
- Tell, Apfel und Schweizer Kreuz zum 1. August - Sarah A. Friedli
Beim Gedanken an das Datum des 1. Augusts, sehen die Eidgenossen sofort rot-weiße Lampions, mit Fahnen verzierte Häuser und Feuerwerke vor sich, während im geistigen Ohr bereits die Nationalhymne erklingt. Allerdings wird der Geburtstag der Schweiz noch gar nicht seit so langer Zeit am 1. August gefeiert. Auch was es mit dem Rütli auf sich hat, ist bei manchen vor lauter Feuerwerk und von der Gemeinde gesponserten Bratwürsten in Vergessenheit geraten.
Der Bundesbrief und die Loslösung von den Habsburgern
Der Legende zufolge wurde die Schweiz am 1. August 1291 gegründet. Das Datum ist allerdings nirgends historisch verbürgt. Der Bundesbrief, welcher allgemein als das zur Gründung ausschlaggebende Dokument angesehen wird, ist lediglich auf Anfang August datiert. Dazu kommt, dass es beim Bundesbrief nicht um das einzige Dokument solchen Inhaltes handelt. Allerdings dürfte der Tod des deutschen Königs aus dem Haus der Habsburger im Jahre 1291, ausschlaggebend für das lose Bündnis der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden gewesen sein. Ziel der Eidgenossen war die Rückgewinnung, beziehungsweise das Beibehalten ihrer Unabhängigkeit, welche durch die Habsburger, die ihren Stammsitz im Kanton Aargau (Habsburg bei Brugg) hatten, bedroht wurde. Während der Bundesbrief lange Jahre vergessen in einem Schwyzer Archivturm lag, konnte das Dokument mittlerweile durch neueste Techniken tatsächlich auf das späte 13. Jahrhundert datiert werden.
Der Rütlischwur und Willhelm Tell
Die Jahreszahl 1291 des Bundesbriefes galt allerdings nicht immer als Geburtstag der Eidgenossenschaft. Bis ungefähr 1890 wurde der legendäre Rütlischwur, welcher am 8. November 1307 stattgefunden haben soll, als das grundlegendes Ereignis zur Gründung der Schweiz angesehen. Als älteste Quelle für den Rütlischwur gilt das Weiße Buch zu Sarnen des Landschreibers Hans Schriber. Diesem zufolge traf sich ein gewisser Stoupacher aus Schwyz, Melche aus Unterwalden und eine Fürst aus Uri auf der Rütliwiese oberhalb des Vierwaldstättersees zu einem gemeinsamen Eid zugunsten des Landfriedens. Auch die durch Friedrich Schiller bekannt gewordene Sage des Nationalhelden Wilhelm Tell und mit ihm der Apfelschuss und der Mord am tyrannischen Landvogt Gessler, soll ursprünglich 1307 stattgefunden haben.
Ursprung des 1. August als Nationalfeiertag
Schon seit längerer Zeit gab es nationale Feste und Zeremonien, wie etwa des Unspunnenfest, welches ab August 1805 begangen wurde. Einen Nationalfeiertag ins Leben zu rufen, wurde jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts in Erwägung gezogen. Damals kam man in Bern auf die Idee, das 700-Jahr-Jubiläum der Stadt mit dem 600-jährigen des Bundesbriefes gemeinsam zu feiern. Schließlich wurden Bundesbrief, Rütlischwur und die Taten Wilhelm Tells in direkten Zusammenhang gestellt und fälschlicherweise alles auf den 1. August 1291 festgelegt. Im Jahre 1891 wurde die Bundesfeier am 1. August als offizieller Nationalfeiertag eingeführt. Diversen Feierlichkeiten am Abend sollten fortan an die Gründung der Schweiz erinnern. 1994 wurde der 1. August nach einer angenommenen Volksinitiative zum arbeitsfreien Bundesfeiertag und die von der Gemeinde organisierten Festlichkeiten wurden vielerorts auf den Morgen verlegt. So wird in diesem Jahr bereits zum 720. Mal mit Bratwürsten, Dorfmusiken, Ansprachen, Feuerwerken und Höhenfeuer dem vermeintlichen Geburtstag der Eidgenossenschaft gedacht, während auf allen öffentlichen Plätzen und etlichen Privaten die rot-weiße Flagge mit dem Schweizer Kreuz im Winde flattert.
Bild: (c) Joujou / pixelio.de
Quellen und Weiterführende Informationen:
- Didsch: Feiertag – Nationalfeiertag der Schweiz – 1. August
- Schweizer Geschichte: Die alte Eidgenossenschaft 1291-1515
- Schweizerische Eidgenossenschaft (Eda): Schweizer Nationalfeiertag: 1. August
