
- Videospielserie NBA Live von EA Sports - mrwynd
Mit der Ankündigung, den für Anfang Oktober geplanten Release von NBA Elite 11 auf unbestimmte Zeit zu verschieben, brach der Publisher EA Sports eine Welle an Erstaunen und Meinungsäußerungen los. In der langen Geschichte der Basketballspielserie wurde zuvor nie mit der Tradition gebrochen, jedes Jahr kurz vor Saisonbeginn der NBA im Oktober die neueste Version des Videospiels in die Regale zu stellen. Diese Verschiebung ist nach Meinung der Branchenkenner jedoch lediglich ein logisches Resultat aus der Situation, die sich in den letzten 4 Jahren langsam aber stetig anbahnte.
Der schlafende Riese EA Sports
Der einstige Marktprimus und Monopolist EA Sports erhielt bereits 1999 einen ersten ernsten Konkurrenten. Der damalige Publisher Sega Sports veröffentlichte mit der NBA 2k Serie eine gute Alternative zum seit 1994 existierenden NBA Live von EA. NBA 2k war bis 2002 jedoch lediglich auf dem Sega Dreamcast verfügbar und somit keine reelle Bedrohung in der breiten Masse der Videospielszene.
2k glänzte allerdings schon damals mit hochwertigen Grafikmodellen und frischem Wind. Jahr um Jahr konnte sich der Neuling besser im Markt etablieren. Trotz der sichtbaren Bedrohung hielt EA am eingefahrenen Kurs fest. Man war überzeugt, den Konkurrenten mit Geld, Marketing und dem stärkeren Brand zu schlagen. Hierbei behandelte man die innovative Komponente auf Seiten der technischen Weiterentwicklung des Spiels eher stiefmütterlich. Im Vergleich zum Motion Capture strotzenden NBA 2k wirkte NBA Live comichaft. Spielerische Elemente, Tiefgang und die Usabilty wirkten im Vergleich zum kleinen Mitbewerber veraltet.
Im Jahr 2005 wurde die 2k-Serie samt Entwicklerhaus an Take-Two Interactive veräußert und erscheint seitdem unter dem Dach des Publishers 2k Sports. Mit NBA 2k6 veröffentlichte man den ersten Next-Generation Titel auf der XBOX 360. Die neue Konsole, strotzend vor Rechenleistung, erlaubte den strebsamen Entwicklern, das Spiel auf die nächste Stufe zu heben. Das Spielgeschehen wirkte photorealistisch, die Spielermodelle originalgetreu und das Gameplay - die unbestritten wichtigste Komponente bei einer Basketballsimulation - revolutionär. Verglich man NBA 2k mit NBA Live, so bemerkte man schnell den qualitativen Unterschied.
Jahr um Jahr wurde der Abgesang auf EAs Vormachtstellung immer lauter. 2k erkämpfte in Sachen Innovationen, Ideen, Technik, Grafik und Umsatzzahlen den ersten Platz - EA Sports hingegen erhielt das Prädikat des langsamen, alten Riesen der nicht in der Lage war, mit der Zeit mitzugehen.
Im Jahr 2008 erregte der Wechsel des Lead Designers Michael Wang weg von 2k Sports hin zu EA Sports großes Aufsehen. Zwar war es durchaus üblich, dass Leute innerhalb der Branche den Arbeitgeber tauschen, Wangs Wechsel war aufgrund der Spezialisierung der Branche (Basketballvideospiele) jedoch eher wie ein Wechsel von einem politischen Lager ins andere - mit einem Wort: drastisch!
Hintergründe des Wechsels traten nie an die Öffentlichkeit, EA Sports sprach mit der Verpflichtung Wangs jedoch eine Kampfansage an die Branche und an den stetig stärker werdenden Rivalen aus. Man erhoffte sich einen neuen Schwung in Sachen Gameplay und Spielermodellen. Denn grafisch konnte man EA nie etwas vorwerfen. Die hölzernen Bewegungen und das Arcade-like Gameplay trübten jedoch jeden Spielspaß. NBA Live 10 war in der Tat ein Schritt nach vorn und verringerte die klaffende Lücke, die sich über die Jahre zwischen den beiden Titeln entwickelt hatte.
Nach der Veröffentlichung von Live 10 verließ Wang EA jedoch recht plötzlich und kehrte zurück zu 2k Sports. In diversen Interviews begründete Wang seinen Weggang mit der strategischen Ausrichtung des Publishers. Für Ihn war es immer wichtig, "eine Basketballsimulation zu kreieren". EA Sports hingegen wollte nach dem simulationsschweren NBA Live 10 wieder eher in Richtung Arcade abdriften.
Dieser Interessenskonflikt trieb Wang zurück zu 2k Sports, wo er zugleich in die Entwicklung von NBA 2k11 einstieg. Viele Experten und Analysten bewerteten den erneuten Wechsel als einen Vorboten für EAs strategischen Missgriff. Im Frühsommer diesen Jahres - etwas eher als normal - begann die Marketingmaschinerie von EA Sports zu rollen. Die Umbenennung des Titels NBA Live in NBA Elite sollte der Grundstein für eine angekündigte Revolutionierung der Spielsteuerung sein.
Das Missverständnis NBA Elite 11
EA versprach den großen Wurf und vermarktete dies (wie gewohnt) mit einer Fülle an NBA Stars, die ihr Gesicht für den neuen Titel zur Verfügung stellten. Experten und Fans waren diesen Neuerungen gegenüber skeptisch eingestellt - zumal die langsam aber stetig auftauchenden Neuigkeiten zu NBA 2k11 immer vielversprechender wirkten. Als 2k Sports (taktisch klug) die Verpflichtung von Basketball Legende Michael Jordan ankündigte, verschwand Elite 11 komplett aus dem Rampenlicht. Schnell stellte sich heraus, dass EA Sports in der Tat einen neuen Kurs eingeschlagen hat, welcher einen technischen und spielerischen Rückschritt bedeutete.
Mit dem Release der Demo beider Spiele konnte der gemeine Fan sich dann zum ersten Mal persönlich von der Qualität überzeugen - und sein Urteil war zerschmetternd. NBA Elite 11 wurde schonungslos kritisiert, selbst treu gebliebene wandten sich ab und gaben dem NBA 2k11 Ihren Zuspruch. Findige Spieler stellten Videos ins Netz, welche die massiven Fehler der Software en Detail aufzeigte.
EA Sports zog zwei Wochen vor dem geplanten Release dann die Reißleine. In einer offiziellen Verlautbarung hieß es, man sei selbst nicht mit dem Ergebnis zufrieden und wolle an den Problemen arbeiten um eine Produkt zu veröffentlichen, welches den eigenen Ansprüchen gerecht werde. Seither diskutiert die Spielergemeinde über diesen Schritt von EA Sports. Hat die Stimme und Kritik des Fans dazu geführt oder wolle der Publisher lediglich einen weiteren Finanz- und Imageschaden vermeiden?
Wie man es dreht und wendet, am Ende hat der Konsument gewonnen. Auch wenn EAs Entscheidung eine strategische war, so ist eines doch ganz deutlich - ist der Konsument nicht zufrieden, kauft er nicht. Wird der Titel nicht gekauft, fährt das Unternehmen Verluste.
Auf der einen Seite ist dieses Fiasko um Elite 11 natürlich ein Schlag ins Gesicht für den einstiegen Branchenriesen, der mit den Titeln Madden, Fifa Soccer und der NHL Franchise ja beweist, dass er gute Spiele produzieren kann. Anders als in den genannten Sportarten hat EA Sports beim Basketball jedoch einen Konkurrenten im Markt, der zunächst nicht ernst genommen wurde, letztendlich jedoch durch seine Motivation und Antrieb EA überflügelte.
Dieser Schlag ins Gesicht birgt für EA aber auch eine Chance auf den Neuanfang. Man kann nun den Reset Knopf drücken und von Neuem beginnen. Dank Social Media und Marketing kann man den Kontakt zu den Fans suchen, die entgegen aller Einschätzung nicht nur unqualifiziert kritisieren sondern auch konstruktiv Vorschläge unterbreiten.
EA Sports kann sich nun zurück ans Reißbrett setzen, zusammen mit den Fans und ein Spiel entwickeln, was wieder eine ernste Konkurrenz für den neuen Riesen 2k Sports werden kann. Wettbewerb treibt Innovation an. Jeder Fan sollte sich glücklich schätzen, dass der Kreis der jährlichen Titel Refreshs durchbrochen wurde. Jahr um Jahr mehr als 50 € für marginale Neuerungen zu investieren war den Spielern seither ein Dorn im Auge. Nun kann EA beweisen, dass Sie zuhören und Innovationen nicht abgeneigt sind. Vielleicht nutzt EA Sports die Chance auf Veränderung - zu Gunsten des Fan und Konsumenten.
