
- Neuharlingersiel Hafen, 2011 - Thies Völker
An der ostfriesischen Küste ziehen sich wie an einer Perlenschnur aufgereiht eine Reihe von kleinen Sielorten wie Carolinensiel, Dornumersiel, Greetsiel, Neßmersiel oder Hooksiel entlang, die durchweg besuchenswert sind. Zu diesen friesischen Schmuckstücken gehört mit Neuharlingersiel im Harlingerland ein Ort, der den Wechsel vom rein agrarisch geprägten Dorf zum modernen Nordseeheilbad geschafft hat, ohne seine Identität zu verlieren.
Anfänge als Siel- und Hafenort
Das Ende des 17. Jahrhunderts an der den Inseln Spiekeroog und Langeoog gegenüberliegenden Festlandsküste gegründete Neuharlingersiel verdankt seine Entstehung der Eindeichung der nach einem lokalen Flüsschen benannten Harle-Bucht. Hier am Einfluss eines Entwässerungskanals („Sieltief“) in die Nordsee wurde ein durch Schleusentore verschließbarer Gewässerdurchlass („Siel“) gebaut, durch den der Wasserabfluss in der Marsch reguliert werden konnte. Im 1697 erstmals urkundlich erwähnten Neuharlingersiel gab es zunächst nicht mehr als das Haus des Sielwärters und einige andere Katen. Mit der Zeit entwickelte sich aber hier ein florierender Frachtsegler- und Hochseefischereihafen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war vor allem das küstennahe Fischen nach Nordseegarnelen, die in Ostfriesland „Granat“ genannt werden, und Plattfischen von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung. Zeitweise lagen 30 Fischkutter im kleinen Neuharlingersieler Hafen.
Neuharlingersiel als Nordseebad
In den 1960ern wurde der bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Neuharlingersiel betriebene Fremdenverkehr zur immer wichtiger werdenden Einnahmequelle der Dorfbewohner. Zu den wichtigsten touristischen Einrichtungen des sich "Nordseeheilbad" nennenden 1.100-Einwohner-Ortes im Landkreis Wittmund gehören unter anderem das im hochmodernen Wohlfühl-Komplex "BadeWerk" integrierte Meerwasserhallenbad sowie ein Sandstrand in unmittelbarer Hafennähe mit Kinderwasserspielanlage „Platschi“ und Surfschule.
Adelssitz, Buddelschiffmuseum, Seenotretter und Kutterregatta
Der ebenfalls in Hafennähe stehende, 1755 erbaute Herrensitz Sielhof beherbergt heute als gemeindeeigenes Gebäude ein Restaurant sowie Kur- und Kultureinrichtungen. Sehenswert sind auch das Neuharlingersieler Buddelschiffmuseum und eine Ausstellung direkt am Siel, die Auskunft über die Geschichte und Arbeit der örtlichen Station der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gibt. Neuharlingersiel ist Heimathafen des DGzRS-Bootes Neuharlingersiel. Zu den Highlights eines Neuharlingersiel-Urlaubs gehört mit Sicherheit die Fahrt auf einem der aktuell acht aktiven örtlichen Kutter bei der alljährlichen Kutterrregatta im August.
Medienort Neuharlingersiel
Der heute zur Samtgemeinde Esens gehörende Ort hat einige Beiträge zur medialen Kulturgeschichte beigetragen. In dem 1903 erschienenen Spionage-Klassiker "Das Rätsel der Sandbank" ("The Riddle of the Sands") taucht Neuharlingersiel als ein geheimnisvoller Ausgangspunkt für eine geplante kaiserlich-wilhelminische Invasion Englands auf. 2006 war Neuharlingersiel ein Drehort bei der Realisierung des ARD-Kinderfilms "Der Seehund von Sanderoog" und ein Jahr später wurde für das ZDF im namentlich auch erwähnten Neuharlingersiel die Arztserie "Doktor Martin" mit Axel Milberg in der Titelrolle produziert.
Literatur:
Walter Deeters, Kleine Geschichte Ostfrieslands. Leer 1985
Hans-Bernhard Eden, Neuharlingersiel, Neuharlingersiel 1985
Marco Polo Reiseführer Ostfriesland, Ostfildern 2006
