Wer geht schon gern zur Schule? Vor allem, wenn man ohnehin weiß, dass man klüger als die anderen ist und gar nicht dorthin gehört, mitten zwischen uncoole, peinliche Jungen und nervige Mädels. Zumal, wenn dann auch noch die Schauergeschichten des älteren Bruders hinzukommen, der die Überlebenschancen des Jüngeren an der Junior High gering einstuft.
Thor Freudenthals Adaption der weltweit erfolgreichen Comic-Serie „Gregs Tagebuch“ von Jeff Kinney fasst die Zeit unmittelbar vor der Pubertät ins Auge und inszeniert eine eigenwillige Komödie mit wenig Licht, dafür umso mehr Schatten.
Schule: Der Frust des Lebens!
Greg (Zachary Gordon) ist klein, zierlich, unsportlich und alles andere als cool. Sein Wechsel auf die Junior High School bereitet dem klugen Jungen erhebliches Kopfzerbrechen. Vor allem, nachdem ihn sein sadistischer Bruder Rodrick (Devon Bostick) über die Regeln an der High School aufklärte und wenig Hoffnung bekundete, dass Greg die Schule überleben würde. Tatsächlich scheint der erste Schultag Rodricks Aussagen zu bestätigen: Ringsum herrscht das Recht des Stärkeren, Schwächlinge wie Greg werden mit Nichtbeachtung bestraft und die meisten Schüler sind schlichtweg Idioten.
Deshalb tüftelt Greg über Pläne nach, zum populärsten Schüler an der Lehranstalt aufzusteigen. Ein gewagtes Unterfangen, verfügt er doch weder über körperliche Kräfte, noch über besondere Fähigkeiten. Mit seinem überragenden Intellekt vermag er ohnehin niemanden zu beeindrucken. Doch aus unerklärlichen Gründen erweisen sich seine Pläne als Fehlschläge, weshalb er sich einem neuen Ziel verschreibt: Seinen schrecklich kindlichen Freund Rowley (Robert Capron) zu Beliebtheit zu verhelfen. Das Unternehmen glückt besser, als Greg es je angenommen hätte, und plötzlich erfreut sich der unbeholfene Rowley des Respekts seiner Mitschüler, während Greg in der Beliebtheitsskala ganz nach unten plumpst. Als wäre das nicht demütigend genug, macht ihm auch noch Laine MacNeil (Patty Ferrell), seine schlimmste Feindin seit vielen Jahren, das Leben zur Hölle …
Witzig: „Gregs Tagebuch“ und der Käse-Fluch
Positiv überrascht der von Thor Freudenthal inszenierte Familienspaß durch einige skurrile Gags, wie etwa den „Käse-Fluch“. Dabei handelt es sich um ein Stück Käse, das seit langer Zeit auf dem Schulhofboden verschimmelt und denjenigen, der es berührt, mit einem fürchterlichen Fluch bestrafen soll.
Höhepunkt des klamaukigen Treibens ist eine Theateraufführung des „Wizard of Oz“. Darin ergattert Greg die Rolle eines singenden Baumes und muss sich gegen Laine MacNeil behaupten, die sich dank ihrer bedeutenden Eltern ganz im nepotistischen Sinne die Hauptrolle unter die lackierten Fingernägel riss. Der vor Eifersucht rasende Greg stürzt daraufhin die ganze Produktion ins Chaos …
Weniger witzig: Klischees und Stereotype
Trotz betont kinderfreundlicher Handlung und des weitgehenden Verzichts auf Vulgärhumor und derbe Ausdrücke verärgert „Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt“ letztendlich. Der Grund hierfür liegt in den unzähligen Klischees und stereotypen Charakteren. An Gregs Schule befinden sich fast ausschließlich Dummköpfe, Nerds mit Brillen oder nervige Mädchen. Kinder von Migranten werden per se zu sonderbaren Außenseitern erklärt, die bedenkenlos verhöhnt werden können.
Die Figur des Greg ist hingegen an Arroganz und Selbstgefälligkeit nur schwer zu überbieten. Sympathien kann man für einen dermaßen abgehobenen Jungen kaum empfinden, vor allem dann nicht, wenn er seinen angeblich besten Freund wiederholt in Gefahr bringt, ihn mehrmals demütigt und sogar unschuldig für eigenes Versagen büßen lässt.
Gemäß der Diktion von „Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt“ rächen sich derlei charakterliche Unzulänglichkeiten jedoch ohnehin nicht, was eine etwas befremdliche Moral vermittelt.
Tagebuch eines Narziss
Bereits der deutsche Untertitel verrät das größte Problem des Films: „Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt“ schildert die Welt aus Sicht einer hoffnungslos narzisstischen Persönlichkeit, die stets sich selbst in den Mittelpunkt des Interesses stellt und für Empathie nichts übrig hat. Wieso auch? Die Idioten, das sind die anderen …
Fazit: Was Gelegenheit für eine erfrischend originelle Komödie geboten hätte, entpuppt sich schlussendlich als enttäuschend unsensibles Lehrstück in puncto eiskalten Egoismus. „Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt“ mangelt es nicht an Gags oder tadellosen Schauspielleistungen, sondern an Herzlichkeit. Dies sei den Produzenten ausdrücklich ins Tagebuch geschrieben …
Originaltitel: „Diary of a Wimpy Kid“
Regie: Thor Freudenthal
Produktionsland und -jahr: USA, 2009
Filmlänge: ca. 93 Minuten
FSK: -
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany
Deutscher Kinostart: 16.9.2010
