Die Biathlon-Festspiele von Ruhpolding sind eröffnet. Magdalena Neuner wollte Gold - und sie hat Gold geholt. Zum Auftakt der Einzelwettbewerbe bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Ruhpolding gelang der 25-jährigen vom SC Wallgau eine erfolgreiche Titelverteidigung. Im Sprint über 7,5 Kilometer (Samstag, 3. März 2012) landete die Rekord-Weltmeisterin einen am Ende deutlichen Start-Ziel-Sieg. Zwar blieb auch Darya Domracheva wie Neuner ohne Fehlschuss - doch die Weißrussin musste sich mit einem Rückstand von 15,2 Sekunden mit der Silbermedaille begnügen. Um weitere 22,4 Sekunden zurück erkämpfte sich die Russin Vita Semerenko WM-Bronze.

Neuner trifft zehnmal und verteidigt erfolgreich ihr Sprint-Gold

Magdalena Neuner hat ihrer ohnehin schon von Erfolg gekrönten Karriere eine weiteres Glanzlicht aufgesetzt. Der Sprint-Wettbewerb der 45. IBU Biathlon-Weltmeisterschaften entwickelte sich zu einer Biathlon-Demonstration der 25-jährigen. Zehn Schuss - zehn Treffer. Und dies traumwandlerischer Sicherheit und atemberaubender Geschwindigkeit. Die 28.000 Zuschauer, soweit diese Fan von Neuner waren, sind entzückt. "Es war ein tolles Gefühl als die letzte Scheibe umgefallen ist", bekannte der Biathlon-Star aus Wallgau nach dem Rennen. Und dann hat die blonde Bayerin ihren Turbo gezündet, enteilte der Konkurrenz, "ich wusste, dass ich in einer sehr guten Form bin".

Neuner wirkte locker. Nur kurz die Erholungsphase nach dem Zieleinlauf und dem gespannten Blick zur Anzeigetafel. Dort leuchtete in großen Lettern "1. NEUNER, GER" - der Vorsprung auf Darya Domracheva 15,2 Sekunden. Der Rückstand entspricht in etwa einer Distanz von 100 Metern. Nicht viel bei einer Streckenlänge von 7,5 Kilometern, aber genug um erneut auf den obersten Podestplatz zu stürmen. "Ich habe das Rennen genossen. Es wäre mir natürlich lieber gewesen, wenn die Strecke noch etwas härter wäre", diktierte die 25-jährige Weltcup-Gesamtführende in die Notizblöcke der Medien.

Domracheva lobt das tolle Publikum von Ruhpolding

Keinesfalls enttäuscht zeigte sich die Silbermedaillengewinnerin aus Weißrussland. "Ich bin vor allem mit meinem Schießen zufrieden, das zweite Schießen war das beste in dieser Saison", sagte die 25-jährige. Und Domracheva lobte die tolle Atmosphäre in der ChiemgauArena, "die Zuschauer sind sehr fair, gerade auch im Hinblick auf den Zweikampf mit Magdalena, es werden alle Nationen angefeuert. Und in der Tat: Die Biathlon-Begeisterung in den Chiemgauer Alpen kennt (fast) keine Grenzen. Als Nihan Erdiler mit einem Rückstand von 11.04 Minuten als Letzte in Richtung Ziel lief und die Medaillengewinnerinnen schon zur Flower-Zeremonie im Stadion bereit standen, erhielt die Türkin den gleichen andauernden und lautstarken Applaus, wie die alte und neue Sprint-Weltmeisterin.

Magdalena Neuner ("ich habe gewusst, dass die WM in Ruhpolding für mich kein Urlaub wird") hat eine ungeheurere Ausstrahlung. Auch nach größter körperlicher Anstrengung wirkt die Ausnahme-Biathletin relaxt, huscht immer wieder ein Lächeln über ihre Wangen. So auch am Samstagabend bei der Medaillenübergabe im ChampionsPark von Ruhpolding. Aber Neuner wirkte phasenweise auch in sich gekehrt, wirkte nachdenklich. Sie genoss zwar den Jubel und die Begeisterung bei der Biathlon-WM, aber man konnte sich nicht des Eindrucks verwehren, dass ihr das nahende, von ihr selbst gewählte Ende der Karriere zu schaffen machte.

Bachmann, Gössner und Henkel enttäuschen im Sprint

Nachdenklich macht den Betrachter aber auch das Abschneiden der weiteren DSV-Biathletinnen. Der fünf waren insgesamt zum Sprint angetreten. Der Glanz des WM-Titels durch Neuner kaschiert aber schwache Ergebnis der weiteren vier Starterinnen. So war Tina Bachmann auf Rang 22 mit drei Schießfehlern und einem Rückstand von knapp zwei Minuten erst die zweitbeste DSV-Starterin. "Ich habe es am Schießstand versemmelt", zeigte sich die 25-jährige Altenbergerin wenigstens selbstkritisch".

Hildebrand ärgert sich über einen Schießfehler

Franziska Hildebrand, die das hohe Tempo noch nicht mitgehen kann, kam bei ihrer WM-Premiere mit einem Fehler bei 2,24 Minuten Rückstand auf Platz 29. Damit war die 24-jährige Sportsoldatin aber immerhin noch besser als Andrea Henkel. Die Doppel-Olympiasiegerin aus Großbreitenbach wurde mit drei "Fahrkarten" 34., Miriam Gössner ließ gleich vier Scheiben stehen, was aber trotz ansprechender Laufleistung nur 37. Rang unter den 116 gewerteten Biathletinnen bedeutete. Eine Chance zur Wiedergutmachung gibt es bereits im Verfolger (Sonntag, 4. März um 15 Uhr).

Das Wettkampfprogramm und die Startzeiten gibt es hier. ARD und ZDF sowie Europsport berichten live von den Titelkämpfen in Ruhpolding. Aktuelle Ergebnisse und Geschichten rund um die Biathlon-WM gibt es auch bei suite101.