Univ.- Prof. Dr. Stefan Zimmer, von der Universität Witten/Herdecke, ist der Leiter einer Studie, die Ende 2011 die mögliche Kontamination von Patienten - Serviettenhaltern, aus Metall oder Plastik mit Mikroorganismen nachweisen sollte. Den Hintergrund bildeten die Hygiene - Richtlinien des

Robert - Koch Instituts. Vorwiegend sollte geklärt werden, wie und ob eine Reinigung der Serviettenhalter in deutschen Zahnarztpraxen erfolgt. In dieser Studie wurden 30 benutzte Serviettenhalter, die einen als Metallketten die anderen als Plastikclips, aus unterschiedlichen zahnärztlichen Behandlungseinrichtungen verschiedener Größenordnungen (Klinik und Praxis).

Hier wurde auch, die Anzahl und die Arten der Mikroorganismen analysiert. Die mikrobakterielle Besiedelung der Serviettenhalter erfolgte laut Studie zum einen durch den direkten Kontakt zum Patienten zum anderen durch Aerosole, also z.B. Übertragung durch die Luft.

Die Kontaktkontamination kann dabei vom Praxisteam, dem Patienten selbst oder durch Gegenstände zustande kommen. Für die Laboruntersuchung wurden mehrere Serviettenhalter aus einer Klinik und fünf Praxen nach Patientengebrauch eingesammelt und auf die mikrobielle Belastung hin untersucht. Bei der Studie wurden nur Serviettenhalter aus Witten (Nordreihn-westfahlen) und der näheren Umgebung, entsprechend den Praxisabläufen aufbereitete Metallketten und Plastikclips verwendet.

Ablauf der Laboruntersuchung

Jeder der Serviettenhalter wurde mit sterilen Handschuhen in ein mit 10ml trocken Nährmedium, in diesem Fall Tryptic Soy Broth (TSB) ein universal Anreicherungsmedium, gefülltes Röhrchen gelegt. Noch am selben Tag wurden die Proben, unter temperaturgeschützten Bedingungen, zur mikrobiologischen Auswertung in das Labor der Universität Witten gebracht. Ebenfalls wurde das Praxispersonal zum Ablauf, der routinemäßigen Reinigung und Aufbereitung nach Gebrauch der Serviettenhalter befragt. Im Labor wurden nun die Proben für 30 Sekunden in den Vortexer gegeben, geschüttelt und ein 1-ml-Nährmedium in Zentrifugenröhrchen gefüllt. Um einen besseren Nachweis zu erhalten, wurden zusätzliche Messungen in einer 5-ml-Probe durchgeführt. Im weiteren wurden die Röhrchen in einer Zentrifuge bei 2000 U/min für 5 min. zentrifugiert. Im letzten Schritt der Untersuchung wurden die bakteriellen Ablagerungen in 100µ1 TSB vermengt.

Das Gemisch wurde anschließend auf Agarplatten, (dies sind Petrischalen, die feste Nährmedien enthalten, in diesem Fall Schafsblut) gestrichen. Die Proben mussten nun für 24 Stunden bei 37 °C in den Brutschrank. Am nächsten Tag wurden auf allen Platten die koloniebildenden Einheiten ausgezählt. Die vorherrschenden Kolonien wurden nach Morphologie (Struktur und Form von Organismen) und Gram-Färbung genauer bestimmt.

Ergebnis der Studie - 1-ml Gruppe

70% (21 von 30 Serviettenhaltern) wiesen eine mikrobielle Kontamination, unabhängig von ihrer Aufbereitungsmethode auf. 24 Serviettenhalter wurden nach dem Patientengebrauch mit Desinfektionstüchern desinfiziert. Vier davon wurden gelegentlich sterilisiert. Sechs der Serviettenhalter wurden ohne jegliche hygienische Aufbereitung wiederverwendet. Überwiegend wies diese Gruppe Kokken, Stäbchen und Pilze auf. Bei den sterilisierten Haltern ging die Kontamination gen null.

Ergebnis 5-ml Gruppe

98 % (28 von 30 Serviettenhaltern) wiesen unabhängig von ihrer Aufbereitungsmethode ebenfalls eine Kontamination auf. Bei dieser Gruppe waren die vorherrschenden Organismen Staphylokokken/Streptokokken und Pilze. Die sterilisierten Halter wiesen nur wenig Befall auf.

Im Großen und Ganzen bleibt zu sagen, dass die gefundenen Organismen für einen Gesunden Menschen nicht gefährlich sind. Jedoch sollte im Interesse aller, die hygienische Aufbereitung nach jedem Patientengebrauch gründlicher erfolgen, um etwaige Gefahrenherde ausschließen zu können.

Quelle: Universität Witten/Herdecke (Prof. Dr. Stefan Zimmer)