
- Lisa Dräger: Lübeck und Travemünde - Michael Imhof Verlag
Lübeck ist eine Stadt mit großer Geschichte. Grund genug für viele Künstler, Stadtansichten über die Jahrhunderte hinweg zu malen. Gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Michael Budde hat Lisa Dräger, die „Grande Dame Lübecks“, nun einen dickleibigen Bildband über Lübeck und Travemünde herausgegeben. Darin werden Abbildungen vieler Werke präsentiert, die einer größeren Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben sind
Reise in die Vergangenheit – Lübeck, Travemünde und die Gewerbeausstellung 1895
Der Band, erschienen unter dem Titel „Lübeck und Travemünde – Ansichten aus fünf Jahrhunderten“ ist kein Reiseführer im herkömmlichen Sinne. Aber er erlaubt dem, der darin blättert, eine Reise durch die Vergangenheit. Der lose eingelegte historische Stadtplan, der zur Zeit der Gewerbeausstellung „Deutsch-Nordische Handels- und Industrie-Ausstellung“ 1895 gedruckt wurde, ermöglicht zudem einen Rundgang „mit dem Zeigerfinger über die Landkarte“. Auf der detailreichen alten Karte sind Häuser und Schiffe, Gassen und Winkel, Bäume und Menschen zu erkennen.
Lisa Drägers Liebeserklärung an das Lübeck des 15. bis 20. Jahrhunderts
Das Buch ist eine Liebeserklärung an Lübeck und seine Geschichte, an die Stadt, die inzwischen zum Weltkulturerbe zählt. Lisa Dräger, die als technische Zeichnerin im Dräger-Werk arbeitete, bevor sie 1947 Heinrich Dräger heiratete und ihm vier Kinder schenkte, bekennt sich im Vorwort zu ihren beruflichen Wurzeln. Ihre Liebe zu grafischen Darstellungen wird in der Auswahl der 150 Ansichten aus fünf Jahrhunderten deutlich. Gezeigt werden Zeichnungen, Graphiken und Gemälde, die zwischen dem 15. und dem 20. Jahrhundert entstanden sind.
Michael Buddes Begleittexte erklären die alte Reichs- und Hansestadt Lübeck
Dieses Buch mag für viele Betrachter in erster Linie ein „Bilderbuch“ sein. Es ist eine entspannende Wohltat, darin zu blättern, in Gedanken von Ort zu Ort zu gehen und sich – als Ortskundiger – nebenbei vor Augen zu führen, was von Alt-Lübeck heute noch zu sehen und was längst verloren ist. Wer mehr Zeit hat, liest Michael Buddes Begleittexte, die einen überaus anschaulichen Einblick in die Geschichte der ehemaligen Reichs- und Hansestadt bieten.
Viele Raritäten sind in diesem Band zu entdecken. So etwa die „Guckkastenbilder“, die angefertigt wurden, um mit Hilfe von Raritäten- oder Guckkästen dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, perspektivisch täuschend ähnliche Stadtansichten zu betrachten. Im Kapitel „Erinnerungen an Lübeck“. präsentiert sich die Lübeck-Travemünder Städte-Rose, die in alten Zeiten ein beliebtes und verbreitetes Reiseandenken war – als es bunte Ansichtskarten noch nicht gab.
Von der Lübecker Franzosenzeit über das Holstentor bis zu alten Plätzen
Ein Kapitel ist der Franzosenzeit gewidmet, die mit der berühmt-berüchtigten Schlacht vor dem Burgtor am 6. November 1806 begann, bei der General Blücher mit 20.000 Mann Lübeck besetzte. Ein anderes Kapitel widmet sich dem Wahrzeichen Lübecks, dem Holstentor. Viele Bilder zeigen Lübeck von Marly aus gesehen, andere die Ansicht aus dem Südwesten. Dass die Schifffahrt für Lübeck von existenzieller Bedeutung war, zeigt sich im Kapitel „Stadt und Hafen“. Gebäude, Plätze und Straßen im 19. Jahrhundert werden ebenso präsentiert wie Tivoli und Theater.
Kurzum, das Buch ist eine Fundgrube für Romantiker, historisch interessierte Menschen und für Freunde und Bewunderer der alten Hansestadt, die bis heute ihren unnachahmlichen Reiz nicht verloren hat.
Lisa Dräger: Lübeck und Travemünde – Ansichten aus fünf Jahrhunderten. Verlag Dräger Druck und Michael Imhof Verlag 2009. Gebunden, 360 Seiten. Euro 39,95.
