Natürlich gegen Grippe und Erkältung

Forschungen zur Cistrose

Die Blüte der Zistrose - Margrit Diallo
Die Blüte der Zistrose - Margrit Diallo
Die echte Grippe ist eine der letzten großen Seuchen, an der jedes Jahr Tausende von Menschen sterben. Mediziner suchen nach Mitteln, die keine Resistenzen entwickeln.

Ein Sommertag in der Macchia am Mittelmeer: Ein intensiver Duft liegt über dem Land, eine Mischung aus verschiedenen Aromen. Beteiligt daran ist die Cistrose: ein bis zu ein Meter hoher, immergrüner Strauch, der mit seinen meist rosa Blüten und den haarigen, zerknitterten Blättern der Wildrose ähnelt. Wegen ihrer Heilwirkung war die Pflanze einst hoch geschätzt von Ägypten bis Rom. Seit einigen Jahren wird sie in Mitteleuropa neu entdeckt.

Der angenehme Duft der Cistrose kommt vom Harz, dem Labdanum, das die Pflanze besonders an warmen Tagen an ihren feinen Blätter-Haaren ausscheidet. Das Labdanum ist für die aromatische Wirkung der Cistrose verantwortlich: Es soll der Myrrhe in der Bibel entsprechen und in der Räucher-Therapie eine sinnliche Wirkung entfalten.

Die starke Wirkung von Polyphenol

Für ganz andere Qualitäten als die sinnlichen interessieren sich die Wissenschaftler von heute: Von den 20 Sorten der Cistrose ist für sie die graubehaarte "cistus incanus" am interessantesten. Denn sie ist eine der besten Polyphenol-Lieferanten unter den Pflanzen. In der Natur schützt sich die Pflanze mit Polyphenol gegen ihre Fraßfeinde. In der Medizin testen Forscher die Polyphenole als natürliche Radikalenfänger, als Antioxidantien und wegen ihrer Fähigkeiten, vor Krebs zu schützen und die Fettablagerung im Blut zu dämpfen.

Bei so vielen guten Eigenschaften gibt es auch einen wichtigen Nachteil: Nur die sogenannte nieder-polymeren Polyphenole kann der Darm aufnehmen - die hoch-polymeren Polyphenole sind für den menschlichen Organismus schwer verfügbar. Wie genau Aufnahme, Verteilung und Verstoffwechselung der Polyphenole funktioniert, untersuchen die Wissenschaftler gerade.

Studien zur antiviralen Wirkung der Cistrose

In mehreren Studien untersuchten die Forscher die antivirale Wirkung der graubehaarten Cistrose. Das Zentrum für Molekulare Virologie der Uni Münster veröffentlichte 2007 einen Bericht, der die Wirkung eines bestimmten Cistus-Extrakts als wirksames Grippemittel bestätigt. Dabei sei der Wirkmechanismus des Cistrosenextrakts für ein Grippemittel vollkommen neu: Während bisherige Medikamente einen Virus in seiner Vermehrung hindern, binden Cistus-Wirkstoffe offenbar direkt die Membranproteine des Virus: Das verhindert, dass das Virus überhaupt an die Zelle andockt.

Diese Erkenntnis deckt sich mit einer Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts: Bei einem Versuch mit Erregerzellen in Petrischalen verminderten sich die Virusplaques um 90 Prozent, wenn die Petrischalen vor der Infektion mit einem Aerosol der Cistrose eingenebelt wurden. Wurde jedoch das Aerosol während oder nach einer Infektion versprüht, blieb die Wirkung aus. Die Cistrose könnte also ein hochwirksames Mittel zur Vorbeugung gegen Grippe sowie Schnupfen und andere Infektionen werden - wenn eine Verabreichungsform gefunden wird, die der menschliche Darm gut aufnimmt.

Weitere nützliche Eigenschaften der Cistrose werden vermutet, sind jedoch noch nicht in klinischen Studien nachgewiesen: Die Pflanze soll pilzhemmend wirken und giftige Schwermetalle aus dem Körper schwemmen - etwa aus Zigarettenrauch und Amalgam-Füllungen.

Ein ganz anderer Polyphenol-Lieferant, der Viren und Bakterien bekämpft, hat seine Heimat ebenfalls am Mittelmeer: Der Rotwein enthält das antiviral wirkende Resveratrol, das bereits von den Trauben synthetisiert - also für den menschlichen Organismus aufbereitet wird.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Gisela Dürselen Suite101-Autorin, (Foto: Christine Vincon)

Gisela Dürselen - Ausbildung und berufliche Meilensteine: Journalistin, Friedensfachkraft, Trainerin für emotionale und soziale KompetenzStudium ...

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