
- Weiße Puszta-Esel bei Illmitz - Carin Müller
Der liebe Gott ist einer von uns – davon sind die Nordburgenländer überzeugt. Wie sonst ließe sich auch das phänomenale Mikroklima rund um den Neusiedler See erklären? Aber auch eher säkulare Gemüter schätzen die geografischen Eigenheiten und freuen sich auf die lukullischen Schmeckenswürdigkeiten rund um den See.
Rund um den Neusiedler See - Start in Mörbisch
Die kulinarische Reise startet in Mörbisch, am südwestlichen Zipfel Österreichs, direkt an der ungarischen Grenze. Hier bezieht der Gourmetreisende eine schicke Suite im Winzerhof Schindler. Harald Schindler ist ein typischer Vertreter der "neuen" Winzergeneration – kreativ, aber bodenständig kitzelt er die feinsten Aromen aus seinen Trauben. Seine roten Spitzentropfen Fuego und Excelso lagern in Barrique-Fässern und ernten regelmäßig höchste Weihen. Nach einem Gläschen Winzersekt geht's aber erst einmal auf die Fähre nach Illmitz.
Mit der Fähre nach Illmitz ans südliche Ostufer
Das kleine Städtchen am südlichen Ostufer des Sees liegt mitten im Naturschutzgebiet. Wer die weißen Puszta-Esel ausgiebig bestaunt hat, gönnt sich eine Stärkung im Presshaus. Das Ambiente ist unprätentiös, aber nett, die Küche so gepflegt, dass Gault Millau 14 Punkte vergibt. Küchenchef Martin Ebner verwendet für seine Leckereien bevorzugt saisonale Produkte aus der Region – von Zander bis Mangalitza Schwein. Das schmeckt auch den Winzern der Umgebung, die sich hier regelmäßig zum Fachsimpeln treffen.
Tomaten-Mekka Frauenkirchen
In Podersdorf, dem touristischen Zentrum des Neusiedler Sees, biegen die Schlemmer weiter nach Osten ab und besuchen in Frauenkirchen den Paradeiser-Papst Erich Stekovics. Wer denkt, dass es vielleicht fünf bis zehn Tomatensorten gibt, wird hier eines besseren belehrt. Stekovics hat nämlich inzwischen über 3.000 kultiviert – in allen Größen und Farben! Von wegen, Tomaten sind immer rot. Die besten verkauft er eingemacht, so dass jeder den burgenländischen Sommer in hübschen Gläsern mit nach Hause nehmen kann. Neben den berühmten Paradeisern gibt's auch etliches anderes Gemüse, und all jene, die es gerne ein wenig schärfer haben, wählen unter 300 Chili-Sorten.
Weinfreuden in Gols
Der Reisende in Sachen Genuss fährt nun weiter nach Norden, aber wieder in Richtung See nach Gols. Weinliebhaber bekommen in Österreichs größter Weinbaugemeinde feuchte Augen vor Begeisterung und steuern sofort das Weinkulturhaus an. In der Vinothek präsentieren die Winzer des Ortes ihre Erzeugnisse und lassen die edlen Tropfen zum "Ab-Hof-Preis" vom sachkundigen Personal verkaufen. Regelmäßig finden Schwerpunkt-Degustationen statt (z.B. die Weine der Heideboden-Lage), Interessenten können aber gegen eine kleine Gebühr theoretisch alles probieren.
Zum Sundowner nach Neusiedel
Der perfekte Ort für einen Sundowner ist die spektakuläre Seeterrasse der Mole West im Strandbad von Neusiedl an der Nordspitze des Sees. Selbst die Jungen und Schönen aus Wien fahren extra wegen des herrlichen Sonnenuntergangs und der leckeren Drinks hier her. Da es hier meist recht turbulent zugeht, kann die Küchenleistung allerdings nicht immer mit dem Naturschauspiel mithalten. Wer Hunger hat, ist besser mitten in der Stadt im gediegenen Nyikospark von Wirt Fritz Tösch aufgehoben. Oder er fährt weiter südlich nach Purbach ins Kloster am Spitz. Zu den kulinarischen Köstlichkeiten aus der Region genießt der geneigte Gast dort hauseigene Weine und einen atemberaubenden Blick auf den See. Wer hier gar nicht mehr weg möchte, übernachtet einfach im dazu gehörigen Hotel und freut sich auf das Frühstück auf der Terrasse.
Engel in Donnerskirchen
In Donnerskirchen, dem nächsten Ort Richtung Süden, sind Engel am Werk. Genaugenommen die Familie Engel, die mit ihrem Leisserhof ein wunderschönes Refugium für vinophile Gourmets geschaffen haben. Unbedingt mittags hingehen und im mediterranen Innenhof das Dreigang- für 12 € oder das Viergang-Menü für 16 €(die dazugehörige Weinbegleitung für 7 € bzw. 9 €) genießen! Wer ein bisschen Sitzfleisch mitbringt wird belohnt, denn um Punkt 15 Uhr gibt es jeden Tag die berühmte "Topfentorte" – frisch aus dem Ofen ein Gedicht!
Backhendl-Glück in Oggau
Handfestere Genüsse finden sich in Oggau, noch ein Stückchen weiter südlich. Das Landgasthaus Zum Herztröpferl wird gerühmt, das beste Backhendl der Region auf den Tisch zu bringen. Die goldbraunen Knusperteile schmecken wirklich köstlich und sind der Beweis, dass auch Deftiges nicht schwer, sondern sehr raffiniert sein kann.
Finale in Rust - in der schönsten Buschenschank und mit klappernden Störchen
Raffiniert aber bodenständig ist auch das Küchenmotto der schönsten Buschenschank am See. Bei Peter Schandl in Rust stehen nicht nur seine ausgezeichneten Weine auf der Karte, sondern auch Fischsuppentopf, gebratener Zander, Blunzn (Blutwurst) mit Senf, Kren und Brot, Krautfleisch mit Serviettenknödel oder Powidltascherl mit Butter. Mit Blauschimmelkäse im Strudelteig und einem Glas Ruster Ausbruch in der Hand lehnt sich Gast am Ende seiner Rundreise genüsslich zurück und lauscht dem Klappern der Störche auf den Dächern.
