Netzwerk-Alternative Powerline

Wenn LAN und WLAN nicht zur Verfügung stehen, hilft das Stromnetz

Devolo dLAN Highspeed Ethernet II - Devolo
Devolo dLAN Highspeed Ethernet II - Devolo
Nicht jeder kann auf ein verkabeltes Netzwerk zurückgreifen oder WLAN nutzen. Die Alternative: Powerline - hier kommt neben dem Strom auch das Netz aus der Steckdose.

Mal ist es eine Mietwohnung, die man nicht ohne weiteres in einen Schweizer Käse verwandeln darf, um Netzwerkkabel zu verlegen, mal ist es ein Haus in solider Stahlbetonbauweise, das jeglichen WLAN-Empfang zunichte macht: Auch im Jahre 2009 ist es halt nicht immer leicht, ein funktionierendes und praktikables Netzwerk auf die Beine zu stellen. Eine dritte Alternative, die jedoch längst nicht so bekannt ist wie die beiden ersten Methoden, kann aber häufig die optimale Lösung sein: Ein Netzwerk mit Powerline.

Strom und Netzwerk aus der Steckdose: Powerline

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Statt der Verlegung einer neuen Infrastruktur mit neuen Netzwerkkabeln (LAN) und entsprechend hohem Aufwand oder Einsatz von störungsempfindlichen Funkkomponenten (WLAN) wird die in jedem Haus und jeder Wohnung bereits vorhandene Stromverkabelung genutzt: Ein Adapter, der kaum anders aussieht als ein Netzteil für Lampen oder Drucker, wandelt die Computerdaten um und moduliert sie auf das bestehende 220 Volt-Spannungsnetz. An einer anderen beliebigen Stelle lassen sich die so eingespeisten Daten wieder mit einem weiteren Adapter auslesen. So zumindest in der Theorie.

In der Praxis sieht das ganze so aus: Für ein Basisnetzwerk benötigen Sie zwei Adapter, wenn Sie beispielsweise Ihren DSL-Router mit Ihrem Computer verbinden möchten. Den ersten Adapter stecken Sie in eine Steckdose in der Nähe des Routers, den anderen Adapter in eine Steckdose unweit Ihres PC. Dabei sollten Sie jedoch keine Mehrfach-Steckdosenleisten oder sonstige Verteiler nutzen sondern tatsächlich eine echte Wandsteckdose. Moderne Powerline-Adapter arbeiten mit einem Verschlüsselungssystem, das sich per Knopfdruck synchronisieren lässt: Dazu müssen Sie innerhalb einer bestimmten Zeit an beiden Adaptern einen kleinen Knopf betätigen. Danach brauchen Sie nur noch die Adapter jeweils per Netzwerkkabel mit den Komponenten Router und PC zu verbinden, schon ist Ihr Netzwerk einsatzbereit. Das Netz können Sie auch später ganz einfach erweitern: Einen weiteren Adapter kaufen, einstecken, synchronisieren, fertig.

Powerline-Technik mit Grenzen

Damit Powerline-Komponenten unterschiedlicher Hersteller reibungslos miteinander funktionieren, gibt es die Homeplug Powerline Alliance. In diesem Zusammenschluss finden sich auch namhafte Hersteller wie Intel, Motorola, Cisco, Zyxel oder Texas Instruments. Der Homeplug-Standard wird ständig weiterentwickelt. Während es die ersten Adapter im Jahre 2001 gerade einmal auf 14 MBit/Sekunde (Homeplug 1.0) schafften, werfen aktuelle Module 85 MBit/Sekunde repektive stolze 200 MBit/Sekunde ins Rennen. Auf dem Papier klingen 85 MBit/s gut und 200 MBit/s sogar super - in der Praxis werden Powerline-Adapter diesen Wert jedoch nur unter Laborbedingungen erreichen. Gerade die Verkabelung in Altbauten macht den Hightec-Übertragern einen Strich durch die Rechnung. Aber auch unter idealen Bedingungen ist selten mehr als 40 Prozent der angegebenen maximalen Datenübertragungsrate realistisch.

Powerline: Nicht ohne Probleme

Wo viel Licht ist, zeigt sich auch viel Schatten, denn auch Powerline ist nicht der Weisheit letzter Schluss. So kann es aufgrund des Prinzips der hochfrequent aufmodulierten Daten im Stromnetz zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen: Die Stromkabel in Wänden und Decken verwandeln sich in regelrechte Sendeantennen und können empfindlichen Gemütern im wahrsten Sinne des Wortes im schlimmsten Fall den Schlaf rauben oder zumindest elektronische Geräte wie Radios oder Fernseher stören. Hinzu kommt der typische hohe Stromverbrauch: Ein Adapter genehmigt sich bis zu 10 Watt, das bedeutet in der kleinsten Ausbaustufe bereist etwa 15 bis 20 Watt, und das rund um die Uhr.

Ebenso heikel sind trotz der Firmen-Allianz mangelnde Kompatiblitäten zwischen den vielen Adaptern unterschiedlicher Hersteller. Zu beachten ist beim Kauf zudem die Inkompatibilität zwischen den 85- und 200-MBit-Systemen. Wer hier auf Nummer Sicher gehen will, kauft nicht nur Adapter in der gleichen Geschwindigkeit sondern auch vom selben Hersteller.

Powerline - Fazit

Die Übertragung von Computerdaten via Powerline stellt trotz aller Probleme eine wichtige und überlegenswerte Alternative dar. Wenn es keine Netzwerk-Infrastruktur sprich Ethernet-Kabel gibt und sich diese auch nicht oder nur schwer und kostenintensiv nachrüsten lässt, ist sicherlich WLAN die nächstbessere Wahl. Doch auch WLAN hat mit Übertragungsproblemen zu kämpfen. Wenn also weder LAN noch WLAN funktioniert, kann doch meist zu guter Letzt noch die Powerline-Technik helfen.

Chris Wiedenhoff, Chris Wiedenhoff

Chris Wiedenhoff - Seit 1994 ist Chris Wiedenhoff im Journalismus tätig: Begonnen hat er als Redakteur bei bekannten PC-Fachzeitschriften (PC Praxis, ...

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