
- Astro Ursus - Urs Schläpfer
Herr Schläpfer, Sie arbeiten seit 30 Jahren als Astrologe und sind unter dem Namen "Astro Ursus" inzwischen nicht nur in der Schweiz ein Begriff. Wie kam es zu diesem Namen?
Ich habe einen echt schweizerischen Vornamen und wenn man Urs übersetzt, so heißt das Bär. Hinzu kommt, dass es im Kosmos die Sternbilder "Ursus minor" und "Ursus major" gibt, im Volksmund bekannt als der kleine und der große Bär. So ergab sich mein astrologischer Künstlername fast automatisch, man könnte auch sagen: Er stand in den Sternen. (lacht)
In Ihrem Lebenslauf taucht der Begriff "Ausbildung zu integraler Astrologie" auf. Was ist darunter zu verstehen?
In Zürich kann man die "integrale Astrologie" bei Astrosesam (Siegfried Schmid) lernen. Integral heißt, dass nicht nur in eine starre Richtung gelehrt bzw. gelernt wird, sondern dass auch die jeweils aktuellen Erkenntnisse in das astrologische Weltbild integriert werden. Die klassische von alters her bekannte Astrologie beinhaltet ja nicht alle Facetten und neuesten Erkenntnisse, deshalb scheint es mir persönlich wichtig, bei meiner astrologischen Arbeit auch all diese Facetten zu nutzen.
Bedeutet das, dass Sie in Ihrer Arbeit verschiedene Techniken miteinander verbinden?
Seit der Quantenhysik ist klar geworden, dass alles miteinander verwoben ist. So beziehen sich ja auch andere Disziplinen, wie z. B. I Ging, Numerologie, Tarot usw, immer auf den Sternenhimmel, also auf die Astrologie. Die zwölf Apostel aus dem neuen Testament können im zwölfteiligen Tierkreis genau so gefunden werden wie auch die Engel dem Tierkreis zugeordnet werden können. Kürzlich besuchte ich einen interessanten Vortrag, wobei "die sieben Samurai" den sieben klassischen Planeten zugeordnet wurden.
Bekannt geworden sind Sie unter anderem durch TV Sendungen, in erster Linie aber doch wohl durch Ihre Forschungsarbeit über Nessus, das 13. Gestirn. Was für ein Planet ist Nessus und wie beeinflusst er die Grundlagen der klassischen Astrologie?
Um auf Nessus zu kommen, muss ich ein bisschen ausholen. Viele Jahrtausende lang forschte, arbeitete und deutete die Astrologie mit den sieben sichtbaren Himmelskörpern (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn). 1781 wurde dann Uranus entdeckt und wahrscheinlich genau zur richtigen Zeit, denn Uranus steht für Unberechenbarkeit, er ist ein "Revoluzzer" und damit ein Vorbote der Französischen Revolution. Uranus ersetzte im Tierkreiszeichen Wasermann den damaligen Doppelherrscher Saturn.
Ihm folgte dann Neptun, der 1864 entdeckt wurde. Wieder könnte man sagen, gerade zur rechten Zeit, denn Neptun hat unter anderem mit sozialer Hilfestellung zu tun. Kurz nach seiner Entdeckung entstanden nach und nach die ersten Sozialwerke. Neptun löste astrologisch dann den Doppelherrscher Jupiter im Zeichen Fische ab.
1930 entdeckte man Pluto, das Atomzeitalter begann. Pluto ersetzte nun den Herrscher Mars im Zeichen Skorpion. Erst 1977 wurde der Asteroid Chiron entdeckt und vor allem in Amerika sehr schnell von der Astrologie in Beschlag genommen Seine elliptische Bahn verlief zwischen Saturn und Uranus. In der griechischen Mythologie war Chiron ein Kentaur (halb Mensch/halb Pferd), der die griechischen Helden ausbildete. Man ordnete ihn dem Zeichen Jungfrau zu, also dem Zeichen für Arbeit und Gesundheit.
1992 wurde der Asteroid Pholus entdeckt, ebenfalls ein Kentaurenname. Pholus als Wandler zwischen Saturn und Neptun "verkörpert" das Prinzip der Verbindung von Muße und Schönheit. Was lag also näher, als ihn dem Zeichen Waage zuzuordnen. Fortan war auch die Venus als Doppelherrscherin entlastet und alle Zeichen im Tierkreis hatten nun ihre eigenen Herrscher.
Wunderbar, dachte ich und sagte mir: Jetzt ist die Astrologie vollkommen! Dann hörte ich 1995 das erste Mal von Nessus, ebenfalls ein Asteroid und ein Kentaur, der 1993 entdeckt worden war. Seine Bahn verläuft zwischen Saturn und Pluto. Mein astrologisches Weltbild geriet erst einmal ins Wanken, denn für mich war es ja bereits komplett und deshalb sträubte ich mich innerlich zunächst gegen diesen unbequemen neuen Kerl, der so gar keinen Platz mehr in meiner astrologischen Weltanschauung hatte.
Und wie kam es, dass Sie sich dann doch so intensiv mit Nessus auseinander gesetzt haben?
Durch einen persönlichen Schicksalsschlag erregte Nessus mein besonderes Interesse und ich fing an, ihn zu erforschen und zwar in astrologischer als auch in mythologischer Hinsicht. Mein Weltbild erweiterte sich plötzlich um eine neue Dimension. Die Astrologie schien mit ihren zwölf Herrschern bis dahin vollkommen zu sein, nun sprengte ein dreizehnter den Tierkreis. Mir ließ das keine Ruhe und ich glaubte, des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Fest stand doch, dass wir uns ständig im "vollkommenen" (Tier-)Kreis drehen, genau wie in einem Karussel, also nicht weiter kommen und deshalb auch keine Entwicklungschance haben. Also brauchte es einen, der diesen so "vollkommenen" Kreis sprengt, das heißt, diesen Kreis sozusagen zur Spirale formt. Wie uns überall in der Natur die Spirale (siehe DNS) Entwicklungspotential aufzeigt, so geschah das fortan auch im astrologischen Kreis durch Nessus. Nessus heißt: Der Neue.
Und welchen Bezug zur Astrologie bringt nun dieser "Neue" aus der Mythologie mit?
In der Mythologie war er ein Fährmann, der die Menschen ans andere Ufer brachte. In der Astrologie erschließt er neue Dimensionen in der Deutung. Nessus im Horoskop als Transit zeigt immer etwas neues an. Er macht ähnlich wie Saturn Druck und fordert Veränderung wie Pluto. Schließlich soll der Mensch ja weiter kommen, sich entwickeln dürfen und nicht stehen bleiben. Er darf also zu neuen Ufern aufbrechen, eine Stufe auf der Spirale erklimmen und sich verändern.
