
- New York Fashion Week - Dorothea Reinhard
Bei mehreren hundert Schauen, die vom 9. bis 16. Februar 2012 in New York gezeigt wurden, muss sich der Blick auf wenige interessante Designer konzentrieren. Im Focus stehen stets die international bekannten Marken und Designer, die durch eine gewisse Exzentrik für Furore sorgen. So gab es im Rahmen der Mercedes Benz Fashion Week für die Wintersaison 2012-2013 neben vielen neuen Gesichtern auch wieder Ausgefallenes, Opulentes und Luxuriöses in eigenwilligen Inszenierungen zu bewundern.
Marc Jacobs – Mary im Wunderland von Oz?
Vor einer halb verfallenen Burgruine aus Papier inszenierte Marc Jabobs seine Schau. In übergroßen, tief über die Gesichter der Models wippenden Schlapphüten aus Fell defilierten die Models, gehüllt in glitzernde Brokatstoffe und feine Jacquards. Sie zeigten Röcke und Kleider, deren Schnitte an den Hüften überbreit waren und die Models nicht unbedingt vorteilhaft wirken ließen. Dazu güldene oder pink-metallene Pilgerschuhe mit Strassschließen, wie aus vergangener absolutistischer Ära. Und so wandelten unter den tief gezogenen Fell-Schlapphüten hexenhaft-freundliche Wesen und man konnte fast den Eindruck gewinnen, als trügen sie am Leib, was sie an Kleidung besaßen. Denn mit phantasievollem Lagenlook fesselte Marc Jacobs diesmal seine Zuschauer. Zerlegt man die Schichten aus Leggings, bauschigen Röcken, Mänteln und weiten Bolerokragen in ihre Einzelteile, dann wird manches als Einzelteil tragbar, das in der Kombination eher an eine große Mischung aus Themen diverser Kinderbücher aussah.
Oscar de la Renta – Luxusmode aus dem Kristallpalast
Oscar de la Renta hat nicht von ungefähr den Ruf eines Designers für höchste Luxusansprüche. Diesen Stempel drückte er in seiner neuen Kollektion deutlich sichtbar auf Roben, Kostüme und Mäntel. Über und über mit verschiedensten Prints von Kristallüstern versehen, verwandelten die Kreationen den Runway zum Lüstersaal in einem Kristallpalast. Perlen- und Diamanten-Motive fanden sich auf jungen Kostümen mit knielangen, ausgestellten Röcken unter groben Rollkragen-Pullis ebenso wie auf ladylike gestylten Kleidensembles mit kragenlosen Kurzjäckchen à la Jackie Kennedy und kleinen, aber feinen Evening-Dresses. Als Schmuckbroschen hielten sie grobe Strickstolas. Dazu kombinierte der Designer Paisley-Variationen und extravagante Strickaccessoires. Den Abschluss bildeten Abendroben in opulenten Tülldrapierungen.
Diane von Fürstenberg – Jumpsuit-Variationen und elegante Farbkontraste
Schmal, elegant, asymmetrisch, geometrisch und im Wechsel von Schwarz-Weiß mit grafischen Neondrucken – so präsentierte die Grande Dame der Mode ihre Winterkollektion 2012. Der ausgesprochen klassisch-elegante Stil hob sich durch kunstvolle One-Sholder-Drapierungen und Raffungen vom Durchschnitt ab. Besonders in Auge fiel auch die Serie bildschöner Jumpsuits, die sich wie kleine Kunstwerke durch die Kollektion zogen. Dazu verkörperten Farbkontraste von Blau gegen Rot, Neon-Grün und -Gelb gegen Beerenfarben Colour Blocking in höchster Eleganz.
Calvin Klein – Oversized feminin in Schwarz und Rot
Überwiegend Schwarz und rot, im Wechsel zwischen Transparenz und groben dicken Materialien, dezent geometrisch die Flächen und Materialien aneinandergesetzt, so klar und übersichtlich konturierte das Label Mode für den Winter 2012/2013. Die diversen etwas steifen Woll- oder Ledermaterialien waren zu glockenähnlichen, körperfern gebauschten Kleidern oder Röcken mit bravem Rundhalsausschnitt verarbeitet. Transparente Einsätze, breite goldfarbene Gürtel setzten die femininen Akzente. Mode für starke, intelligente Frauen, deren persönliche Ausstrahlung vom futuristischen Design unterstrichen wird.
Donna Karan – Tartans und Nadelstreifen im femininen Mix
Das Schottenplaid war eines der dominierenden Accessoires in der Kollektion von Donna Karan für den Winter 2012. Großkariert kam es in Rot und Blau über schwarze Mäntel geworfen oder in Röcken und figurnahen Hosen verarbeitet. Zweites großes Thema waren Nadelstreifen-Stoffe, in strengen, taillierten Kostümen oder asymmetrischen One-Shoulder-Kleidern opulent umgesetzt. Der Kontrast aus streng-gerade und figurbetont-feminin machte den Reiz dieser Kollektion aus. Sie zeigte im weiteren Verlauf wehende transparente Röcke und Kleider, paillettenbesetzte Kostüme, sparsam Pelz. Schulterfreie Seidentops über schmalen Hosen und noch einiges mehr erinnerte an Reiterdresses, vielleicht gar ein wenig an Zirkusatmosphäre?
Michael Kors – Plakativ in Plaids, Pelz und Pailletten
Karos und Streifen in Schwarz und Rot waren auch Thema bei Michael Kors, der sie expressiv in Ponchos oder weit schwingenden Röcken aneinandersetzte oder im monochromen Mélange mit grobem Strick kombinierte. Das feurige Element wurde ergänzt um wüstenfarbene Strickmäntel, Cardigans und Pullover. Pelz in Natur als Fake Fur kam bei Michael Kors opulent in Spiel und wurde von männlichen wie weiblichen Models gleichermaßen ansehnlich in Szene gesetzt. Die Kollektion für den Abend wartete schließlich mit glitzernden, fließenden Kleidern in Anlehnung an Charleston und Dreißiger Jahre auf, mit äußerst dezent eingesetzter Transparenz.
Tommy Hilfiger Women - Modefantasien für Amazonen
Reiterhelme, passend zu den Outfits der Kollektion gestaltet, machten es deutlich: Winterchic bei Tommy Hilfiger Women richtete sich offensichtlich an pferdebegeisterte Amazonen. Die typischen Tommy Hilfiger Karos waren diesmal weniger im College-Style, als in Hippodrom-geeigneten, gerade fallenden Kurzmänteln mit Samtkragen, bauschigen und gerade geschnittenen Reiterhosen in Samt oder Cord und -jacken verarbeitet. Und nach dem Turnier trifft man sich in fließenden Kleidchen aus bedruckter Tuchseide, deren Motive mit Gürtelschließen und Steigbügel wiederum an das Hauptthema anschließen.
