
- Takers - Sony Entertainment
Eine Bande smarter, junger Gentlemengangster spezialisiert sich auf minutiös und intelligent geplante Raubüberfälle, die mit einem Minimum an Gewalt auskommen. Die Beute, die sie bei ihren "Jobs" einheimsen, wird gerecht aufgeteilt und gewinnbringend bei Bankinstituten geeigneter Karibikinseln oder Alpenstaaten angelegt. Zwischen den einzelnen Aufträgen lassen die Jungs es sich gut gehen mit schönen Mädchen, schicken Fahrgeräten und erstklassigem Scotch in eleganter Umgebung.
In diese Ganoven-High Society-Idylle hinein platzt ein ehemaliges Bandenmitglied, das einst bei einem Coup verletzt zurückgelassen und in der Folge geschnappt wurde. Vorzeitig entlassen, nachdem er all' die Jahre um seines Anteils willen dicht gehalten hat, muss er erfahren, dass sein Mädchen nunmehr mit einem der anderen verlobt ist. Und dass überhaupt seine ehemaligen Kumpels ihn mit einer Portion gesundem Misstrauen beobachten und nicht allzu begierig sind, ihn erneut in ihrer Mitte zu sehen.
Die klassische Geschichte aller Banden-Filme
Natürlich haben die Jungs recht: der Mann ist ihnen nicht wohlgesonnen, sinnt auf Rache, und der Coup, den er ihnen vorschlägt und der auch noch die Russen-Mafia involviert, kommt ihnen nicht nur überhastet und nicht ganz koscher vor, er ist es auch.
Von da an geht es in Takers weiter wie solche Filme, von Heist bis zum Italian Job, eben so weiter gehen, und zwar komplett mit wilden Verfolgungsjagden, Schießereien und einem Showdown, der es in sich hat. Selbst die obligatorischen Cops sind dabei, auch sie so, wie sie sein sollen: der eine leicht heruntergekommen und ein Sklave seiner Arbeit, der andere korrupt wegen eines kranken Kindes und am Ende im Dienst erschossen.
Ja, John Lussenhops Thriller kommt in der Tat als eine Ansammlung von Klischees daher. Und dennoch… Bei allem Mangel an Originalität in der Story, bringt Takers jedoch zumindest drei Einfälle auf, die sonst kein anderer Streifen dieses Genres vorzuweisen hat: der erste Raub, der die Helden vorstellt, eine Verfolgungsjagd, bei der Polizist Jack mit seiner Tochter im Auto zum ersten Mal die richtige Spur verfolgt, sowie eine weitere zu Fuß, die sich als Zelebrierung der in den letzten Jahren als Parkour bekannt gewordenen Sportart versteht, hat man - zumindest so - noch nie gesehen. Und auch sonst gibt es vieles, was den Film ausgesprochen sehenswert macht.
Inhalt über Stil ist gut, Stil über Inhalt manchmal besser
Da ist zum einen Los Angeles als atemberaubende Kulisse aus in den Himmel ragenden, fast schwebenden Glas- und Stahlpalästen unter irisierender Sonne und silbrig-schattigem Mond. Wer die Stadt nicht kennt, wird sie nach diesem Film kennenlernen wollen. Wer sie kennt, wird sich wundern, wieso ihm diese geballt-leichte Schönheit der Metropole vorher nicht aufgefallen ist.
Zum anderen ist die rasante Kameraführung, sind die schnellen Cuts, wie man sie mittlerweile von Großstadt-Actionfilmen à la I am Legend oder Quantum of Solace sattsam kennt, einer gestochen-scharfen Präzision unterworfen. Und schon stellt man verblüfft fest, dass selbst die leichte Demenz eines Peter Berg filmisch interessant sein kann, wenn sie nur die richtigen Zutaten beigemengt kriegt - wie die Strenge eines Michael Mann, beispielsweise.
Ferner ist die elegant-unterkühlte Ausstattung hervorzuheben. Alles: Ambiente, Autos, Kleidung, Menschen ist stylish. Selbst die Musik kommt daher als coole Mischung aus Gangsta-Rap und Cool Jazz, mit einem Hauch Acid. Die schnellen, harten Beats - passend zur Kameraführung - sehen sich immer wieder unterbrochen von kleinen, distanziert-einlullenden Intermezzi, die an Klängen erinnern, wie man sie in erstklassigen Hotellobbies von einem erstklassigen Pianisten mit trauriger Vergangenheit zu hören bekommt. Es wird geholfen haben, dass mit T.I., Chris Brown (der auch als Produzent für Takers verantwortlich zeichnete) und Idris Elba gleich drei Stars der internationalen Rap-Szene involviert waren. Dass sie sich auch noch als gute Schauspieler entpuppen, trägt maßgeblich zum Erfolg des Films bei.
Die Takers im Einzelnen: Ein Schauspiel-Fest
Überhaupt: die Schauspieler. In einem Film, der dankeswerter Weise auf sämtliche psychologische Fracht verzichtet, vermögen sie es mittels kleiner Gesten, punktgenau angewandter Mimik und nuancierten Stimm-Inflexionen die Gestalten, die sie verkörpern, genauestens zu charakterisieren, ohne jedoch jemals zu überzeichnen.
T.I. liefert eine schlangenhaft-hypnotisierende Verkörperung des Ghost. Chris Brown als Jesse wirkt in seiner Spielfreude geradezu ansteckend. Idris Elba ist fesselnd als besonnener Anführer Gordon, der zugleich die emotionale Achterbahnfahrt des Bruders einer Drogenabhängigen (gespielt von der großartigen Marianne Jean-Baptiste) zu bewältigen hat.
Michael Ealys Jake vibriert von intelligenter Emotionalität, die sich in Zoe Saldanas Darstellung seiner Verlobten Lilly fast rührend wiederspiegelt. Und wer Paul Walker bislang als schauspielerisches Leichtgewicht abgestempelt hat, wird eines Besseren belehrt: als ausgeglichener, kühl-berechnender John, der Anchorman der Truppe, ist er hier absolut überzeugend.
Die Entdeckung des Films dürfte allerdings Hayden Christensen sein. Sein A.J. ist der Planer, Tüftler in der Runde, ein Ivy League-Absolvent mit künstlerischen Interessen, schrägem Humor und krummem Lebenspfad, dessen Persönlichkeit Ironie, Intellekt und Gefühl mit Gewaltausbrüchen balanciert. Natürlich hat man schon seit Life as a House, Awake und Factory Girl geahnt, dass mehr in ihm steckt. Hier jedoch erhascht man seit Shattered Glass zum ersten Mal wieder einen Blick darauf, wie verführerisch Amoralität sich filmen lässt - und was Anakin Skywalker für ein toller Antiheld hätte werden können, wenn George Lucas Christensen bloß gelassen hätte. Fürs Protokoll: in diesem jungen Mann steckt ein potentiell großartiger Tom Ripley.
Weniger überzeugend sind Matt Dillon und Jay Hernandez als jagdmachende Polizisten, doch dies mag daran liegen, dass sich weder Regie noch Drehbuch sonderlich für diese beiden Figuren zu interessieren scheinen.
Leider kann die deutsche Synchronisation da nicht mithalten. Wer also sich im Englischen genügend wohl fühlt, sollte sich den Film in der Originalfassung, notfalls mit Untertiteln, gönnen.
Der Film, den Ocean’s 11, 12, 13 werden wollen, wenn sie groß sind
Am Ende ist es also diese irritierend-anregende Mischung, die den Gesamteindruck von Takers bestimmt: kontrastreiche Bilder, rasante Action, nuanciertes Spiel und genügend Stil um jede Fashion Week vor Neid erblassen zu lassen. Ein Film für Erwachsene.
Originaltitel: Takers
Land, Jahr: USA, 2010
Regie: John Lussenhoop
Darsteller: Paul Walker, Hayden Christensen, T.I. u.a.
Bildquelle: BSC (c) Sony Entertainment
Text: eigene Recherche
