Bestattung – ein Begräbnis für Naturfreunde

Viele erwägen einen Naturschutz über den Tod hinaus

Eine Beerdigung,RuheForst - RuheForst
Eine Beerdigung,RuheForst - RuheForst
Die nächsten Waldführungen im FriedWald Schönbuch beginnen am 11.02., 10.03. und 24.03.2012, jeweils um 14 Uhr, am FriedWald-Parkplatz, Anmeldungen unter 06155 848-200.

Sterben und Tod sind in vielen Kulturen Tabuthemen. Darum herrscht oft bei den Hinterbliebenen, wenn der Tod bei einem Familienmitglied eintritt, Ratlosigkeit welche Formalitäten zu erledigen sind. Da Sterben, Trauer und die Begleitumstände kein Gesprächsgegenstand sind, belasten die dringend zu erledigenden Formalitäten zwangsläufig die Trauernden. Darum scheint es sinnvoll, vorzeitig Entscheidungen, auch über die Art und Weise des Begräbnisses, zu treffen.

Eine Bestattung in der Natur

In Deutschland müssen Verstorbene bestattet werden. Bis im Jahr 1934 war das immer, weil aus christlichen Gründen der Körper unversehrt bleiben musste, eine Erdbestattung. Erst später wurden Feuerbestattungen genehmigt. Heute haben sich zu den ursprünglichen Bestattungsarten noch weitere Bestattungsarten gesellt. Von Naturfreunden wird in den letzten Jahren häufiger die Gelegenheit einer Naturbestattung wahrgenommen. Sie kommt zum Beispiel dem Wald als Ökosystem zugute, weil die Totenruhe für mindestens 99 Jahre geachtet werden muss und der Wald sich so ungestört weiterentwickeln kann.

Bestattungen in der Heide, dem Wald, auf einer Almwiese, am See, einem Bergbach, an einem Felsen, im Tal, an einer Meeresküste, sind ebenfalls beliebt. Sie werden aber nur an wenigen Orten von speziellen Beerdigungsinstituten angeboten. Die Gemeinde ist nicht verpflichtet dem Beerdigungsunternehmen eine Genehmigung dazu zu erteilen. Nach wie vor gelten der Friedhofzwang und die Einhaltung bestimmter Regeln, die in den Bestattungsgesetzen der Länder niedergelegt sind. In Deutschland gilt für Beerdigungen im Wald, das Waldgesetz.

Der Vorteil einer Naturbestattung innerhalb von Friedhofsflächen:

  • Die vorhandene Infrastruktur, wie Feierhalle oder Kapelle, Friedhofsgärtnerei oder Blumenhalle können genutzt werden
  • Der Wohnsitz der Hinterbliebenen ist meist in der Nähe

Markenqualität auch bei der Beerdigung

Für Menschen, die sich für eine Naturbestattung interessieren, ist es oft wichtig, das diese nach den internationalen Qualitätstandarten von FSC oder PEFC zertifiziert wurde. Auch in diesem Bereich gibt es Markennamen, z.B. Ruheforst©, und viele andere, die an die Ruhestätten besondere Qualitätsmerkmale legen:

  • Gepflegte Waldstücke
  • Liegeflächen mit einem standortgerechten und naturnahen Baumbestand
  • Eine besonders schöne, ruhige und harmonische Umgebung

Die Vorteile einer Beerdigung in Feld, Wald oder Wiese

Bei einer Grabstelle in der Natur unterscheiden sich die Biotope durch Bäume, Sträucher oder Steine. Die Liegeplätze können als Einzelgräber oder auch als Ruhestätte für Familien, Freunde oder andere verbundene Menschen bis zu 12 Personen, für eine Liegezeit bis zu 99 Jahren, erworben werden. Bei der Beisetzung gibt es keine vorgeschriebenen Rituale, sie richtet sich nach dem Willen des Verstorbenen oder dem seiner Angehörigen. Es besteht kein Grabpflegezwang. Wie von den Verstorbenen meist gewünscht, kann die Kremationsasche schnell wieder in den Naturkreislauf gelangen. Zusätzlich kann der vom Toten geliebte Ort den Hinterbliebenen bei der Überwindung der Trauer helfen.

Naturbestattungen erfolgen ausschließlich nach der Einäscherung. Für die Beisetzung sind in Deutschland zwingend ökologisch abbaubare Urnen vorgeschrieben. Die Asche kann, wenn es die Vorschriften erlauben, auch direkt „der Natur übergeben“ werden. Als Grabplatten sind vor Ort unterschiedliche Namensplaketten im Baumlaub, ebenerdige Liegeplatten, Grabplatten auf der Wiese oder am Baum, erlaubt. Urnengemeinschaftsanlagen (UGA) werden oft als „Grüne Wiese“ bezeichnet. Auf ihr sind die Urnen anonym in Reihenfolge ohne individuelle Denksteine und für die Dauer der jeweiligen Nutzungszeit untergebracht. Während einer kostenlosen Waldführung mit einem Förster können sich Interessenten informieren.

Eine Umbettung in ein Grab in der Natur

Naturverbundene Menschen, die auch nach ihrem Tod die Natur noch schützen möchten, nehmen diese Art der Beerdigung bevorzugt wahr und möchten oft auch schon verstorbene Angehörige umbetten. Dabei muss beachtet werden:

  • Die Bestattungsgesetze der Länder müssen eingehalten werden
  • Bei der Gemeinde oder beim Ordnungsamt ist eine Genehmigung einzuholen
  • Eine Genehmigung zur Umbettung wird, um die Totenruhe nicht zu stören nur erteilt, wenn die Umbettung im öffentlichen Interesse liegt

Letzteres ist der Fall:

  • Wenn der Verstorbene im falschen Grab bestattet wurde
  • Wenn der Anfahrtsweg weit ist und den Angehörigen der Besuch des Grabes nicht zuzumuten ist
  • Wenn Verstorbene in einem Familiengrab zusammengelegt werden sollen

Grundsätzlich muss auch für eine Umbettung ein Bestatter beauftragt werden. Dieser hilft den Angehörigen bei der Beschaffung der notwendigen Unterlagen, die vorgelegt werden müssen:

  • Ein Antrag mit Begründung
  • Eine Sterbeurkunde
  • Die Zustimmung aller Angehörigen
  • Der Nachweis der neuen Grabstätte

Die Kosten einer Naturbestattung

Menschen die sich vor ihrem Ableben mit ihrem Tod und der Beerdigung befassen, sind manchmal besorgt, dass ihre Angehörigen die Kosten nicht tragen können. (Das Geschäft mit der Trauer) Aus diesem Grund schließen sie eine Sterbegeldversicherung ab. Eine Naturbestattung kann, wie jede Beerdigung, unterschiedlich teuer sein.

Die Vorteile von Naturbestattungen im Überblick:

  • Eine namentliche Kennzeichnung des Grabes ist möglich, aber nicht zwingend
  • Da das Grab Teil des natürlichen Waldes ist, benötigen es keine Pflege
  • Die Grabstelle kann schon zu Lebzeiten ausgewählt werden und ein wichtiger Bezugspunkt sein/werden
  • Die Asche des Verstorbenen wird in einer Urne beigesetzt
  • Bei RuheBiotopen® erfolgt die Absicherung der Kundenrechte über einen Eintrag ins Biotopregister

Im FriedWald Schönbuch wurde bisher die Asche von 97 Verstorbener, in einer biologisch abbaubaren Urne, direkt an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. Seit der Eröffnung im Juli 2011 haben sich 532 Menschen zu einer Beerdigung, in dem von Eichen, Buchen und Tannen geprägten Waldgebiet entschieden.

Quelle Friedwald Schönbuch

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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