
- kostbare Navajoa peeblesiana - L. Rechtnitz
Das Vorkommen der außergewöhnlichen Navajoa peeblesiana mit eigenartigen korkigen Dornen und glockig-breittrichterigen Blüten beschränkt sich auf den Norden des Staates Arizona, das Land der Völker der Navajo-Indianer Hopi und Zuni. Diese Art wurde zu Ehren des Zweitentdeckers Peebles benannt. Aufgrund ihrer Seltenheit wurde sie in den Anhang 1 (besonders geschützte Pflanzen) des Washingtoner Artenschutzabkommen aufgenommen. In Expertenkreisen sind es sehr begehrte Pflanzen.
Die Navajoa peeblesiana Croizat wurde in der Umgebung von Holbrook (USA) gesichtet, von Whittaker gefunden und 1994 in der Universität von Arizona deponiert.
Um die Arten zu unterscheiden, ist der so genannte Bestimmungsschlüssel sehr wichtig. So unterscheidet man die Unterart Navajoa peeblesiana anhand der Anzahl der Zentraldornen (null bis ein) und Randdornen (drei bis sechs, meist vier ) von der Navajoa peeblesiana var. fickeisenii. Letztere verfügt meist über ein Zentraldorn sowie vier bis acht, meist sechs Randdornen.
Beschreibung
Die Körper sind solitär und nur selten Gruppen bildend, kugel- bis eiförmig und etwa anderthalb bis sechs Zentimeter lang, zwei bis fünf Zentimeter dick. Die Epidermis ist bläulich, die Wurzeln sind nahe unter der Oberfläche verzweigt. Die Pflanze ragt zweieinhalb bis drei Zentimeter aus dem Boden, wobei ihr Körper im Sommer und in den Wintermonaten in den Boden eingezogen wird. Die Zentraldornen sind variabel, aufwärts gerichtet, gedreht korkig und in den Farbtönen weiß bis grau, gelblich, hornfarben, bei Neuaustrieb an der Basis rosa, bei adulten Individuen rissig und ca. zwei bis 22 Millimeter lang. Die Randdornen sind weiß bis grau, hornfarben, gebogen und zwei bis zehn Millimeter lang. Die Blüte hat im Schnitt einen Durchmesser von etwa 20 Millimetern und eine Länge von zehn bis 25 Millimetern. Sie erscheint unregelmäßig im Scheitel, ist gelb bis grünlich-gelb, auch crémefarben und hat rosafarbene, grünliche oder bräunliche Mittelstreifen, manchmal mit blass grünlichen Rändern. Die Blütezeit ist April bis Anfang Mai.
Verbreitung
Die Pflanzen sind heute ausschließlich im Staat Arizona verbreitet, und zwar im Navajoan Desert, NO Navajo Co., in der südlichen Grand Canyon Region, House Rock Valley. Hier findet man diese Pflanzen in Höhen von 1200 bis 1700 Metern auf ebenem, steinigem, mit lehmigem Substrat durchzogenem Gelände oder an leicht abfallenden kleinen Hügeln vor.
Geschichte
Die Pflanzen der Navajoa peeblesiana wurden 1936 von Whittacker erstmals nahe Holbrook (USA) gefunden. Im Jahre 1941 wurden in dieser Umgebung weitere Pflanzen von Peebles entdeckt. Die Erstbeschreibung erfolgte 1943 von Croizat. Einige Jahre später sollten die Pflanzen mit der Kakteengattung Toumeya vereinigt werden. Aufgrund weiterer Aufsammlungen wurden sie schließlich zur Gattung Pediocactus gestellt, und zwar aufgrund der Erscheinungsform der Dornen und der Blüten.
Die Morphologie der Pediocactus-Samen führte jedoch zu dem Ergebnis, dass Navajoa in keinem Fall mit Pediocactus zu vereinigen ist, obwohl eine nahe Verwandtschaft unbestritten ist. Die Navajoa gehört zu den Schrumpfspezies, d.h. extreme Witterungsbedingungen – heiße, trockene Sommer und harte Winter unter minus 20 Grad – bewirken das Schrumpfen der Pflanzen und das Einziehen in den Erdboden.
Die Navajoa peeblesiana var. fickeisenii wurde in den fünfziger Jahren von Whittacker entdeckt. Nachdem in den Folgejahren mehrere weitere Exemplare dieser Art gefunden wurden, berichtete man über diesen sensationellen Neufund und unterschied sie deutlich zur Navajoa peeblesiana. Der Unterschied bestand in den längeren Dornen und dem Mitteldorn; sie wies aber die gleiche korkige Dornenstruktur auf. Diese Art fand ihren Namen zu Ehren der Familie Fickeisen.
Die Eingruppierung war jedoch noch immer nicht abgeschlossen. So stellte Benson Anfang der sechziger Jahre die Pflanzen als Varietät zu Pediocactus peeblesiana, kurze Zeit später wurden sie zu den Toumeya eingeordnet. Aus nomenklatorischen Gründen änderte Benson 1969 wiederum den Namen in Pediocactus.
Da Navajoa fickeisenii durch Backeberg nicht gültig beschrieben wurde, blieben auch die darauf beruhenden Umkombinationen ungültig. Aus diesem Grund wurde das Taxon 1994 als Navajoa peeblesiana var. fickeisenii neu beschrieben. Im Gegensatz zum Gattungstypus hat diese Unterart im nördlichen Arizona ein weit zerstreutes Vorkommen. Natürliche Barrieren wie der Grand Canyon, dicht bewaldete Gebiete oder der Little Colorado River können Gründe für eine Formenvielfalt sein. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes, das bis zum Nord Grand Canyon National Park reicht, ist die Gefahr der Ausrottung geringer als bei Navajoa peeblesiana. Auch eine Gefährdung durch Abweiden besteht in diesen Regionen kaum.
Die unterschiedliche Anzahl, die Art und die Stellung der Dornen sind Merkmale, die eine Unterscheidung der Unterarten erleichtert. Weiteres Material fand Couper am Little Colorado River bei Cameron. Die Randdornen dieser Population sind fein und kurz. Abweichend haben diese Pflanzen korkige, am Körper anliegende Zentraldornen und sind deshalb gut zu unterscheiden. Diese Form ist unter dem von Cowper stammenden Namen „maia“ bekannt, eine Beschreibung liegt aber nicht vor.
Kultivierung
Die Kultivierung der Navajoa hat lange Jahre große Schwierigkeiten bereitet, obwohl sie gar nicht so problematisch ist. Es handelt sich um winterharte Pflanzen, die kühle und helle Überwinterung brauchen, um blühen zu können. Wir lösen das Problem dahingehend, dass die Pflanzen im Freien mit Regenschutz kultiviert werden, und nehmen sie im Winterunterhalt von minus zehn Grad ins Gewächshaus, weniger wegen der Kälte, sondern wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit. Diese vertragen die Pflanzen nicht. Sie können dann mit Fäulnis reagieren. Das Substrat sollte rein mineralisch und durchlässig sein. Es ist sehr zu hoffen, dass uns die kleinen Juwelen aus dem Südwesten der USA erhalten bleiben.
Literatur: Backeberg, C. (1962): Die Cactaceae, Bd. 5; Backeberg, C. (1976) Kakteenlexikon; Hochstätter, F. (1989), An den Standorten ...
