
- Frische Fritjes gefällig? - © Marc Finnern/PIXELIO
Ja, es gibt sie – die Liebhaber der niederländischen Küche. Oder besser gesagt: die Genießer von holländischem Fastfood. Denn das kleine Land an der Nordsee hat im Fastfood-Bereich so einige Spezialitäten zu bieten. Im Grenzgebiet zu den Niederlanden findet man Frikandel, Vleeskroket & Co. schon längst auf den Speisekarten der verschiedenen lokalen Imbissbuden. Die Anhängerschaft ist hier zahlreich. Doch begibt man sich weiter in das deutsche Landesinnere wird man der holländischen Leckereien nur schwer bis gar nicht habhaft.
Was ist typisch holländisches Fastfood?
Holland hat mehr zu bieten als Gouda, Tulpen und Windmühlen. So ist die Fastfood-Kultur seit der Kolonialzeit sogar zum Teil indonesisch beeinflusst: panierte Scheiben, gefüllt mit Bami Goreng (Nudeln) und Nasi Goreng (Reis) tummeln sich zusammen mit Pindasauce (Erdnusssauce) munter zwischen Frikandellen und Fritjes. Für die Uneingeweihten in die lukullischen niederländischen Friteusen-Delikatessen hier nochmal ein kurzer Überblick über die Hauptspezialitäten.
Frikandel
Bratrolle aus Fleisch, frittierte Würstchen ohne Darm. Bestehend aus verschiedenen Fleischsorten (Schwein, Rind, Geflügel, Pferd).
Vleeskroket
Frittierte zylindrische Gebilde, außen paniert. An der faserigen Ragout-Füllung ist zumindest zum Teil nachweislich Rindfleisch beteiligt. Natürlich gibt es von diesem Klassiker auch verschiedene Varianten. Die „Goulaschkroket“ bietet Gulaschgeschmack, die „Satékroket“ Putenfleisch, in der „Garnaalkroket“ sollen sich Garnelen, in der „Viskroket“ leckerer Fisch und in der „Kaaskroket“ Käse befinden.
Bitterbollen
Kleine panierte und frittierte Bällchen mit einer Fleischfüllung. Heißen so, weil sie ursprünglich immer zu Magenbitter verzehrt wurden. Heute reicht man sie gerne zu einem frischen Bier.
Poffertjes
Ein leckeres Dessert, bestehend aus kleinen in Eisen gebackenen Eierkuchen, bestäubt mit Puderzucker.
Frikandellen und Fleischkroketten in Berlin
Auch in unserer Hauptstadt sah es bisher mit diesem speziellen Fastfood eher schlecht aus. Wer sich nach einer Vleeskroket oder belgischen Fritten sehnte, ging leider leer aus. Seit kurzem sind aber auch hier in der Diaspora niederländische Speisen erhältlich. Denn es tut sich etwas in der kulinarisch-niederländischen Szene unserer Hauptstadt. Demnächst soll ein kleiner Supermarkt namens „Der Lieblingsholländer“ seine Tore öffnen und mit Köstlichkeiten wie Rookwurst, Vla und Amstelbier die Kunden zum Kaufen animieren.
Niederländisches Café
Schon seit einiger Zeit serviert das „Café Zeezicht“ in der Schönhauser Allee 124, holländische Kaffeehauskultur samt frischem Kuchen, Bagels und „Koffie Verkeerd“ (Milchkaffee) an die Berliner beziehungsweise Exil-Niederländer.
Snackbar „De Molen“
Seit Juli 2008 gibt es mit dem „De Molen“ auch endlich den ersten richtigen niederländischen Imbiss in Berlin. Der in den Niederlanden aufgewachsene Uwe Hübner betreibt die Snack-Bar mit holländischem Flair in der Neue Bahnhofstr. 26a im Stadtteil Friedrichshain.
Mobiler Imbisswagen „De Kroketje“
Seit März 2009 wird die Vielfalt der holländischen Speisen nun aber auch im Imbisswagen von „De Kroketje“direkt auf Berlins Straßen feilgeboten. Die Idee hierzu hatten Sven Feustel und Julia ten Napel, Letztere hat in einem kleinen Interview hierzu auch einige Fragen beantwortet:
suite101: Wie seid ihr auf die Idee zu dem fahrbaren Laden gekommen?
Julia ten Napel: Wir wollten etwas Besonderes machen und halt nicht nur in einem Bezirk unsere Waren anbieten. So sind wir dieses Jahr auch auf verschiedenen Festen - das wäre mit einem festen Stand nicht möglich gewesen.
suite101: Ist „De Kroketje“ ein Franchise-Unternehmen?
ten Napel: Nein, wir haben alles aus eigener Tasche bezahlt und das Konzept stammt von uns. Da meine Wurzeln niederländisch sind, war es halt naheliegend das wir etwas in der Richtung anbieten.
suite101: Ihr habt ja nicht immer einen Imbiss betrieben, was habt ihr vorher gemacht?
ten Napel: Sven hat Mathe/Physik und Bio/Chemie studiert. Ich selbst war im Catering tätig und studiere Tierpsychologie. Da ich dieses Jahr zwei Herz OPs hatte, kann nicht mehr so wie ich möchte und das mit 30 - daher die Idee mit niederländischen Spezialitäten.
suite101: Was bietet ihr in eurem Imbisswagen alles genau an?
ten Napel: Oh.. unser Angebot umfasst sehr viel und reicht von Frikandeln, Kipcorn, frischen Pommes Frittes über verschiedene Fleischkroketten, bis hin zu indonesischen Gerichten wie Loempia, Bamischeibe, Nasiball, vegetarischen Gerichten usw. Natürlich haben wir auch typisch holländische süße Sachen wie Stroopwaffeln, Poffertjes oder Chocomel.
suite101: Und woher bezieht ihr eure Waren? In Deutschland sind sie ja nicht einfach zu bekommen.
ten Napel: Wir haben einen guten Händler direkt in Amsterdam. Alle 10 Tage fahren wir selbst runter und holen dort die frische Ware.
suite101: Wie haben die Berliner auf euren holländischen Imbiss bis jetzt reagiert?
ten Napel: Mh... das ist bisher schwer zu sagen. Viele schwören halt auf „ihre“ Currywurst. Aber wenn sie dann doch eine Frikandel versuchen, sind sie überrascht wie gut sie doch schmeckt.
