In einer im Spiegel veröffentlichten Studie der Beratungsfirma Premiumcircle wurden die Leistungen von mehreren Hundert PKV Tarifen untersucht. Die Gesundheitsökonomen kamen zu dem Ergebnis, dass viele Versicherungen erhebliche Leistungslücken aufweisen. Betroffene sollten daher vor Abschluss einer privaten Krankenversicherung Verträge gründlich prüfen. Sonst müssen sie eventuell später teure Behandlungskosten selber tragen. Festgestellt wurde außerdem, dass Krankenversicherungen ihr Angebot vor allem für Preisvergleiche im Internet optimieren und nicht für Patienten. Kritik kommt sogar aus der Branche selbst.

Private Krankenversicherung gründlich prüfen

Etwa 10 Millionen Menschen sind in Deutschland privat krankenversichert. Die meisten von ihnen sind überzeugt davon, dass sie ausreichend versichert sind. Sie fühlen sich sogar bevorzugt, Privatärzte nehmen sich wesentlich mehr Zeit für Patienten und in den meisten Arztpraxen bekommen sie schneller Termine als gesetzlich Versicherte. Wer sich für eine private Krankenversicherung entscheidet, sollte jedoch etwas genauer hinschauen. Vor allem gilt es nicht nur die in der Werbebroschüre herausgestellten Leistungen zu vergleichen, sondern Verträge genauestens zu prüfen. Immer mehr Menschen schließen ihre Versicherung über das Internet online ab, eine persönliche Beratung bleibt dabei auf der Strecke. Leistungslücken werden so schnell übersehen, das kann später teuer werden.

Leistungsdefizite der privaten Krankenversicherungen

Der Studie zufolge weisen viele Policen erhebliche Leistungslücken auf, die sogar von den gesetzlichen Krankenkassen gedeckt sind. Tatsächlich, so das Ergebnis der Studie, ist das Leistungsspektrum von mehr als 80 % der derzeit angebotenen PKV Policen geringer als bei einer gesetzlichen Krankenversicherung. Dies gilt vor allem für die günstigen Einsteigertarife, den Basistarif und Policen mit Selbstbeteiligung. So ist die häusliche Pflege Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung, sie fällt bei privaten Versicherungen oft weg. Die Kosten für eine häusliche Pflege können immens sein, eine zusätzliche Belastung im Alter, die zu den steigenden Beiträgen hinzukommt.

Anschlussheilbehandlungen werden von vielen PKVs ebenfalls nur eingeschränkt übernommen, dies gilt ebenso für Psychotherapien, sofern diese nicht gesondert versichert werden.

Auch die private Krankenversicherung hat ihre Vorteile

Bei aller Kritik muss jedoch bedacht werden, dass umgekehrt die meisten privaten Krankenversicherungen ebenfalls Leistungen anbieten, die in den gesetzlichen Krankenkassen nicht geboten werden. Dazu gehört nicht nur die Behandlung beim Heilpraktiker oder Zuschüsse für den Zahnersatz, sondern auch die Übernahme für Kosten bei Sehhilfen und vieles mehr. Insgesamt lässt sich sicher feststellen, dass bei den teuren Policen das Leistungsspektrum durchaus umfangreich ist. Allerdings werden Versicherte oft mit verlockend klingenden Leistungen wie zum Beispiel Massagen oder der Chefarztbehandlung geworben, während die wirklich kostenintensiven Leistungen wie zum Beispiel die häusliche Pflege nicht enthalten sind.

Besonders schlecht schneidet der sogenannte Basistarif der privaten Krankenversicherungen ab, er bietet im Vergleich wesentlich schlechtere Leistungen als die gesetzliche Krankenkasse.

Quellen:

Der Spiegel, Ausgabe 24/2012

Krankenversicherung-Wechsel.de