Nation und Nationalismus - Gut oder schlecht für den Weltfrieden?

Was ist eine Nation und Nationalismus? Wie entsteht eine Nation eigentlich? Ist Nationalismus noch zeitgemäß oder Grund für Krieg und Verderben?

Nationalismus ist eine politische Ideologie, die Verehrung und der Glaube an die eigene Nation und des eigenen Staatsgebildes. Oft wird er ähnlich wie der Chauvinismus als Überhöhung der eigenen Nation über andere Nationen gedeutet.

Dabei werden Werte und Merkmale der eigenen Nationalität über die anderer Nationen gestellt. Patriotismus kann als positiver gedeutete Bezeichnung, als treue, emotionale Verbindung zum Vaterland betrachtet werden.

Eine Nation nach Ernest Renan 1882

Erste Versuche, den Begriff Nation zu deuten, wurden 1882 von Ernest Renan gemacht. Er sieht darin ein geistiges Prinzip, wobei die Vergangenheit als Vorrat von Erinnerungen dient, und die Grundlage der Nation darstellt. Die Solidargemeinschaft soll durch ihre Geschichte als Gemeinschaft in der Gegenwart und Zukunft zusammengehalten werden. Wichtig dabei ist die Gewährleistung von Freiheit. Die Nation steht und fällt mit der Identifikation des Einzelnen und der Gemeinschaft, d.h. sie ist nicht ewig.

Die Gemeinschaft muss die Nation täglich bejahen. Mehrere Nationen schaffen in einem Konkurrenzkampf die Zivilisation und fördern den Zusammenhalt der einzelnen Nation. Diese Vorstellungen stellt das Volk in einer Ethniennation dar. Es wirkt tugendhaft, idealistisch und historisch gewachsen.

Eine Nation nach Benedict Anderson 1983

100 Jahre später definierte Anderson eine Nation als vorgestellte, begrenzte und souveräne politische Gemeinschaft. Vorgestellt, da sich die Mitglieder der Gemeinschaft untereinander nicht persönlich kennen, und begrenzt, da es feste Grenzen braucht, die die Idee, was innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft ist, beschreiben. Weiter definierte er eine Nation als Träger der Souveränität, Menschenrechte, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Der kameradschaftliche Verbund und die solidarischen Gefühle gehen so weit, dass die Menschen bereit sind, für ihre Nation ihr Leben zu opfern. Diese Definition wirkt konstruierter und stellt das Volk als Staatsnation dar.

Die Entstehung einer Nation

Nationalismus ist also die Definition der Zugehörigkeit, eines Feindbildes und der Anspruch auf Erhebung. Der Ursprung in der Geschichte bildet die Grundlage, die die Konstruktion einer Gemeinschaft möglich macht, die Außen durch ihre Grenzen und Innen durch ihre Freiheit definiert ist.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie eine Nation entstehen kann. Beim Integrierenden Nationalismusexistiert der Staat bereits. Der Staat wird in einer inneren Revolution gegründet wie im Westen Europas, beispielsweise in Frankreich.

Der Unifizierende Nationalismusbedeutet eine Union mehrere Staaten, wie im 19 Jahrhundert in der Mitte Europas am Beispiel Deutschland und Italien zu sehen war.

DerSezessionistische Nationalismus beschreibt eine Abspaltung von einem bestehenden Großreich, wie im Osten Europas Polen oder Litauen aus Russland oder Kroatien und Griechenland aus dem Osmanischen Reich heraus entstanden sind.

Die Entstehung des Nationalismus

Die ersten wirklichen Anzeichen eines Nationalismus kann man ab dem 19. Jahrhundert erkennen. So vereinten sich die Griechen für die Erhebung gegen die Türken. Mit dem Glauben an ihre heroischen Vorfahren und an ihre Rechte und Freiheit zogen sie vereint in den Kampf gegen die Unterdrückung des Osmanischen Reichs und erkämpften sich ihre Freiheit als Nation.

Ausbreitung des Nationalismus

Damit sich der Nationalismus erfolgreich ausbreiten konnte, bedurfte es einiger Faktoren.

So spielte die Industrialisierung eine wichtige Rolle. Die Verkehrs- und Kommunikationsrevolution, beispielsweise durch den Ausbau der Eisenbahnverbindungen und die Ausbreitung von Zeitschriften, machten es möglich, dass sich die Nation verbreiten und man sich auch als Nation wahrnehmen konnte.

Die Verbreitung der Volkssprache schuf einen gemeinsamen Verständigungshorizont. Traditionsbildungen wie Feste, Feiertage, Umzüge und Denkmäler schufen eine gemeinsam gelebte Kultur. Diese Bewegung brauchte Märtyrer die sich für die Nation einsetzten, um erfolgreich zu sein, denn schließlich musste man den Vorrang gegenüber anderer Identitäten gewinnen.

Ist Nationalismus Heute noch sinnvoll

Mit der Fußballweltmeisterschaft 2006 wurden in Deutschland erstmals wieder massenhaft Deutschlandflaggen geweht und die Vaterlandsliebe war verbreitet. Man war stolz, wenn die deutsche Nationalmannschaft spielte und besser war als die der anderen Nationen. Doch mit dem Nationalismus von früher ist dies nicht zu vergleichen und sehr viel positiver zu sehen.

Deutschlandfahnen außerhalb eines solchen Großereignisses wie der WM sieht man dagegen nach wie vor selten. Dies ist jedoch ein deutscher Sonderfall und auf die deutsche Vergangenheit zurückzuführen.

Doch ist Nationalismus an sich nun negativ oder positiv zu bewerten? Zu sagen ist, dass der Begriff heute eine vermehrt negative Deutung besitzt. Ein gesunder Nationalismus ist jedoch durchaus fördernd für den Zusammenhalt und Erfolg einer Nation und demnach notwendig. Kann das Volk stolz auf seinen Staat sein, so ist das nicht negativ zu sehen. Auch im Konkurrenzkampf, sei es wirtschaftlich oder bei sportlichen Events, fördern die Treue und der Einsatz für die eigene Nation ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Extremer Nationalismus rottet Nationen aus

Die Liebe und der Einsatz zum Vaterland darf jedoch in keinem Fall übertrieben werden. Die Nation muss bereit sein, andere Nationen neben sich gleichberechtigt zu dulden und sich nicht über sie zu erheben.

Die grausamsten Erfahrungen wurden im Zweiten Weltkrieg gemacht, als der Nationalismus ins Extreme ging und zum Nationalsozialismus mutierte. Die Gräueltaten, die vollzogen wurden, weil sich eine Nation als Herrenrasse über andere Nationen und Völker stellte und diese sogar auszurotten versuchte, stellt die extremste Erfahrung von überzogenem Nationalismus in der Geschichte dar. Diese Erfahrungen dürfen nicht vergessen werden, um sie nie wieder kehren zu lassen.

Die Nation von Heute

Aufgrund der negativen Prägungen in der Vergangenheit ersetzt man den Begriff Nationalismus heute lieber mit Begriffen wie Patriotismus und Vaterlandsliebe. Und eben diese Ideale sind für eine gesunde Nation notwendig und fördernd. Eine freie, demokratische Nation, die auf ein stolzes Volk vertrauen kann und gleichberechtigt mit anderen Nationen zusammenarbeitet, ist das heutige Verständnis einer Nation und einer Weltgemeinschaft. Alle anderen überzogenen Interpretationen von Nationalismus und Treue zur Nation sind nicht mehr zeitgemäß und laufen Gefahr ins Extreme zu wandeln. Bei Fußball Weltmeisterschaften und Europameisterschaften kann man am Besten öffentlich zeigen, wie stolz man auf seine Nation ist.

Michael Keller - Mein Name ist Michael Keller, ich bin 20 Jahre und studiere in Mainz Filmwissenschaft und Politikwissenschaft. Unter anderem verfasse ...

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