
- Amrumer Dünenlandschaft - Gabriele Neumaier
Zugegeben, die im Landkreis Nordfriesland des Bundeslandes Schleswig-Holstein gelegene Insel Amrum ist mit ihren 20,46 qkm nicht besonders groß, viel Abwechslung bietet die Natur der nordfriesischen Insel aber trotzdem. Fast ist der Besucher verblüfft, wie vielfältig Landschaft auf so kleinem Raum sein kann.
Kniepsand – Unendliche Weiten
Die scheinbar unendlichen Weiten des Kniepsands, einer Sandbank, die fest verbunden ist mit der Westküste Amrums, ermöglichen ausführliche Spaziergänge. Der Wanderer fühlt sich beinahe wie in einer Wüste, wenn sich die 10 qkm große Sandlandschaft vor ihm öffnet. Überlaufen ist es hier nie, in der Ferne sind andere Spaziergänger als kleine Striche in der Landschaft zu erkennen. Bis zum Meer müssen teilweise ganz schöne Strecken zurückgelegt werden, deren Bewältigung sich jedoch mehr als lohnt. Baden und Sonnen lässt es sich in dieser Region natürlich auch, Kindern wird der Sand zum Burgenbauen nicht ausgehen, Muscheln können gesammelt werden. Bunte Drachen sausen zufrieden brummend durch die Luft.
UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer
Geprägt ist die Insel durch das Wattenmeer, das seit 2009 Teil des UNESCO-Weltnaturerbes ist. Dessen sich stets wiederholende Dynamik von Ebbe und Flut wirkt auf Urlauber bald wie ein meditatives Reinigungsritual, das Alltag und Hektik vergessen lässt. Zahlreichen Tieren und Pflanzenarten bietet diese vielfältige Landschaft einen nahrungsreichen Lebensraum. Auf einer geführten Wanderung durch das Watt lassen sich bei Ebbe Watt- und Borstenwürmer, Krebse, Muscheln und viele andere Lebewesen im Boden entdecken, tausende Seevögel brüten hier, abertausende Zugvögel machen Rast während ihrer großen Reise. Sogar Seehunde leben im Wattenmeer und können aus gebührender Entfernung dabei beobachtet werden, wie sie sich genüsslich in der Sonne räkeln.
Auf eigene Faust sollte das Watt allerdings nicht erkundet werden, denn die Strömung in den Prielen, die schlickreichen und scharfkantigen Miesmuschelbänke sowie oft plötzlich aufkommender Seenebel können dem Wanderer zum Verhängnis werden. Auch ist Vorsicht geboten vor sogenannten Schlicklöchern, in die Unkundige mit den Beinen einsinken und sich von alleine kaum mehr befreien können.
Hügelige Dünenlandschaft und Landesinneres
Zurück auf der Insel gilt es, die vor 600 Jahren entstandene hügelige Dünenlandschaft zu entdecken, die sich über einen großen Teil der Insel erstreckt. Hier hoppeln in der entsprechenden Jahreszeit Hasen mit ihren Jungen durch die Gegend, nisten zahlreiche Vögel, schwirren verschiedene Insektenarten durch die Luft. Das Silbergras wackelt im Wind, ein einzigartiges Licht umgibt einen und auch in diesem Gebiet trifft man selten auf Touristenströme. Inmitten der Dünenlandschaft steht der Amrumer Leuchtturm, der mit seinen 66 Metern zu den höchsten der deutschen Nordseeküste zählt.
Das Landesinnere der Insel kann am besten mit einem vor Ort geliehenen Fahrrad erkundet werden. Waldreiche Gegenden und Heidelandschaft prägen in einer Nord-Süd-Achse das Bild des Insel. Hier lassen sich auch vornehmlich aus der Bronzezeit stammende, gut erhaltene Rundhügelgräber besichtigen. Weit weg ist das Meer bei einer Inselbreite von 2,5 km auch vom Inneren Amrums aus nie.
Die fünf Inseldörfer: Wittdün, Steenodde, Süddorf, Nebel und Norddorf
Fünf im östlichen Teil der Insel gelegene Inseldörfer beleben Amrum: Wittdün an der Südspitze der Insel, wo der Fährhafen liegt und die ruhigeren Orte mit den typischen Friesenhäusern, norddeutscher Gemütlichkeit und Ruhe: Steenodde, Süddorf, Nebel und Norddorf. Ein besonderes Erlebnis ist die Amrumer Windmühle in Nebel, die 1771 erbaut wurde und inzwischen ein Heimatmuseum beherbergt. Der Friedhof der um1200 erbauten St. Clemens-Kirche in Nebel erzählt auf seinen Grabsteinen die Seefahrergeschichte der Inselbewohner. Ferienunterkünfte lassen sich in allen Orten finden, gebucht werden sollten sie frühzeitig, da die Größe der Insel die Auswahl schnell schrumpfen lässt.
Für Abenteuerlustige ist Amrum weniger geeignet, für Ruhe und Erholung Suchende, aber auch für junge Familien umso mehr. Mit dem nach Salz und Meer riechenden Wind in der Nase und dem Kreischen der Möwen im Ohr bleibt ein wehmütiges Gefühl zurück, wenn sich der Aufenthalt auf Amrum dem Ende zu neigt. Bei einem einzigen Besuch bleibt es selten, denn die weite Landschaft, das flirrende Licht der Dünenwelt und die Dynamik der Gezeiten bleiben als inneres Bild zurück, das in stressigen Zeiten Kraft gibt.
Quelle:
AmrumTouristik
