Naturschönheit und Umweltprobleme in Marokko

Cascades d'Quzooud - François Maher Presley
Cascades d'Quzooud - François Maher Presley
Marokko hat sein Jahren seine Klimakatastrophe. Das Land verwüstet immer mehr. Dennoch bietet es auch einige kleine Wasserfälle, die es zu sehen lohnt

Etwa 160 km nordöstlich von Marrakesch entfernt befinden sich die Wasserfälle Cascades d’Ouzoud in der Provinz Azilal, in der Nähe des gleichnamigen Dorfes Ouzoud. Ouzoud heißt in einer der Sprachen der Berber „Olive“, und damit bezieht sich diese Namensgebung auf die Olivenbaumplantagen, die um den 100 Meter tief fallenden Wasserfall herum angelegt sind. Der Wasserfall gilt als der schönste und höchst Marokkos.

Wasserfälle im Vergleich

Verglichen mit den Gura-Wasserfällen in Kenia, die eine Fallhöhe von 275 Metern haben, den Dudhsagar Fällen an der Grenze zwischen Goa und Kamataka in Indien mit einer Fallhöhe von 600 Metern oder den Ribbon Falls in Kalifornien (Fallhöhe 436 Metern), sind die Cascades d’Quzoud sicherlich eher weniger beeindruckend, dennoch ist es in einem Land, das bereits tief im Klimawandel steckt und wahrscheinlich 2020 kaum noch Wasserressourcen haben wird und in dem sich die Wüste rapide schnell gen Westen ausweitet, ein seltenes Schauspiel, das besonders im Frühjahr schön zu beobachten ist.

Marokkos Wüste weitet sich stetig aus

Leider und wie zwischenzeitlich überall in der marokkanischen Landschaft findet sich hier auch endlos viel Müll, zumeist aus Plastikflaschen, -Tüten und -Verpackungen bestehend, der sich in den Büschen und Sträuchern verfängt, in den Ästen der Bäume oder eben vom Wind durch das Land getragen und gleichmäßig verteilt wird. Dieser stammt nicht von den zahlreichen Touristen, sondern wird regelmäßig von den Einheimischen selbst aus den Häusern gekippt, aus den offenen Autofenstern geworfen oder irgendwo in der Landschaft abgeladen. Die Allgemeinbildung in Marokko ist derart desolat, dass die Mehrheit zum einen keine Gedanken an die Umwelt verschwenden, zum anderen davon ausgehen, dass der Klimawandel Marokko überhaupt nicht betrifft, liegt das Land doch am Atlantik und dem Mittelmeer und hat die Gebirgskette des Atlas’, die regelmäßig nach dem Winter Wasser in die Täler führt. Und wenn dann in Fernsehberichten noch Überschwemmungen mit vielen Todesopfern beklagt werden, glaubt man eher an zuviel als zuwenig Wasser.

Zudem wird der König das Problem schon lösen und wenn nicht der, dann eben Allah, der das „älteste Land“ der Welt erst erschuf und zum schönsten Land der Welt gestaltete.

Marrakesch bald ohne Wasser

So ein Verhalten führt zuletzt dazu, dass in einer Stadt wie Marrakesch, die direkt am Atlas gelegen ist und in der man noch in den 1970er und 1980er Jahren in sechs Meter Tiefe auf Grundwasser stieß, im Jahre 2010 erst nach 60 Metern Wasser finden kann. Diese dramatische Entwicklung führt zum Aussterben der Palmen, von denen nur noch die Hälfte der ursprünglich hier beheimateten 120.000 stehen. Die Grünanlagen, z.B. für absurd viele Golfplätze und damit benötigte Rasenflächen und der unkontrollierte Hotelbau verstärken diese Entwicklung noch. Ohnehin hat das dortige Trinkwasser eine schlechte Qualität, wird es nicht entsprechend aufbereitet. Touristen werden regelmäßig vor dem Gebrauch oder Verbrauch gewarnt, während sich die meisten Einheimischen das teure aufbereitete Wasser in Flaschen nicht leisten kann. Das führt zu Infektionen, zudem oft zu den dort sehr häufig auftretenden Schäden am Zahnfleisch und den daraus resultierenden Folgeschäden.

Umweltschutz und wirtschaftliche Möglichkeiten

Bekanntlich findet ein Umdenken beim Umweltschutz in der Welt nur sehr langsam statt. Zuletzt ist das Verständnis dafür auch eine Frage der Erziehung, Bildung und der finanziellen Möglichkeiten. Damit steht es in vielen Schwellenländern oder den Entwicklungsländern aktuell nicht gut. Dementsprechend entwickelt sich der oft hinten anstehende Umweltschutz nur sehr langsam, moderne Technik kann wegen der immensen Investitions- und Betriebskosten ohne fremde Hilfe nicht entwickelt oder erworben werden. Hinzu kommt in Marokko die sehr hohe Korruptionsdichte, in deren „Leitungen“ viele Projekte einfach „versanden“.

Immerhin beginnt man nun damit, auch in Klärwerke und Aufbereitungsanlagen zu investieren oder durch internationale Hilfe investieren zu lassen. Im Gegensatz zum Lebensstandard des Königs und der dortigen Oberschicht, ist Marakko ein sehr armes Land. Vergleicht man die Wirtschaftsleistung Marokkos mit seinen 32 Millionen Einwohnern mit der Spaniens (47 Millionen Einwohner), so liegt die Marokkos mit 63 Milliarden Euro weit hinter der Spaniens mit 1.060 Milliarden im Jahr. Marokkos Wirtschaftsleistung entspricht zum Beispiel der Stadt Hamburg.

Sollte man also ohnehin eine Marokko-Reise planen, dann wäre der Besuch der Cascades d’Quzoud ein schönes Ausflugziel auf einer Rundreise durch das Land oder aber von Marrakesch aus in etwa eineinhalb Stunden mit dem Auto zu erreichen. Der Ort ist touristisch nicht überlaufen.

Quellen:

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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