
- Dieter Jürgen aus Bad Oldesloe drechselt gern - Silke Schlüter
Schmuck sehen sie aus in ihren blauen Uniformen, die zehn Musiker, die auf Trompeten, Saxophonen, Klarinetten oder Schlagzeug ein flottes Stück zu spielen scheinen und dabei von einem streng aussehenden Dirigenten mit Zwirbelbart angeführt werden. Zu hören ist allerdings kein Ton, doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind aus Holz, zirka 15 bis 17 cm groß und echte Unikate, denn Dieter Jürgen aus Bad Oldesloe hat die Figuren allesamt selbst gedrechselt.
Wenn sich ein Maler an der Drechselbank versucht
Der Stormarner entdeckte im März 2010 mit dem Drechseln überraschend ein neues Hobby für sich. Das war kurz vor seinem 59. Geburtstag. Damals war er gerade dabei, sich beruflich neu zu orientieren. „Eigentlich wollte ich nie an die Drechselbank“, sagt der gelernte Maler, der zwar schon immer gerne handwerklich tätig war, sich aber bisher noch nie an diese spezielle Technik der Holzbearbeitung heran getraut hatte. Dann ließ er sich aber doch dazu überreden und versuchte sich zuerst einmal am Drechseln von Holzkörpern, aus denen am Ende weihnachtliche Nussknacker werden sollten. Mit dem Ergebnis war Dieter Jürgen allerdings gar nicht zufrieden: „Sie waren viel zu klein geraten und taugten nicht zum Nüsse knacken“, erzählt er schmunzelnd.
Nussknacker ohne Knack-Mechanismus werden zu Musikern
Einer spontanen Eingebung folgend ließ er den Knack-Mechanismus weg und stattete das Holzmännchen nur mit einer kleinen Holztrommel aus. Dann malte er die Figur blau an – und staunte selbst über die frappierende Ähnlichkeit des fertigen Trommlers mit sich selbst: „Ich habe früher im 'blauen' Schulspielmannszug getrommelt und war Gründungsmitglied der 'Alten Kameraden'“, erklärt der 59-Jährige, der auch heute noch eine blaue Uniform trägt, wenn er bei den Oldesloer Feuerwehrmusikern die große Trommel schlägt. Irgendwie war ihm der kleine Holzkamerad daher sehr vertraut.
Der Schlagzeuger besteht aus zahlreichen Einzelteilen
Mit einer vagen Idee im Kopf machte sich Dieter Jürgen nun daran, weitere Figuren herzustellen: Einem aus gut einem Dutzend kleiner Einzelteile zusammengebauten Männchen klemmte er eine hölzerne Pauke vor dem Bauch und das nächste stattete er sogar mit einem kompletten Schlagzeug aus. Die zu den Drums gehörigen Beckenständer gestaltete er fantasievoll aus kupferfarben angemalten Mühle-Steinen und halbierten Holzperlen. Die Trommelstöcke formte er detailgetreu nach und selbst das Fußpedal vergaß er nicht. Neben dem guten Holz, das ihm ein befreundeter Zimmermann zur Verfügung stellte, gehörten ein zuverlässiger Holzleim und umweltfreundliche Farben zu den wichtigsten Utensilien des Bastlers.
Musikinstrumente aus der Weihnachtsdekoration entnommen
Bei der Suche nach weiteren Instrumenten fiel Dieter Jürgen zu Hause der Weihnachtsschmuck in die Hände. Von einer Kette mit winzigen Instrumenten montierte er die Trompeten und Saxophone ab und drückte sie seinen Figuren in die Hände. Und weil die hierfür bisher verwendeten Holzperlen eher wie Fäuste aussehen, tauschte er sie gegen „echte“ Hände aus, die er ausrangierten Playmobil-Figuren abgenommen hatte. Die für seine Klarinettisten benötigten Instrumente fertigte der Oldesloer aus Rundhölzern selbst an, und natürlich brauchte das so entstandene Ensemble aus zehn Musikern auch noch einen Dirigenten, dessen Taktstöcke ebenfalls schnell gedrechselt waren. Dennoch benötigte Dieter Jürgen für jede einzelne Figur mehrere Stunden – und dann mussten sie ja auch noch bemalt werden.
Schicke Frisuren und dezent geschminkte Gesichter
Bei diesem Arbeitsschritt berieten und unterstützten ihn kreative Kolleginnen. „Sie dachten auch an so dekorative Kleinigkeiten wie aufgemalte Haarspangen, flotte Frisuren oder dezent geschminkte Gesichter bei den weiblichen Musikern“, freut sich der 59-Jährige auch darüber, dass seine fertige Arbeit bei den „echten“ Kameraden ebenfalls auf große Begeisterung gestoßen ist: Sie fanden ihre hölzernen Musiker-Pendants so sympathisch, dass das Ensemble als „Special Guests“ und zur besonderen Dekoration zur Weihnachtsfeier des Feuerwehrmusikzuges eingeladen war.
Das nächste Unikat ist schon in Arbeit - ein roter Musikzug
Die „musikalische Besetzung“ würde Dieter Jürgen gerne noch erweitern, sofern entsprechendes Material gefunden wird: „Posaunen, Querflöten oder Tenorhörner wären schön, dazu eine Tuba oder auch ein Keyboard“, wünscht sich der Oldesloer, der bereits dabei ist, einen zweiten Musikzug zu basteln. Dieses Ensemble wird allerdings rote Uniformen bekommen – schließlich soll es ebenfalls ein Unikat werden.
Für ein neues Hobby ist man nie zu alt
Dass er kurz in seinem Alter noch einmal ein neues Hobby für sich entdecken würde, damit hätte Dieter Jürgen selbst nie gerechnet. „Man ist eben nie zu alt, noch etwas Neues zu lernen“, sagt er und möchte damit auch anderen Menschen Mut machen, sich an Aufgaben zu versuchen, die sie sich bisher nicht zutrauten.
