Naturkosmetik im Test: Ökotest entlarvt grünen Etikettenschwindel

Naturkosmetik ist nur echt mit einem Gütesiegel - Barbara Eckholdt  / pixelio.de
Naturkosmetik ist nur echt mit einem Gütesiegel - Barbara Eckholdt / pixelio.de
Der Begriff Naturkosmetik ist nicht geschützt. Öko-Test empfiehlt Verbrauchern daher, mit anerkannten Gütesiegeln gekennzeichnete Naturkosmetik zu kaufen.

"Natur" und "Bio" im Titel, Obst- und Blütenapplikationen auf Cremes, Lotionen, Shampoos, Duschgelen oder Haarfärbemitteln – Verbraucher achten auch bei Kosmetik verstärkt auf Gesundheit und Nachhaltigkeit. Zwar liegt der Marktanteil von Naturkosmetik noch bei weniger als zehn Prozent, doch der Umsatz ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Von diesem "grünen Trend" wollen auch Hersteller konventioneller Kosmetik und Parfümerien profitieren und bieten Naturkosmetik an. Das Problem: Der Begriff Naturkosmetik ist nicht geschützt. Grundsätzlich kann jeder Hersteller eigene Richtlinien für Naturkosmetik erarbeiten und seine Produkte zertifizieren lassen. Woran erkennen Verbraucher also Naturkosmetik? Ein Expertenteam vom Verlag Öko-Test hat 34 Kosmetikprodukte untersucht, die als Naturkosmetik ausgewiesen waren.

Das Testergebnis von Öko-Test entlarvt Etikettenschwindel bei Naturkosmetik

Öko-Test entlarvt bei vielen der Naturkosmetik-Produkte im Test eine falsche Kennzeichnung. Verbraucher, die als Naturprodukt ausgezeichnete Kosmetik kaufen, bekommen nur selten Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen. So enthielten die untersuchten Naturkosmetik-Cremes, Lotionen, Shampoos, Duschgelen oder Haarfärbemittel zwischen 15 und mehr als 60 Prozent eindeutig chemische und künstliche Zutaten – und das sowohl bei Naturkosmetik von konventionellen Herstellern wie Garnier oder Schwarzkopf & Henkel als auch bei Marken, die sich eindeutig "grün" präsentieren, etwa Yves Rocher oder The Body Shop. Einige der verwendeten synthetischen Zutaten sind sogar umstritten oder bedenklich: Entdeckt wurden sogenannte Konservierer, die krebsverdächtiges Formaldehyd abspalten können, ebenso wie PEG/PEG-Derivate, die in anerkannter Naturkosmetik nicht erlaubt sind.

Von beispielsweise insgesamt 59 enthaltenen Stoffen in einer Ginseng-Gesichtspflege waren laut Öko-Test 28 rein chemische Inhaltsstoffe, darunter UV-Filter, künstliche Farbstoffe oder Fette auf Erdölbasis. Den im Namen hervorgehobenen Ginsengextrakt fand Öko-Test noch hinter dem chemischen Konservierer Chlorphenesin, der in einer Maximaldosis von 0,3 Prozent eingesetzt werden darf. Auch verwenden viele Hersteller künstliche Düfte. So nutzen etwa das Burt’s Bees-Produkt, die L’Occitane Rose 4 Reines Body Milk oder die mit großen Blumen bedruckten Duschgele von Crabtree & Evelyn oder Bronnley künstliche Düfte. Künstliche Farbstoffe sind in der "Natural Soap" von Nesti Dante, in der Yves-Rocher-Gesichtspflege und der Körperbutter von The Body Shop enthalten.

Verbraucher erkennen Naturkosmetik an Naturkosmetik-Gütesiegeln

Öko-Test empfiehlt Verbrauchern, sich nicht von mit Blüten und Obst bedruckten Verpackungen täuschen zu lassen und stattdessen mit anerkannten Gütesiegeln gekennzeichnete Naturkosmetik zu kaufen. Denn nur Naturkosmetikprodukte mit einem der Gütesiegel "Kontrollierte Naturkosmetik", "EcoCert" oder "NaTrue" halten ihr Öko-Versprechen. Das bekannteste und am weitesten verbreitete Gütesiegel in Deutschland ist die Auszeichnung "BDHI – Kontrollierte Naturkosmetik". Bei der vom Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel gekennzeichneten Naturkosmetik können Verbraucher sicher sein, dass es sich um reine Naturkosmetik handelt. Verzichten müssen die Hersteller auf synthetische Farb- und Duftstoffe, Silikone, Paraffine und andere Erdölprodukte sowie auf Tierversuche, um das Siegel zu erhalten. Während Rohstoffe toter Wirbeltiere nicht erlaubt sind, dürfen die Marken einige naturidentische Stoffe zur Konservierung verwenden.

Der unabhängige Kontrollverband EcoCert prüft Kosmetik nach zwei Labeln: Das Label für "Ökologische und biologische Kosmetik" kennzeichnet Produkte, bei denen mindestens 95 Prozent der gesamten Inhaltsstoffe einen natürlichen Ursprung haben. Außerdem stammen mindestens 95 Prozent der gesamten pflanzlichen Stoffe aus biologischem Anbau. Bei Produkten, die das Label "biologische Kosmetik" erhalten, stammen mindestens 50 Prozent der eingesetzten pflanzlichen Stoffe aus biologischem Anbau. Laut den Grundsätzen der Naturkosmetikvertretung NaTrue soll in einem Produkt immer so viel Natur wie möglich stecken. Neben reinen Naturstoffen erlaubt NaTrue unter bestimmten Voraussetzungen auch naturnahe und naturidentische Stoffe. Gemäß ihrer Zusammensetzung werden die als Naturkosmetik gekennzeichneten Produkte in drei Qualitätsstufen eingeteilt: Erstens Naturkosmetik, die grundlegende Anforderungen an natürliche Inhaltsstoffe und ihre Verarbeitung erfüllt, zweitens Produkte, bei denen mindestens 70 oder sogar 95 Prozent der Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischer Erzeugung sind, und drittens echte Biokosmetik.

Naturkosmetik im Test: Auswahl der Produkte und Testablauf von Öko-Test

Öko-Test testete Kosmetik aus Kaufhäusern, Parfümerien und Drogerien. Ausgewählt wurden Produkte nach zwei Kriterien: Entweder wirbt der Name mit den Signalworten "Natur" oder "Bio" und/oder Pflanzen und Früchte sind als Zutaten besonders hervorgehoben. Außerdem testete Öko-Test Kosmetik von Onlineshops wie Douglas, die dort unter dem Stichwort "Pflanzenkosmetik" inseriert sind. Zusätzlich bewertete Öko-Test die Werbung der Hersteller für ihre Marken und Produkte und das Selbstverständnis der Unternehmen.

Grundlage des Test war die Liste der Inhaltsstoffe: Öko-Test untersuchte die ausgewählte Naturkosmetik auf die Anzahl der Zutaten und die Stoffe, die natürlicher bzw. chemischer Herkunft sind. Ein Gesamturteil wie in anderen Tests gibt es nicht, weil kein Labortest gemacht, sondern der Fokus auf die grünen Versprechen und deklarierten Inhaltsstoffe gelegt wurde. Ein grüner Etikettenschwindel lag für Öko-Test dann vor, wenn in den Naturkosmetik-Produkten eindeutige Chemiestoffe enthalten waren.

Quellen:

oekotest.de