Naschen kann eine Sünde sein - oder auch nicht

Stevia und Birkenzucker - Wer sein Essen mit Zuckerersatzstoffen süßt, kann der Versuchung ohne Reue nachgeben.

Haben Sie schon einmal auf die Inhaltsstoffe Ihrer Lebensmittel geschaut? Fast überall werden Sie Zucker auf der Zutatenliste finden, sogar in solchen Lebensmitteln, in denen Sie es sicher nicht vermutet hätten. Ob in Brot, Gewürzgurken, Rotkohl oder Salatsoße - Zucker ist eine beliebte Zutat. Oft nehmen wir Zucker zu uns, ohne es zu wissen. Pro Kopf verbrauchen die Deutschen auf diese Weise rund 34 Kilogramm Zucker im Jahr, bei einem Gewicht eines handelsüblichen Würfelzuckers von 3 g nehmen wir also in zwölf Monaten über 11.300 Stück Würfelzucker zu uns. Zwar belegen Studien, dass Zucker keinen direkten Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat - doch mit 400 kcal pro 100 g ist er alles andere als ein gesundes Lebensmittel.

Seit einigen Jahren versuchen die Lebensmittelkonzerne deshalb gesündere Alternativen zum normalen Haushaltszucker zu finden und auf den Markt zu bringen, so auch das Honigkraut Stevia und Xylitol aus Birkenrinde bzw. Mais. Wer mit diesen Zucker beim Kochen oder Backen ersetzt, kann ohne Reue genießen.

Stevia - ein Süßkraut, über dessen Zukunft die EU entscheidet

Ursprünglich ein Süßungsmittel der Ureinwohner Paraguays gelangt das sogenannte Honigkraut „stevia rebaudiana“, kurz Stevia, seit einigen Jahren immer stärker in den Fokus der Lebensmittelindustrie. Denn die „Wunderpflanze“ ist eine gesunde Alternative zu Zucker und synthetischen Süßstoffen: sie schädigt die Zähne nicht und ist frei von Kalorien. Zudem soll sie den Blutzuckerspiegel senken und als Kosmetikprodukt die Haut verfeinern.

Da die Süßkraft der Stevia-Blätter 200- bis 300-mal höher ist als beim normalen Haushaltszucker, sollte dieser kalorienarme Zuckerersatz vorsichtig dosiert werden. Der europäische Gaumen wird sich aber erst einmal an Stevia gewöhnen müssen, da es einen lakritzartigen Nachgeschmack hat. Aus diesem Grund mischt der Lebensmittelhersteller Danone in Frankreich zusätzlich Rohrzucker in seine Stevia-Produkte.

Stevia als kalorienfreier Zuckerersatz boomt - zumindest in den USA und in Japan. Die Europäer tun sich nach wie vor schwer damit, den kalorienfreien Zuckerersatz als Nahrungsmittel zuzulassen: so fällt Stevia unter die Novel Food-Verordnung. Nur Frankreich hat 2009 einer vorläufigen Zulassung zugestimmt. Nach jahrelanger Zurückhaltung hat auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit im April 2010 erstmals ein Gutachten vorgelegt, in dem die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Stevia festgestellt wurde. Als zulässigen ADI-Wert (erlaubte Tagesdosis) hat die Behörde zunächst 4 mg pro Kilogramm festgelegt. Der endgültige Beschluss über eine Zulassung von Stevioglykosiden in der EU ist aber nach Angaben der Uni Hohenheim erst Ende 2011 oder Anfang 2012 zu erwarten. Allerdings darf auch zukünftig in einigen Lebensmittelprodukten wie Desserts und Snack- sowie Knabberartikeln kein Stevia zugesetzt werden.

Xylitol - Der Süßstoff, der sogar vor Karies schützen soll

Xylitol (oder: Xylit) ist ein natürlicher Zuckerersatz, der aus der Rinde von Birken oder aus Mais gewonnen wird. Bereits vor über 100 Jahren wurde es von dem deutschen Nobelpreisträger Emil Fischer entdeckt. Während der Zuckeraustauschstoff in den skandinavischen Ländern bereits seit dem Zweiten Weltkrieg bekannt ist, ist er in deutschen Haushalten lange Zeit in Vergessenheit geraten. Ein möglicher Grund ist der im Vergleich zum Haushaltszucker hohe Preis (ca. 9 Euro pro Kilo), der sich durch die aufwendige Herstellung erklären lässt.

Mit einem Energiegehalt von etwa 240 kcal pro 100 Gramm hat das Produkt 40 Prozent weniger Kalorien als normaler Haushaltszucker. Er ist in der Beschaffenheit etwas feiner als der grobkörnige Zucker und kann problemlos beim Backen verwendet werden, mit einer Ausnahme: Hefeteige funktionieren mit Xylit nicht.

Ein zusätzlicher Vorteil des Xylitols ist seine hemmende Wirkung auf Karies. Da die Bakterien, die Karies verursachen, das Xylitol nicht verstoffwechseln können, werden die Zähne nicht geschädigt. Aus diesem Grund wird der natürliche Zucker auch als Prävention gegen Karies und Parodontose eingesetzt.

Xylitol sollte nicht in großen Mengen eingenommen werden, da diese abführend wirken können. Es wird empfohlen, die Einnahme von Xylitol mit einer geringen Dosis zu beginnen und es nach und nach zu steigern. Auch Tieren sollte dieser Zuckerersatz nicht verabreicht werden, da er toxisch wirken kann. Bei Hunden kann zudem die Leber durch die Einnahme von Xylitol geschädigt werden.

Vorteile von Xylitol auf einen Blick

  • zahnfreundlich
  • hilft gegen Mundgeruch
  • regt die Speichelproduktion an
  • 40 Prozent weniger Kalorien
  • weniger Kohlenhydrate
  • zum Backen und Kochen geeignet
  • für Diabetiker geeignet
  • süßt wie Zucker
  • Naturprodukt
  • kein Nachgeschmack

Gekauft werden kann Xylitol in Reformhäusern, Bioläden und in ausgewählten Onlineshops.

Vorteile von Stevia auf einen Blick

  • zahnfreundlich
  • keine Kalorien
  • zum Backen und Kochen geeignet
  • äußerlich angewendet hilft es bei Hautproblemen

Stevia kann über das Internet bezogen werden. Als Kosmetikprodukt wird es auch in Reformhäusern und Bioläden angeboten.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Weitere Quellen:

Südzucker: Zahlen zum Zucker 2008/09, Deutschland

Birkensaft.net: Xylitol Birkenzucker

Allergien behandeln: Xylitol - Xylit

Denise Fritsch - Jahrgang 1982, Studium der Politikwissenschaften, Sinologie, Germanistik und Soziologie in Bochum, Shanghai und Hagen. Denise Fritsch lebt ...

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