen Abend im Rheingau sicher nicht erwartet. Nanette Scriba erklärte, wie sie zu diesem Lied in ihrem Repertoire gekommen war. 1994 war sie auf Einladung des Goethe-Instituts Gast in einer chinesischen Fernsehshow in Peking. Bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen erfuhr sie, dass sie nicht nur, wie ursprünglich abgesprochen, eines ihrer eigenen Lieder in der Show singen sollte, sondern auch das Eröffnungslied in chinesischer Sprache. Da sie kein Wort Chinesisch sprach, büffelte sie die ganze Nacht mit einer Chinesin in ihrem Hotelzimmer dieses Lied, was übersetzt den Titel trug: „Freunde, der Bildschirm führt uns alle zusammen.“ Sie muss es so intensiv gelernt haben, dass sie es 16 Jahre später noch auswendig und perfekt vortragen konnte. Nicht nur die chinesischen Gäste waren restlos hingerissen.

Die Ausstellung „Unterwegs im Licht“ von Nanette Scriba ist noch bis zum 16. Januar 2011 im Weingut Georg Müller Stiftung in der Eberbacher Straße 7 – 9 in Eltville-Hattenheim zu sehen.

Vertreten wird Nanette Scriba durch die Altstadt-Galerie Lehnert im Kirschgarten 9 in Mainz

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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