
- Wahlen 2011 - Sarah A. Friedli
Rund 5,1 Millionen Schweizerinnen und Schweizer wurden am heutigen 23. Oktober an die Wahlurnen gebeten. Nach neuesten Berechnungen entschieden rund 49,15 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerungen über die Besetzung der 200 Nationalratssitze sowie 46 Ständeratssitze. Die neue Sitzverteilung im Parlament beinhaltet auch einige Überraschungen.
Zusammensetzung des National- und Ständerates
Durch Abgabe seiner Stimme hat jeder mündige Schweizer alle vier Jahre die Möglichkeit, seine Vertreter im Parlament zu wählen. Die 200 Sitze des Nationalrats setzten sich hierbei aus der Einwohnerzahl der entsprechenden Kantone zusammen, womit Zürich rund 34 Sitze zustehen, den kleinsten Kantonen aber nur einer. Die 46 Ständeratssitze setzen sich aus jeweils zwei Sitzen pro Kanton, beziehungsweise einem pro Halbkanton, zusammen. Praktisch in allen Kantonen gingen verschiedenste Parteien mit ähnlichen Sichtweisen sogenannte Listenverbindungen ein, um ihre Chancen zu verbessern.
Noch nie standen so viele Kandidaten zur Wahl wie 2011. Rund 3.472 Personen kandidierten für einen Sitz im Nationalrat, ein Drittel davon Frauen. Für den Ständerat waren bis zum Wahltag 151 Kandidaten bekannt, welche vorwiegend im Mehrheits- oder Majorzsystem gewählt werden können (In Jura und Neuenburg finden Verhältnis- oder Proporzwahlen statt).
Neue Mitte-Parteien sind die Gewinner der Wahlen 2011
Sowohl die Grünliberalen (GLP) wie die 2007 aus der SVP entstandene BDP konnten mit neu 12, beziehungsweise 9 Sitzen stark zugelegt und verzeichnen den größten Sitzgewinn (mit Ausnahme der SVP 1999) seit Einführung der Proporzwahlen 1919. Dies obwohl die Meinungen im Vorfeld zu den beiden neuen Parteien eher gespalten waren. Allgemein wurde den Mitte-Parteien in diesen Wahlen wenig zugetraut. Verlierer hingegen sind die Grünen, die trotz des Unglücks in Fukushima und ihrer Anti-Atompolitik nicht bei den Wählern punkten konnten. Auch der seit Jahren andauernde „Siegeszug“ der rechten SVP wurde nun vom Volk gestoppt. Trotzdem stellt die Volkspartei weiterhin den größten Wähleranteil dar. Im Großen und Ganzen verloren die etablierten Parteien etliche Stimmen zugunsten der Neuen, die damit ihre eigenen Erwartungen übertroffen sehen. Ob die neuen National- und Ständeräte der GLP und BDP es schaffen, frischen Wind ins Parlament zu bringen oder sich der politischen Mitte entsprechend eher zurückhaltend zeigen oder gar, wie die Basler Zeitung prognostizierte, genau so schnell wieder vom Bildschirm verschwinden, wird sich in der nun anbrechenden Amtsperiode herausstellen.
Überraschung im Aargau und Tessin
Während einerseits die unerwartet starke Mitte überraschte, gelang es auch einzelnen Kandidaten für Aufsehen zu sorgen. So etwa Pascale Bruderer, die den ersten SP-Ständeratssitz für den Aargau seit über 60 Jahren holen konnte. Einen weiteren Erfolg konnte die SP Aargau im SVP Kanton mit dem früheren JUSO-Präsidenten und neuen Nationalrat Cédric Wermuth verzeichnen. Im Tessin hingegen zitterte die FDP lange um die Wiederwahl ihres Parteipräsidenten Fulvio Pelli, der seinen Sitz in der großen Kammer schließlich knapp verteidigen konnte. Über das zweite Mandat der CVP wird aufgrund Stimmgleichheit (Duca Widmer Monica und Romano Marco beide mit 23.979 Stimmen) erst in den nächsten Tagen entschieden.
Quellen und weiterführende Informationen:
- SF Schweizer Fernsehen: Entscheidung11
- Swissinfo.ch
- Parlamentswahlen2011.ch: Eckdaten
