
- Nano - Die Zukunft? - Sven Fauth
NANOTECHNOLOGIE - Die großen Risiken einer kleinen Technologie
Wird die Nanotechnologie dereinst in einem Atemzug mit der Erfindung der Eisenbahn, des Automobils, des Flugzeugs oder der Atombombe genannt werden und eine neue industrielle Revolution ungeahnten Ausmaßes zur Folge haben?
Auf Nanotechnologie basierende Produkte beginnen bereits, Bereiche des Alltags zu durchdringen, dabei sind die Risiken noch weitestgehend unerforscht und in Größenordnungen anzusiedeln, die dem Forschungsobjekt diametral entgegengesetzt sind.
Was ist „Nanotechnologie“?
Nanomaterialien sind Stoffe, deren Größe in einer oder mehreren Dimensionen kleiner als 100 nm sind. Diese Aggregate bestehen typischerweise aus 10-10.000 Atomen. Ein Nanometer (nm) ist der milliardenste Teil eines Meters und entspricht etwa dem 50.000stel des Durchmessers eines menschlichen Haares.
Im Gegensatz zur Atomenergie oder Gentechnik ist die Nanotechnologie allerdings bislang in der öffentlichen Debatte kaum vertreten, zudem existieren bislang noch nicht einmal eindeutige Definitionen, geschweige denn Sicherheitsbestimmungen. Da derzeit nanoskalige Materialien aber genauso wie ihre Makrovarianten behandelt werden, sind hierzu auch keine gesonderten Tests vorgeschrieben und die Produkte nicht kennzeichnungspflichtig.
Da zudem keine Meldepflicht existiert, besteht selbst bei den Behörden, die für die Risikobewertung von Verbraucherprodukten zuständig sind, kein Überblick über die tatsächliche Verbreitung von Nanoprodukten zum Beispiel in der Lebensmittelindustrie.
Wieder einmal versäumt es die Politik, ihrer Vorsorgepflicht angesichts einer risikobehafteten Zukunftstechnologie nachzukommen.
Anwendungsbeispiele aus dem täglichen Leben
Nanopartikel werden bereits zahlreichen Produkten beigefügt, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern: So finden sich Nanopartikel in Farben und Lacken, um die Kratzfestigkeit zu erhöhen, als antibakterielle Schutzschicht in Babyflaschen oder ganz profan in Socken, damit diese nicht mehr so unangenehm riechen.
Selbstreinigende oder Antihaft-Beschichtungen finden sich in Produkten wie Autolack, Dachziegel, Fassadenfarben oder einem Displayschutz für die PSP wieder. Dabei wird die Oberflächenstruktur so verändert, dass die Kontaktfläche mit den Wassermolekülen derart verringert wird, daß Wasser einfach abperlt und Schmutzpartikel mitreißt, dies ist bekannt als sogenannter „Lotus-Effekt“.
Dursichtigen Nano-Sonnencremes werden Titandioxid in ihrer Nanovariante beigemengt, da dadurch besonders effizient das UV Licht geblockt werden kann, wobei die Nanopartikel nicht weiter in die Haut eindringen und zwischen Hornschicht und Stachelzellschicht hängen bleiben sollen. Leider gibt es noch keine Ergebnisse darüber, wie sich das Titandioxid in sonnenverbrannter Haut oder in Schweißdrüsen verhält.
Nanopartikel finden sich aber auch bereits in Lebensmitteln in Form von Lebensmittelzusatzstoffen, Geschmacks- und Farbstoffen oder in Form von Nano-Siliziumoxid als Rieselhilfe für pulverförmige Inhaltsstoffe. Auch Verpackungen werden mittels NT modifiziert, um gezielt antibakterielle Substanzen zur Verlängerung der Haltbarkeit oder Aromen freizusetzen, um einen hohen Frischegrad zu suggerieren.
Problematik der Nanotechnolgie
Solange die Nanokomponenten in der Trägersubstanz fest eingebettet sind, bleiben sie zumindest in unbeschadetem Zustand von der Umwelt isoliert. Sobald dies durch Alterungsprozesse, Zerstörung des Verbundstoffes et cetera allerdings nicht mehr gegeben ist, erfolgt die Freisetzung der Nanopartikel, womit sich diese im Nährstoffkreislauf anreichern können. Antibakterielles Silber, welches nach mehrmaligem Waschen aus den Socken in das Wasser gelangt, kann zum Beispiel Bakterien, welche in Kläranlagen einen essentiellen Beitrag zur Wasseraufbereitung leisten, empfindlich stören.
Das Recycling von Nanoverbundstoffen ist ein bislang noch wenig erforschtes Gebiet. Zum einen ist ein großer Energieeinsatz notwendig, um die Werkstoffe zu zerkleinern und die Nanopartikel wieder zu entfernen, zum anderen besteht das generelle Risiko des Freisetzens der Nanopartikel, deren Risiken bislang noch nicht über einen längeren Zeitraum erforscht wurden. Bislang gibt es noch keine absolut verlässlichen Studien darüber, ob Nanopartikel zum Beispiel ähnlich schädliche Auswirkungen wie Asbest haben, wenn sie über die Atemluft aufgenommen werden, oder welche Folgen es für das Ökosytem hat, wenn zum Beispiel Fullerene in wasserlöslichen Clustern in der Nahrungskette angereichert werden.
Nanotechnolgie in der Medizin: Hoffnung für Krebspatienten
In der Medizin werden große Hoffnungen in Fullerene gesetzt, diese stellen die dritte Modifikation des Kohlenstoffs neben Graphit und Diamant dar und bestehen aus Kohlenstoffatomen, die sphärisch angeordnet sind. Das bekannteste Fulleren, das C60 Molekül ist wie ein Fußball gebaut und bildet eine Kugel mit einem Durchmesser von ~0,7nm. Die Eigenschaft, sehr einfach in Zellen einzudringen und so Medikamente gezielt an die gewünschten Orte (zum Beispiel Krebszellen) zu transportieren, ist durchaus positiv zu werten. Mittels zielgenauem Transport von Nanoeisenpartikeln und anschließendem Anlegen eines Magnetfeldes werden zum Beispiel Temperaturen erzeugt, die punktuell Krebszellen abtöten können.
Gerade aber diese grundlegende Eigenschaft von nanoskaligen Stoffen in Zellen einzudringen oder gar die Blut-Hirn Schranke zu überwinden birgt ein weiteres beträchtliches Gefährdungspotential in sich.
Kurzes Resümee: Potentiale und Gefahren
Die Nanotechnologie birgt ein immenses Potential in sich, sowohl was die positiven als auch die negativen Folgen anbelangt. Ob die Menschheit bedacht mit den ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten umgehen wird, wie sich die aus nanotechnologischen Anwendungen ergebenden wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen und Verwerfungen auf das Zusammenleben der Menschen auswirken wird und ob es gelingen wird, die Risiken einer militärischen Nutzbarmachung der Nanotechnologie einzudämmen, wird die Zukunft zeigen.
