
- Neukaledonien, Peng Beach auf Lifou - destination iles loyauté
Menschen und Vanilleblüten haben eine Gemeinsamkeit: Nach dem (nicht immer einfachen) Befruchtungsakt vergehen neun Monate bis sie ausgereift sind. Ob das stimmt? Ja, und wenn Sie die Aussage überprüfen wollen, können Sie entweder Fachliteratur wälzen oder (noch viel besser) eine Vanilleplantage besuchen, zum Beispiel auf Lifou. Wo das liegt? Im Südpazifik. Lifou ist die größte Insel der Loyautés, einem Archipel im französischen Überseeterritorium von Neukaledonien, vierzig Flugminuten östlich des Aerodrome Magenta. Ein Traum. Ein mächtiger, vor Urzeiten aus den Tiefen des Ozeans emporgehobener Korallenstock von der Größe Martiniques oder Tahitis. Ein Stückchen Frankreich am Rand des südlichen Wendekreises, abseits der Trampelpfade des Massentourismus. Wirklich – ein Geheimtipp.
Lifou, eine Insel im Archipel von Neukaledonien
Hierher kommen gestresste métros, City-People aus der hektischen Hauptstadt Nouméa (meistens Franzosen), mit Koffern, Kisten und Kartons bepackte Kanaken (so nennen sich die einheimischen Melanesier selbst), gut unterrichtete Taucher aus aller Welt (auch aus Deutschland!), die in den Riffen und Grotten ein submarines Disneyland entdecken und eine handvoll Japaner (findet man einfach überall, reisen aber in der Regel nach zwei/drei Tagen wieder ab). Félix Bolé bewirtschaftet mit seiner Großfamilie im Wald von Mucaweng eine kleine Vanilleplantage. Von Hand befruchtet, nach neun Monaten Reifezeit gepflückt und drei Monate in einem dunklen Holzschuppen getrocknet, dann verströmt die schrumpelige schwarze Schote endlich jenen unsagbar betörenden Duft, der sie so teuer und begehrenswert macht. Monsieur Bolé bekommt pro Kilo getrockneter und gebündelter Vanilleschoten 8500 Pacific Franc (rund 70,00 Euro). Nicht viel, aber es reicht, um seine Familie zu ernähren und die Kinder regelmäßig zur Schule zu schicken.
Nickel und Kanaken, zwei unterschiedliche Welten
Hier, im Nordteil der Insel, leben die Wetr. Den Süden teilen sich die Lossi und Gaica. Über jeden Stamm herrscht ein Voru (großer Häuptling), der zusammen mit dem Ältestenrat sämtliche Entscheidungen trifft, die dann von den traditionsbewussten Kanaken ausgeführt werden. Selbst die sonst nicht gerade zimperliche französische Kolonialregierung gewährt den Melanesiern uneingeschränkte innere Autonomie und predigt – nicht ohne wirtschaftliche Hintergedanken, denn vierzig Prozent der Welt-Nickel-Ressourcen liegen in Neukaledoniens rotbrauner Erde – von der friedlichen Koexistenz zwischen Schwarzen und Weißen.
Kanaken nennen sich die Ureinwohner in Neukaledonien
Die Welt der Kanaken scheint in Ordnung, jedenfalls in Tingeting. Im Zentrum des kleinen Dorfes befindet sich das grand case, die geräumige Rundhütte, Symbol der Gemeinschaft. Unter schattigen, korallenroten Flamboyant Trees sind Bastmatten und Decken ausgelegt. Dort sitzen Männer und Frauen zusammen, palavern, trinken Tee aus wuchtigen, verrußten Kesseln, die im offenen Feuer stehen, spielen Domino oder flechten Körbe aus Pandanusstreifen. Eine lachende Kinderschar kickt mit einem bunten Gummiball. Aus einem Transistorradio plärren französische Chansons. Alltag auf Lifou.
Quellen: Fremdenverkehrsamt Neukaledonien, eigene Recherche in Lifou
