
- Michael Konken - Anja Cord
Jedes Jahr lädt im Januar der Bundespräsident, traditionell, zu einem Neujahrsempfang ein. Eingeladen wird, neben zahlreichen verdienten Bürgern, auch die Presse. Eine Einladung wird im Allgemeinen, von den so Geehrten, sehr begrüßt. Im Jahr 2012 ist das anders. Am Abend des 12. Januar 2012, treffen sich zwar viele eingeladene Gäste zu einer Reflexion des vergangenen Jahres, der Vorsitzende des Deutschen Jounalistenverbandes, Michael Konken, wird, trotz Einladung, nach eigenen Angaben, nicht dabei sein. Da der Deutsche Jounalistenverband, DJV, mit seinen rundgerechnet 38.000 Mitgliedern, zu den größten Journalistenvereinigungen in Deutschland zählt, wird die Absage des Vorsitzenden Michael Konken, so ist zu vermuten, nicht ungehört verhallen.
Warum sagt Michael Konken den Termin zum Neujahrsempfang 2012 ab?
Anfang Januar 2012 kündigte Bundespräsident Wulff, in einem Fernsehinterview dem mit Spannung wartendem Millionen Fernsehpublikum an, mehr Licht in die bekannt gewordenen Ungereimtheiten zur Aufnahme eines Kredites, zur Finanzierung seines Eigenheimes, zu bringen. Er erklärte sich vor Millionen Fernsehzuschauern bereit, 400 der von Journalisten schriftlich gestellten Fragen zu beantworten. Konken prangert die "Desinformationspolitik des deutschen Staatsoberhauptes" an und beklagt, dass Christian Wulff es, entgegen seiner Ankündigung ablehnte, den Bürgerinnen und Bürgern, deren Vertreter die Journalisten sind, in einer Pressekonferenz, Rede und Antwort zu stehen. Er bemängelt, dass das Verhältnis des Bundespräsidenten zur Presse im Allgemeinen zum Zeitpunkt derart gestört sei, dass sich ein stillschweigender Übergang zur Tagesordnung und damit die Teilnahme am Empfang, für ihn verbiete. Der DJV-Vorsitzende ermutigte ausdrücklich alle Journalistinnen und Journalisten dazu, sich von Prominenten in einer kritischen Berichterstattung nicht beeinflussen zu lassen. WeltOnline veröffentlicht alle bisher unbeantworteten Fragen an den Bundespräsidenten Christian Wulff.
Hintergrundinformationen die zu der Entscheidung führten
Schon am 2. Januar 2012 hatte der Deutsche Journalisten-Verband sich gegen jegliche Versuche prominenter Persönlichkeiten gewandt, die irgendeinen Einfluss auf eine kritische Berichterstattung in den Medien ausüben wolle. Grund für dieses Statement war eine Meldung in der Bildzeitung, im Dezember 2011, die aussagte, dass der Bundespräsident Christian Wulff versucht haben soll einen Bericht über die nicht übliche Finanzierung seines Eigenheims, zu verhindern. Michael Konken verdeutlicht, dass sich Prominente, vor allen Dingen ein Bundespräsident, solch einen kritischen Bericht gefallen lassen und dazu Stellung nehmen müsse. Zu berücksichtigen sei, dass an das höchste Amt in Deutschland nicht nur per Gesetz geregelte Aufgaben, sondern auch eine Vorbildfunktion, gekoppelt sei. Mit dieser sei eine Bedrohung der Presse nicht zu vereinbaren.
Am 4.Januar 2012, vor dem Interview mit Christian Wulff im ARD und ZDF, war der Deutsche Journalisten-Verband noch davon überzeugt, dass Bundespräsident Christian Wulff die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ausräumen könne. Allerdings erschien es Michael Konken kritikwürdig, dass sich der Bundespräsident nur den Fragen der Journalisten der Fernsehanstalten ARD und ZDF stellen wollte. Sei im Anfang von der Beeinflussung der Berichterstattung nur die Tagespresse betroffen gewesen, werde nun auch die Berichterstattung im Fernsehen beeinflusst.
Begründung warum Christian Wulff jetzt nicht mit der Presse redet
Als wahrscheinlicher Grund, warum der Bundespräsident von seinem Angebot mit der Presse zu reden Abstand nimmt, ist im Rat zur Verschwiegenheitspflicht zu sehen. Michael Konken ist trotz dieser Erklärung brüskiert und erklärt, dass es einem Präsident en eines demokratischen Staates nicht anstehe, so mit den Medien umzugehen. Um seinen Unmut darüber zu zeigen, nimmt Konken am Neujahrsempfang 2012 nicht teil.
Biografie Michael Konken
Michael Konken lehrt Journalismus und Politik an der Uni Vechta. Konken arbeitete als freier Journalist für den Deutschlandfunk in Köln, für das Jeversche Wochenblatt sowie für Radio Bremen und ist Autor verschiedener Fachbücher im Bereich der Kommunikation. Er wurde auf dem DJV-Verbandstag 2003 erstmals zum Vorsitzenden des DJV gewählt.
Quelle: DJV
