
- Schloss Neuschwanstein in Bayern - Rosel Eckstein / pixelio.de
Das hatte sich der "Kini" ganz anders vorgestellt. Schloss Neuschwanstein sollte seine Trutzburg werden. Ein Ort, an dem er unbehelligt und von der Außenwelt abgeschirmt leben und arbeiten wollte. Heute, 124 Jahre nach seinem Tod, ist das längst zum Märchenschloss avancierte einstige Zuhause König Ludwig II. von Bayern eines der bekanntesten und beliebtesten Ausflugsziele für Touristen aus aller Welt. Weit über 50 Millionen Menschen sollen seit dem Tode des Königs auf Besichtigungstour durchs Schloss gepilgert sein. Damit ist Neuschwanstein das mit Abstand meistbesuchte Schloss in Europa. Ganz nebenbei hat der anhaltende Ansturm auf das Schloss die gesamte Region Füssen belebt und zu einem der attraktivsten Ausflugsziele Deutschlands gemacht. Es gibt kaum ein Freizeitangebot, das nicht die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau mit anpreist, darunter zum Beispiel auch eine sehr empfehlenswerte Fahrradtour rund um den Forggensee.
Schloss Neuschwanstein: Kein Fremder sollte das Schloss je betreten
Ludwig II., König von Bayern, regierte in den Jahren 1864 bis 1886. Als "der Kini" oder auch "Märchenkönig" ist er längst zur Legende geworden - und das weltweit. Ludwig II. wurde am 25. August 1845 in Schloss Nymphenburg geboren und ist am 13. Juni 1886 im Starnberger See gestorben. Ein "ewig Rätsel" wolle er bleiben sich und anderen, das hatte der junge Ludwig einst seiner Erzieherin geschrieben, so ist es überliefert. Und da die Menschen seit jeher von Mystischem angezogen werden und ein Schloss zudem etwas Geheimnisvolles ausstrahlt, war Schloss Neuschwanstein von Beginn an ein Publikumsmagnet. Weil Ludwig II. zu Lebzeiten die Parole ausgegeben hatte, dass nie ein Fremder das Schloss betreten solle, wurde es erst nach seinem Tod für Besucher geöffnet. Mit durchschlagendem Erfolg.
Schoss Neuschwanstein war als "Neue Burg Hohenschwangau" geplant
Auch der Name "Neuschwanstein" entstand erst nach dem Tode Ludwig II, dessen Idee es war, aus den Überbleibseln zweier kleiner Burgen namens Vorder- und Hinterhohenschwangau seine "Neue Burg Hohenschwangau" zu errichten. Dabei schwebte ihm eine mittelalterliche Burg im Stile der alten Ritterfestungen vor, hinter deren dicken Mauern sich der König, der als extrem schüchtern und menschenscheu galt, verschanzen konnte. Inspirieren ließ sich der Bayern-König von der wiederaufgebauten Wartburg, die er im Jahre 1867 besuchte. Besonders der dortige Sängersaal hatte es dem König angetan. Dem von ihm verehrten Richard Wagner schrieb Ludwig II. in einem Brief von seinen Plänen wie folgt:
"(...) und muss Ihnen gestehen, dass ich mich sehr darauf freue, dort einst zu hausen; mehrere Gastzimmer, von wo man eine herrliche Aussicht genießt auf den hehren Säuling, die Gebirge Tirols und weithin in die Ebene, sollen wohnlich und anheimelnd dort eingerichtet werden; Sie kennen Ihn, den angebeteten Gast, den ich dort beherbergen möchte." Damit meinte er Richard Wagner höchst persönlich. Und weiter schrieb Ludwig: " Auch Reminiszenzen aus 'Tannhäuser' und aus 'Lohengrin' werden Sie dort finden; in jeder Beziehung schöner und wohnlicher wird diese Burg werden als das untere Hohenschwangau (...)".
Schloss Neuschwanstein mit dem Wappentier der Grafen von Schwangau
Ludwig hatte seit seiner Jugendzeit eine starke Affinität zu jenem Schwanenritter Lohengrin, dem Richard Wagner 1850 eine Romantische Oper gewidmet hatte. Der Schwan war zugleich das Wappentier der Grafen von Schwangau, als deren Nachfolger sich Ludwig sah. Ludwigs Vater Maximilian II. hatte in der Umgebung von Hohenschwangau schon lange bevor Ludwig an einen Umbau der Burg gedacht hatte Wege und Aussichtspunkte anlegen lassen, um die Erkundung der Landschaft zu ermöglichen. Auf die Weise entstand um 1850 die eiserne "Marienbrücke" hoch über der Pöllatschlucht als Geschenk für Maximilians Ehefrau Marie, die das Bergwandern liebte. Von dem "Jugend" genannten schmalen Bergrücken links der Pöllat bot sich eine einzigartige Aussicht auf Berge und Seen, was Maximilian II. dazu veranlasste, dort einen Aussichtspavillon zu bauen.
Schloss Neusschwanstein: 15 Jahre Bauzeit auf schwierigem Terrain
Das passte hervorragend zu den Bauplänen Ludwig II., doch der Wunsch, die Ritterburg schnell zu realisieren, erwies sich als Wunschtraum. Die Baustelle in schwindelnder Höhe, die mühsamen Zugangswege und der viel zu knapp gefasste Zeitplan ließen das Vorhaben fast platzen. Doch Bühnenbildner, Architekten und Kunsthandwerker schafften es schließlich doch noch, die präzisen Vorgaben des Königs zu dessen Zufriedenheit in die Tat umzusetzen. Wenn auch unter großen Mühen. Die Grundsteinlegung zur "Neuen Burg" erfolgte am 5. September 1869. 1873 wurde der Torbau fertiggestellt, in dem Ludwig II. einige Jahre wohnte. Erst 1880 konnte Richtfest gefeiert werden und weitere vier Jahre später, 1884, konnte der Neubau schließlich bezogen werden.
Schloss Neuschwanstein: König Ludwig II. verwarf seine ursprünglichen Baupläne
Die Pläne für die Innenausstattung verwarf König Ludwig II. radikal. Von den ursprünglich geplanten Gästezimmern wollte er plötzlich nichts mehr wissen. Man schreibt diesen Sinneswandel seiner fortschreitenden Menschenscheu zu und dem wachsendem Anspruch an die Königswürde. So plante er anstelle der Gästezimmer einen "Maurischen Saal" mit Springbrunnen. Beides wurde jedoch nicht mehr realisiert. Aus dem "Schreibzimmer" wurde eine kleine Grotte. Das bescheidene "Audienzzimmer" verwandelte sich in einen überdimensionalen Thronsaal, der nicht mehr für Audienzen bestimmt war, sondern als Denkmal des Königtums und als Abbild der Gralshalle. Im Westteil der Burg sollte ein "Ritterbad" eingebaut werden als Reminiszenz an das rituelle Bad der Gralsritter. Heute führt just an dieser Stelle eine Besuchertreppe hinunter zum Ausgang.
Quelle: Bayerische Schlösserverwaltung - Bildnachweis: Rosel Eckstein / pixelio.de
