
- Abel Tasman - M. Luckhardt
Die Südinsel wird der Länge nach quer durch eine Geofalte durchzogen und bildet die neuseeländischen Alpen aus - mit 27 Dreitausendern und 140 Zweitausendern. Zwei Gletscherzungen reichen fast bis auf Meereshöhe hinunter. Die Alpen stellen eine natürliche Wettermauer dar, die den Reisenden wetterbedingt herausfordert: Im Westen mit hohem Regenreichtum und im Osten mit eher gemäßigtem und trockenem Klima, im Norden mit einem fast subtropischen und im Süden mit einem subarktischen Klima.
Traumhafte Strände im Norden: Der Abel Tasman National Park
Hier ist der Urlaub. Überall sind goldgelbe Sandstrände verstreut und die Sonne scheint fast immer auf das türkisfarbene Wasser. Hier im Norden zeigt sich die Tasmanische See von ihrer zauberhaften Seite. Kajakfahrer und Wassersportler finden ihr Paradies: Stundenlang kann man an den malerischen Küstenabschnitten entlang paddeln. Zwischendurch wird ein kleiner Zwischenstopp auf einer der vielen, menschenleeren Inseln eingelegt oder in einer der spektakulären Lagunen – ab und zu wird man von einer Robbe bestaunt. Der Abel Tasman Coastal Track ist einer der schönsten Wanderwege der Insel und führt den Wanderer traumhafte 51 Kilometer über leicht hügeliges Land, quer durch Urwälder und an zahllosen Stränden entlang.
Gletscherwelt im Westen: Naturerbe der Menschheit
Der Westen von Neuseelands Südinsel ist packend und schlichtweg überwältigend: Es ist ein wildes und unbeugsames Land. Die Roaring Forties erwarten den Reisenden mit starken Westwinden, die viel Regen im Gepäck haben. An der Küste auf dem Weg zum Fox Glacier zeigt sich die Tasmanische See von ihrer rauen Seite und peitscht gegen die hohen Klippen. Wenn es das Wetter zulässt, kann man die Gletscherwelt vom Helikopter aus bestaunen und über den berühmtem Fox Glacier oder den Franz Josef fliegen. Der höchste Berg von Australasien fordert die Bergsteiger heraus: Der Mount Cook dominiert die Region mit 3.755 Metern Höhe. Für die Maori ist er der Aoraki – der Wolkenstecher. An der Westseite gehen die Gletscher in Regenwald über; eine klimatische Besonderheit. Die Wassermassen der Alpen fließen im Osten durch breite Flussläufe ab. Am südlichen Ausläufer befindet sich Queenstown; es ist die Abenteuerhochburg für Extremsportler. Sie bietet den höchsten Bungeesprung Neuseelands mit 134 Metern, mehrere Shotoverjets, Para- und Hanggliding-Rampen und ist ein beliebtes Skiurlaubsgebiet für australische Urlauber.
Fjordland National Park: Die wilden Fjorde des Schattenlands „Ata Whenua“
Die Maori nennen das Fjordland an der Süd-Westküste „Ata Whenua“ – Schattenland. Dieser Landstrich hat eine faszinierende Schönheit und ist einer der inspirierendsten Plätze der Welt. Die Sonne kann sich selten in die Täler durchkämpfen – das Land ist rau und übersät mit steilen Klippen und Wasserfällen. Über 14 Fjorde kerben sich in den 200 Kilometer langen Küstenstrich, darunter der berühmte Milford Sound und der magische Doubtful Sound. Granitberge erheben sich bis zu 2.700 Meter hoch über den Meeresspiegel. Mehr als 200 Regentage pro Jahr verwandeln das Fjordland in ein Regenland und 1,2 Millionen Hektar Regenwald überziehen die Region. Die Berge und der Osten sind mit mammutähnlichen Rotbuchen überzogen, während im Westen Koniferen dominieren. Die Bäume wachsen auf Schichten von Unterholz, Moosen und Farnen – es ist ein wilder, sehr ursprünglicher Regenwald.
Durch das Fjordland führt der berühmteste Wanderweg Neuseelands: Auf dem Milford Track reist der Wanderer 53,3 Kilometer per pedes quer durch das faszinierende Fjordland bis zum Milford Sound – es ist eine der schönsten Wanderungen der Welt. Der Beobachter kann seltene Vögel wie den Kakapo (einen flugunfähigen Papageien), den seltsamen Takahe oder den weltweit einzigartigen alpinen Papagei Kea entdecken.
Subarktischer Süden: Glühende Himmel nah der Antarktis
Hier im sehr dünnbesiedelten Süden begegnet man in erster Linie seltenen Vögeln und einer Landschaft, die nur marginal von Menschen verändert ist. Der unerschrockene Reisende kann hier die schroffe Schönheit der Catlins mit seinem unberechenbaren Klima entdecken. Vor dem Südzipfel liegt die kaum bewohnte und sehr ursprüngliche Stewartinsel. Die Maori nennen sie "Rakiura" - Glühende Himmel. Diese weitgehend unberührte Insel ist ein einmaliges Biotop für den Braunen Kiwi, den Gelbaugenpinguin, den Mornellenregenpfeifer, Fledermäuse, die Wekaralle und die Langfühlerschrecke Weta.
Der Osten - Wale, Delfine, Seehunde und angelnde Halbgötter
Im Osten von Neuseeland erwartet den Reisenden ein gemäßigtes, trockenes Klima - dank der neuseeländischen Alpen. Als der Halbgott Maui die Nordinsel aus der Tiefe der See zog, saß er auf der Kaikura Halbinsel. Hier ziehen Wale auf ihrem Weg zwischen den Ozeanen majestätisch vorbei und lassen sich großmütig von den Whalewatchern anstaunen. Ein anderes unvergeßliches Erlebnis: Das Schwimmen mit Delfinen und Seehunden. Die dramatische Schönheit der Ostküste kann sich der Reisende auf hervorragenden Tracks erwandern: Der Banks Peninsual Track bei Christchurch ist einer der herausragenden Tracks von Neuseelands und verbindet Hügel, Wälder, Berge und die wunderschöne Küste.
Der Neuseeland-Reisende sollte gar nicht erst anfangen zu glauben, dass er hier, am Ende der Welt, schnell mal die dünnbesiedelte Südinsel bereisen könnte. Hier offenbaren die Götter ihr ganzes Können und der Reisende braucht neben festem Schuhwerk, Strandkleidung, Pullover und Regenjacke insbesondere ein weites, offenes Herz.
