Neues zur Geschichte von Hund und Mensch

Besteht ihre Partnerschaft bereits seit über 30.000 Jahren?

Aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge leben Hunde schon viel länger an der Seite des Menschen als bisher angenommen.

Leben Hunde schon viel länger an der Seite des Menschen als bisher angenommen? Aktuelle Forschungsergebnisse deuten genau darauf hin. So weisen einem Bericht der Zeitschrift „Der Rassehund“ des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) zufolge die ältesten archäologischen Hundefunde möglicherweise viel weiter in die Vergangenheit zurück als jene rund 15.000 Jahre, die bisher als Zeitspanne für die Partnerschaft von Zwei- und Vierbeinern galten.

Alte Funde, neue Untersuchungsmethoden

Anlass für die frisch entbrannte Debatte unter Kynologen (Kynologie = die Lehre vom Hund) ist die erneute Untersuchung eines Knochenfundes aus der Goyet-Höhle im Süden Belgiens – der bereits aus den 1860er Jahren datiert – mit modernsten wissenschaftlichen Methoden. Und siehe da: Anders als vermutet, handelt es sich offenbar bei dem auf ein Alter von mindestens 31.700 Jahre datierten Schädel nicht um den eines Wolfes, sondern um den eines Hundes. Damit währte die gemeinsame Geschichte von Mensch und Hund also nicht 15.000 Jahre, sondern mehr als doppelt so lang.

Weitgehend unstrittig ist in der Wissenschaft die These, dass sich der Wolf, der direkte Vorfahr des Hundes, im Verlauf einer längeren Zeitspanne dem Menschen näherte, sich ihm anschloss und sich im Zuge dieser Domestikation genetisch veränderte. Von der entstehenden Partnerschaft profitierten beide Seiten – sie sicherte Hilfe bei der Jagd nach Nahrung/Futter und diente dem Schutz gegen Raubtiere.

Vom wilden Beutegreifer zum Gefährten

Aber in welcher Region der Welt setzte die Entwicklung vom wilden Beutegreifer zum vierbeinigen Gefährten des Menschen zuerst ein? Auch zu dieser Frage hat die Wissenschaft neue Erkenntnisse geliefert. Die Fachzeitschrift „PNAS“ berichtete kürzlich über die Arbeit eines Teams der Cornell-Universität im US-amerikanischen Ithaca, das Genmaterial von Hunden aus Afrika und Amerika untersucht hatte - mit erstaunlichen Resultaten: War man bisher davon ausgegangenen, dass die Geschichte des Haushundes in Ostasien ihren Ausgang nahm, so fanden die Forscher jetzt auch bei Tieren aus Ägypten, Uganda und Namibia jene große Vielfalt genetischer Varianten, die der Wissenschaft als Indiz dafür gilt, dass eine Art bereits lange in einer Region ansässig ist.

Anderen, ebenfalls aktuellen Meldungen zufolge haben schwedische und chinesische Forscher dagegen stichhaltige Beweise dafür gefunden, dass die weltweit allerersten Hunde vor rund 16.000 Jahren in China, und zwar südlich des Jangtse-Flusses, gezüchtet wurden. Anhand von genetischen Methoden sei genau festzustellen, wo und wann Wölfe „als erster Hundestamm“ gezähmt worden seien.

Wo steht die Wiege des Hundes wirklich?

Wo steht nun wirklich die Wiege des Hundes? Die US-Genetiker, aber auch ihre Kollegen in Schweden und China haben zwar einige überraschende Antworten gefunden, vor allem aber wieder neue Fragen angestoßen. Was die amerikanische Studie jedoch nach Einschätzung von Experten eindeutig belegt, ist immerhin eines: die Vermutung, „dass sich der Hund, nachdem er domestiziert war, sehr rasch über die Kontinente verbreitet hat“.

Heike Wells, Heike Wells

Heike Wells - Heike Wells, geboren 1957 im Rheinland, lebt heute an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und arbeitet als freie Journalistin ...

rss