Nanotechnologie in der Medizin

Nano-Krebstherapie: Hyperthermie- und Thermoablationsverfahren

Nano - Die Zukunft? - Sven Fauth
Nano - Die Zukunft? - Sven Fauth
Nanotechnologie birgt gewaltige Chancen und Risiken in sich. In der Medizin ist mit einer neuartigen Krebstherapie die Hoffnung auf Heilung von Tumoren gegeben.

Nanotechnologie gelangt zunehmend mehr in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung und selbst das Bundesgesundheitsministerium äußert Bedenken, was sogar von der Politik begrüßt wird. Nun ist allerdings das weitläufige Gebiet der sogenannten Nanotechnologie differenzierter zu betrachten: Stellen einerseits die unkontrollierbare Freisetzung der nanoskaligen Materialien, wie auch die bislang wenig erforschten gesundheitlichen Auswirkungen nicht zu unterschätzende Risiken dar, ist doch andererseits insbesondere in der Medizin ein erhebliches Potential gegeben. Allerdings gibt es auch in der Medizin Tendenzen, die zwar bislang noch an „Science Fiction“ erinnern mögen, aber im Bereich der Militärischen Forschung bereits weit vorangeschritten sind: „Human Enhancement“ – die Verbesserung des Menschen durch effizientere Implantate oder mittels punktgenauer Freisetzung von leistungssteigernden Substanzen im Körper. In diesem Artikel soll es aber um die punktgenaue Applizierung von nanoskaligen Stoffen gehen, die Tumorzellen effizienter und für den menschlichen Körper schonender bekämpfen können.

Nano-Krebstherapie- Ein neues Verfahren zur Krebsbekämpfung

Dabei soll exemplarisch ein bereits weit voran geschrittenes Verfahren zur Krebsbekämpfung erwähnt werden, bei dem Nanopartikel in einem sogenannten Hyperthermieverfahren eingesetzt werden, um Tumorgewebe zu zerstören.

Das Berliner Unternehmen "MagForce Nanotechnologies AG" hat mit überwältigendem Erfolg vor kurzem eine Studie abgeschlossen, die eine hoch signifikante Verlängerung der medialen Überlebenszeit von Patienten belegt, welche an einem Gehirntumor erkrankten.

Weitere Studien zur Behandlung von Resttumoren, Speiseröhren-, Bauspeicheldrüsen- und Brustkrebs werden derzeit durchgeführt, befinden sich momentan aber noch in der ersten von zwei Testphasen, wohingegen eine Studie zur Behandlung von Prostatakrebs bereits in der zweiten Phase (Wirksamkeitsstudie) angelangt ist und ebenso gute Aussichten auf Erfolg zu haben scheint.

Die vierte Säule der Krebstherapie

Somit wird wohl demnächst neben dem chirurgischen Eingriff, der Chemotherapie und der Bestrahlung eine weitere Behandlungsmöglichkeit von Tumoren zugänglich sein.

Tumorgewebe ist temperaturempfindlicher als gesundes Gewebe

Lebendes Gewebe verändert bei starker Erhitzung seine normalen zellulären Aktivitäten, wobei ab einer Temperatur von 42°C ein zytotoxischer (zellschädigender) Effekt zu beobachten ist, der mit weiterer Temperaturerhöhung schnell ansteigt und aufgrund der dabei resultierenden Koagulation (Gerinnung) irreversibel ist.

Aufgrund der Tatsache, dass Tumorgewebe weitaus empfindlicher auf höhere Temperaturen reagiert als gesundes Gewebe, bestrahlt man Tumorgewebe in der herkömmlichen Strahlentherapie zu Beispiel mit Mikrowellen. Dadurch wird aber auch gesundes Gewebe sehr stark in Mitleidenschaft gezogen und zudem das Tumorgewebe zumeist nicht vollständig zerstört.

Hyperthermie- und Thermoablationsverfahren

Durch die genaue Platzierung von zum Beispiel nanoskaligen Eisenoxidpartikeln, die minimal invasiv in das Tumorgewebe injiziert werden, bleibt die Erhitzung des Gewebes lokal begrenzt. Dabei lagern sich die Metalloxide an die Zellwände des Tumors an oder werden von den Tumorzellen aufgenommen. Die Partikel werden mittels Nanotechnologie so „maskiert“, dass die eigentlich zu transportierende magnetische Substanz ungehindert an den gewünschten Ort gelangen kann.

Befinden sich die Metalloxidpartikel an Ort und Stellen kann mittels Anlegen elektromagnetischer Wechselfelder Wärme genau dort erzeugt werden, wo sich das Tumorgewebe befindet, welches daraufhin zerstört wird.

Der Unterschied zwischen Hyperthermie- und Thermoablationsverfahren liegt dabei hauptsächlich in der Höhe der Temperatur: Beim Hyperthermieverfahren erfolgt eine Erhitzung von etwa 44 - 46 °C, wodurch die Tumorzellen geschwächt und am weiteren Wachstum gehindert werden und anschließend leichter durch eine Chemotherapie oder Bestrahlung zerstört werden können. Bei der Thermoablation werden mit Temperaturen von bis zu 70 °C die Tumorzellen abgetötet.

Am Berliner Krankenhaus „Charite“ wird die Nano-Krebstherapie sehr erfolgreich getestet und es besteht die Hoffnung, dass diese neue Therapieform eine wichtige vierte Säule im Kampf gegen den Krebs werden wird.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Sven Fauth, © Sven Fauth

Sven Fauth - Studium der Volkswirtschaftslehre in KonstanzStudium der Landschaftsplanung in BerlinAls selbständiger Künstler erstelle ich ...

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