Narrenwelten und ein Kuchen

Wer im Bohnenkuchen die Münze findet, ist der König für einen Tag

Der Bohnenkönig - morguefile
Der Bohnenkönig - morguefile
Die Tradition des Dreikönigskuchens wird am 6. Januar gefeiert. Wer die Münze im Kuchen findet, ist der Bohnenkönig für einen Tag und steht einem Narrenreich vor.

Es gibt des Öfteren Mahlzeiten, die speziell zu einem gewissen Datum zubereitet werden. So unter anderem auch der Bohnenkuchen.

Glück kommt durch das Essen

Der Brauch, etwas im Gebäck zu verstecken, ist nicht neu - erinnert er doch an die Glückskekse, die den Abschluss eines chinesischen Mahls bedeuten: Sinnsprüche und Weisheiten entlockt man dem Dessert.

Schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten war es in den Gebieten der Ostkirche, zum Beispiel in Griechenland üblich, in das Neujahrsbrot eine Gold- oder Silbermünze einzubacken. Wer diese beim Essen des Brotes fand, der hatte sicher im kommenden Jahr Glück. Möglicherweise ist dieser Brauch das Vorbild für den Königskuchen am Dreikönigstag. Ein Brauch, der schon im Mittelalter verbreitet war: Im Königskuchen war eine Bohne eingebacken. Derjenige, die Bohne im Königskuchen fand, war der Bohnenkönig.

Der Bohnenkönigin und die Königin Markfett

Der Bohnenkönig war derjenige, der im kommenden Jahr Glück haben würde, und er durfte natürlich eine Krone tragen. Als Revanche richtete er innerhalb der Fastnachtszeit ein Königsessen aus. Selbst in Klöstern fand eine solche Königswahl statt. Oftmals wurden in die Brote auch zwei Bohnen eingebacken, eine weiße und eine schwarze. Die schwarze galt dem Bohnenkönig, die weiße der Bohnenkönigin. Der Narrenkönig oder der Schwarze König musste zu einem späteren Zeitpunkt ein Fest ausrichten. Dieses Fest fiel dann in die Fasnachtszeit. Der König durfte sich seinen eigenen närrischen Hofstaat einrichten und stand diesem dann vor. In England trug der Bohnenkönig den Namen Lord of Misrule, was soviel bedeutet wie Herr der Unordnung. Seine Königin trug den wohlklingenden Namen Königin Markfett.

Die Herrschaftszeit des Bohnenkönigs beendet den Winter und läutet die Faschingszeit ein. Damit beginnt die fünfte Jahreszeit, die eigentlich nicht im liturgischen Kalender vorgesehen ist.

Wiederbelebung des Bohnenkuchens

Erst in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts erfuhr der Königskuchen eine Wiederbelebung. Der Bohnenkuchen wird in Spanien, England, Frankreich und der Schweiz gebacken. Die Rezepte sind unterschiedlich aber es ist allen gemeinsam, dass ein Geschenk eingebacken wird – und dass der Finder derjenige ist der an diesem Tag Glück hat und der König ist. Daher ist auch immer eine Krone erforderlich. In der Schweiz ist es ein süßer Hefeteig, zu Kugeln geformt und blütenförmig angeordnet. Darauf wird Hagelzucker gestreut.

Roscon de Reyes

Auch in Spanien besteht der Königskranz, der ’Roscon de Reyes’ aus einem Hefeteig. Mit kandierten Früchten wird er verziert und wirklich nur am Dreikönigstag gebacken und gegessen. Ein Porzellanfigürchen wartet auf den glücklichen Finder. Eine Bohne ist auch eingebacken. Diese darf keinesfalls verzehrt werden! Derjenige, der die Bohne findet muss den Kuchen für alle Gäste bezahlen.

Erika Maier, Erika Maier

Erika Maier - Nach dem Abitur habe ich einige Jahre deutsche Literaturwissenschaften, englische und amerikanische Literaturwissenschaften sowie Kunst- ...

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