Allerheiligen naht! Wenn die Tage kürzer und die Schatten länger werden, steht es uns näher als zu jeder anderen Zeit des Jahres: das Schattenreich, das Reich der Toten. Traditionell gedenken wir ihrer, indem wir ihre Gräber herausputzen und mit Lichtern schmücken. Jede Kultur hat ihre eigenen Rituale des Totengedenkens, die oft über Jahrhunderte starr und unveränderlich erschienen. Nun ist auch in die Sitten der Beisetzung und des Leichenbegängnisses Bewegung gekommen. Noch verhältnismäßig konventionelle Alternativen einer naturnahen Bestattung beschreiben Horst Schnitzel und Monika Hermeling in den Artikeln Neue Bestattungssitten bzw. Naturbestattung – ein Begräbnis für Naturfreunde. In Zeiten der Globalisierung und erweiterter technischer Mittel bieten sich freilich auch ganz neue Möglichkeiten. Eine breite Palette bieten moderne Bestattungsunternehmen wie Christ-all-Bestattungen. Längst muss Bestattung nicht mehr zwangsläufig Grablegung bedeuten. Neue technische Möglichkeiten bringen neue Ideen hervor. Schließlich erfasst die Cyberkultur auch die letzte Ruhe, ermöglicht neue Formen des Gedenkens an die Verstorbenen, gewissermaßen gar eine Unsterblichkeit.
Luft- und Seebestattungen
Wem der Gedanke nicht behagt, die Jahre nach dem Tod Seit an Seit mit anderen Verstorbenen in einem streng reglementierten Friedhofsareal zu verbringen, der mag vielleicht lieber seine Asche dem Wind oder dem Meer anvertrauen.
Weltraumbestattung
War es einem auf der Erde ohnehin schon stets zu eng, so wird er wohl die Weite des Alls suchen. Kein Problem. Wozu haben wir denn Raketen? Christ-all Bestattungen sorgt dafür, dass eine Urne mit einem Teil der Asche des Verstorbenen zusammen mit anderen Urnen von einer Rakete in den Weltraum verbracht wird, um beispielsweise in der Erd- oder Mondumlaufbahn ihre letzte (Un)ruhe zu finden.
Diamentbestattung
Wer sich schon immer als Juwel gefühlt hat, der wird sich vielleicht eher eine blendende Zukunft als Diamant wünschen. Auch kein Problem. Das Unternehmen Algordanza transformiert die Kremationsasche nach Wunsch. Auf eine chemisch-physikalische Analyse mit anschliessender aufwändiger Aufbereitung folgt die mehrwöchige Pressung des Diamanten unter hoher Temperatur und extrem starkem Druck. Der entstandene Rohdiamant wird zu einem funkelnden Brillanten geschliffen, der weiss bis bläulich strahlt, je nach Zusammensetzung der Asche. Jedes Stück ist ein Unikat.
DNS-Erhalt
Wem das der strahlenden Unsterblichkeit nicht genug ist, der will vielleicht der Nachwelt auch noch seine DNS erhalten, also den Programmcode, nach dem sein Körper sich entwickelt und funktioniert hat, bevor aus ihm so etwas wie Asche auf Weltraumreise oder vielleicht ein Diamant ward. Geht auch. Die Firma Christ-all-bestattungen beschreibt die von ihr angewandte Prozedur so:
"Wir entnehmen eine Probe aus der Mundschleimhaut des Verstorbenen. Aus der entnommenen Probe erfolgt im Speziallabor die Isolierung und Reinigung der individuellen DNS-Moleküle.
Das gereinigte Präparat kommt dann in einen für die längere Aufbewahrung des DNS Präparates geeigneten Behälter, was dem Kunden die Aufbewahrung am gewünschten Ort, z.B. zu Hause ermöglicht. Der andere Teil des DNS-Präparates wird in der Genbank des Speziallaboratoriums - bei niedriger Temperatur strengen Normen entsprechend – aufbewahrt.
Die Identifizierung der DNS-Probe erfolgt nach einer kodierten Nummerierung. Auf die in der Genbank des Laboratoriums aufgehobene DNS-Präparat hat nur der Auftraggeber Zugriff."
Beizeiten Vorsorge treffen
Derart exotische Bestattugsformen sind freilich mit teils sehr beträchtlichen Kosten und organisatorischen Hürden verbunden. So kann es etwa notwendig werden, rechtzeitig eine Willenserklärung abzugeben und eine behördliche Genehmigung zu beantragen. Darauf spezialisierte Unternehmen beraten und geben oft die Empfehlung, einen Bestattungsvorsorgevertrag und eine Sterbegeldversicherung abzuschließen.
Totengedenken im Internet, innerhalb und außerhalb virtueller Friedhofsmauern
Alle ordentlichen Dörfer haben Friedhöfe, das globale Dorf, als das das World Wide Web oft bezeichnet wird, natürlich auch. Seine Friedhöfe aus Bits und Bytes dienen, losgelöst von der Endlagerungsstätte des Verstorbenen, dessen Erinnerung und sind weltweit zugänglich, wie z.B. der "Internet-Friedhof", auf dem Engelchen und Blümchen niedlich mit Fügeln und Köpfchen wackeln.
Schließlich findet auch abseits solcher dedizierten Kultstätten Totengedenken im Cyberspace statt . Viele der Spuren, die wir zu Lebzeiten im Netz hinterließen, werden auch noch weit über unseren Exitus hinaus auffindbar bleiben. Sollte auch die eigene Website mit dem Ableben eingestellt werden, so ändert das nicht viel daran. Suchmaschinen arbeiten mit einem Zwischenspeicher. Außerdem gibt es riesige Archive wie die WayBackMachine, die einmal ins Netz gestelltes der Nachwelt erhalten. Auch haben Foren und Plattformen keinen Anlass, Beiträge zu löschen nur weil deren Ersteller nicht mehr ist. So können Hinterbliebene bewusst in der virtuellen Hinterlassenschaft stöbern. Googler, die statt einer bestimmten Person ein bestimmtes Ergebnis suchen, bekommen hingegen nichts davon mit, ob es von einem Lebenden oder Toten stammt. Nie war Unsterblichkeit billiger zu haben als in Zeiten des Internet!
