
- Haushaltsroboter der TU München - Kurt Fuchs - TU München
Kleine Roboter für leichteste Aufgaben gibt es schon heute. Viel mehr als den Boden saugen oder einen Pool reinigen können sie allerdings noch nicht. Industrieroboter arbeiten da schon präziser, sind allerdings auch noch relativ dumm. Um eine wirkliche Servicekraft zu sein, braucht ein Roboter komplizierte Fähigkeiten. Welche das sind und wie man sie umsetzt, erforschen gerade deutsche und japanische Wissenschaftler an der TU München.
Wichtige Funktionen von Servicerobotern
Das Institut „Cognition for Technical Systems“ der TU München entwickelt gerade die neuste Technik im Hinblick auf Serviceroboter. In Zusammenarbeit mit japanischen Forschern und weiteren Instituten versuchen sie herauszufinden, was ein Roboter für die Haushaltshilfe benötigt und wie man diese Fähigkeiten umsetzt. Das Wichtigste, damit ein Roboter wirklich eine Hilfe ist, sind verschiedene Sinne und kognitive Fähigkeiten. Der Roboter darf nicht nur starr seine Programmierung abspielen. Er muss sich auf seine Umgebung einstellen, auf Situationen flexibel reagieren und auch mit neuen Möbeln und Geräten zurechtkommen. Um dies zu erreichen muss der Roboter sehen, fühlen und seine Programme auf neue Situationen einstellen können.
Sehen können die heutigen Roboter schon hervorragend. Sie scannen präzise ihre Umgebung, speichern sie als 3D Bilder ab und sie erkennen sogar zuvor abgespeicherte Objekte wieder. Einen Tisch decken oder leichte Gerichte kochen gelingt den neuen Robotern bereits jetzt. Auch das Fühlen kann heute schon simuliert werden. Mit Druck- und Infrarotsensoren kann ein sensibler Tastsinn simuliert werden. Bei den kognitiven Fähigkeiten hapert es momentan leider noch. Die jetzigen Roboter können zwar bereits viel dazulernen, bei unvorhergesehenen Situationen sind sie aber meist ratlos. Bevor dieses Problem nicht gelöst ist, sind Serviceroboter oft noch auf menschliche Hilfe angewiesen. Die Entwicklung der Lernfähigkeiten schreitet aber zügig voran.
Interaktion mit Menschen
Auch wenn ein Roboter viele Arbeiten im Haushalt erledigen könnte, solange er nur eine kalte Maschine ist, wäre er als Servicekraft wenig geeignet. Ein ansprechendes Erscheinungsbild und die Interaktion mit Menschen ist ein wichtiger Punkt. Die Technik für Sprachbefehle ist bereits ausreichend. Selbst Handys reagieren schon präzise auf Befehle. Für einen Serviceroboter reicht dies aber nicht aus.
Zum einen wird nun für die Interaktion mit Menschen ein Tastsinn entwickelt, damit der Roboter auch auf Berührungen reagiert. Dies ist nicht nur wichtig, damit er keine Objekte rammt, er muss auch sensibel weiche Objekte greifen können, ohne diese zu zerstören. Auch sollte er sofort beiseite gehen, wenn ein Mensch dies wünscht. Eine leichte Berührung sollte dazu ausreichen.
Für ein warmes Erscheinungsbild entwickeln japanische Forscher an der TU München menschliche Gesichter für die Roboter. Auf einer weißen, transparenten Gesichtsform können so dreidimensional eingespeicherte Gesichter dargestellt werden. Mit dieser Technik kann ein Roboter dann Gesichter von Bekannten oder sogar Prominenten annehmen. Ein solches Gesicht ließe den Roboter für den Besitzer viel vertrauter erscheinen. Projiziert er dann zusätzlich vorprogrammierte Gesichtszüge, können sogar Emotionen situationsbedingt simuliert werden.
Technik mit Zukunft
Mittlerweile kommen die Roboter in Verhalten, Fähigkeiten und auch im Erscheinungsbild dem Menschen immer näher. Durch die ständig voranschreitende Technik könnten Haushaltsroboter bald Wirklichkeit werden. Brauchbar wären sie ganz sicher. Schließlich gibt es genügend Menschen die eine solche Haushaltshilfe benötigen oder es sich einfach leisten wollen. Für alte oder erkrankte Menschen wären Serviceroboter eine große Hilfe.
Bevor sie allerdings marktreif sind, könnten noch ein paar Jahre vergehen. Die Technik ist zwar ansatzweise vorhanden, aber längst nicht ausgereift. Besonders die kognitiven Fähigkeiten stehen gerade am Anfang der Entwicklung. Sollten die Techniken marktfähig sein, spielt auch der Preis für Serviceroboter eine große Rolle. Was ein solcher kosten wird, kann man zurzeit kaum abschätzen. Der Preis für einen der Ersten würde aber sicher im 6stelligen Bereich liegen. Es wird demnach noch einige Jahre bis Jahrzehnte dauern, bevor Haushaltsroboter marktreif und erschwinglich werden.
Quellen:
- Nano, 3Sat, Sendung vom 17.11.2011
- Institut „Cognition for Technical Systems“ - TU München
- Artikel TU-München: Maschinen mit Köpfchen, Haushaltsroboter, Sensible Haut für Roboter; Roboter mit menschlichem Antlitz
