Die Bestattungssitten haben sich innerhalb von nur zwei Jahrzehnten grundlegend gewandelt: Anonyme Beerdigungen, Seebestattungen, Urnengräber – das sind nur einige Schlagworte. Eine Entwicklung , die die Probleme der Friedhofsverwaltungen grundlegend gewandelt haben.
Noch vor 35 Jahren hat der damalige Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Eutiner Evangelischen Kirchengemeinde gleichsam in einer Nacht- und Nebelaktion auf kirchlichem Gelände am Rande der Stadt zwischen Kleinem Eutiner See und dem Ortsteil Neudorf einen neuen Friedhof anlegen lassen. Zum einen, weil er damaligen Planungen für den Verlauf der Umgehungsstraße einen Riegel vorschieben wollte. Zum anderen, weil er überzeugt war, dass in wenigen Jahren der vor 225 Jahren angelegte Friedhof an der Plöner Straße mit seiner Kapazität am Ende sein würde. Und heute?
Ruheforst und Friedwälder
Heute nehmen sich die Bürger der zur Gemeinde Malente gehörenden Dorfschaft Timmdorf auseinander. Dort wurden vor zwei Jahren erstmals Pläne eines Investors bekannt, der im benachbarten Staatswald einen „Ruheforst“ oder Friedwald betreiben will. Derartige neuartige Friedhöfe unterhält die Forstverwaltung bereits an verschiedenen Stellen Schleswig-Holsteins.
Zwar sind auch anderen Ortes die Meinungen zu solch einem Freidwald auf einander geprallt, aber nirgends so heftig wie in Timmdorf. Wobei die Argumente höchst unterschiedlich sind.
Die einen befürchten einen Ruheforst-Tourismus, während die benachbarten Friedhofsverwaltungen darauf hinweisen, dass ihre Gottesäcker nicht ausgelastet sind. Es nahe die Zeit, da die Kirchengemeinden die Belastung nicht mehr tragen könnten und die Gemeinden einspringen müssten. Der Vorsitzende des Finanzausschusses der Gemeinde Malente Horst Neumann – als früherer Universitätskanzler mit Finanzproblemen hinlänglich vertraut – wies überdies auf einen weiteren Aspekt hin: Der Ruheforst soll auf 99 Jahre angelegt werden. Was ist, wenn der Betreiber vorher insolvent wird. Dann steht die Gemeinde im Obligo. Fragwürdig erscheint auch vielen, dass mit Beerdigungen Geld verdient werden soll.
Neue Urnenfelder
Unterdessen hat in der Kreisstadt Eutin – wo die beiden christlichen Konfessionen insgesamt drei Friedhöfe unterhalten – die Friedhofsverwaltung der Evangelischen Gemeinde einen neune Weg eingeschlagen. Auf einem aufgelassenen Gräberfeld des Alten Friedhofs an der Plöner Straße wurde eine neue Fläche für anonyme Urnengräber angelegt. Unter einem neu angepflanzten „Baum des Jahres“ – Kastanie – ist Platz für zwanzig Urnenbestattungen. Dieses Gräberfeld soll kontinuierlich erweitert werden, wobei der jeweilige „Baum des Jahres“ Mittelpunkt sein soll. Dies vor dem Hintergrund, dass die kirchlichen Friedhöfe in Eutin gerade einmal zur Hälfte belegt sind.
Probleme, die auch den Großstädten nicht fremd sind. So hat die Hansestadt Lübeck unlängst einen Plan zur Neuordnung des Friedhofwesens vorgelegt. Der läuft darauf hinaus, dass Erweiterungspläne aufgegeben und das dafür vorgehaltene Gelände zur Bebauung freigegeben wird. Die Bestattungen sollen auf den Hauptfriedhof Vorwerker Friedhof konzentriert werden. Auf einer größeren Fläche werden sie überdies völlig auslaufen.
