
- 15.000 km Radwege - NBTC
Drenthe ist vielleicht die ruhigste aller Provinzen in den Niederlanden. Jedoch beherbergt die Stille oft die pure Lust am Abenteuer, stetig auf der Suche nach etwas ganz Besonderem. Die zugleich kleinste Provinz der Niederlande gibt sich waldreich, offenbart die Schönheit der Moore, der Heide und trägt nicht minder einen facettenreichen Kulturschatz. Man suche Drenthe im Norden der Niederlande und finde sie zwischen den niederländischen Provinzen Overijssel, Friesland und Groningen an der deutschen Grenze.
Die Heide, der Torf, das Moor und der Handel mit Amsterdam
Grob gesehen könnte man der Provinz Drenthe den Beinamen „Land weiter Torfmoore“ geben. Sandige Heideflächen rahmen die Torfmoorgebiete ein, die sich bis zur Nachbarprovinz Groningen erstrecken. Gezogene Kanäle und Grachten sind Zeugnisse des Handels mit Torf. Die Torfstecher betrieben ihren größten Handel mit der noch heute legendären Hafenstadt Amsterdam. Um mehr über das Leben der Torfstecher und deren Geschichten aus der Geschichte zu erfahren, lohnt sich der Besuch der Freilichtmuseen in Drenthe.
- Die Kopfstein gepflasterte Gassen weisen in der gleichnamigen, kleinen und gastfreundlichen Gemeinde den Weg zum sehenswerten Monumentendorp Orvelte. Prachtvolle altsächsische Bauernhöfe zeigen den Wohlstand der Torfstecher auf. Einige wenige Häuser sind zur Besichtigung freigegeben. Die alte Handwerkskunst wird bis zum heutigen Tag lebendig gehalten. Es scheint, als bewege man sich in Drenthe ruhig und gediegen auf einer Zeitreise durch die Anfänge des 19. Jahrhunderts.
- Schoonoord geht mit ihren Geschichten zur Geschichte der Torfbauern offensiver um. Das Freilichtmuseum „Openluchtmuseum Ellert en Brammert“ zählt zu den begehrtesten Attraktionen in der Provinz Drenthe. Neben den Bauernhöfen begegnet man hier einem Schulhaus, einem Zollhaus, alten Quellwasserbrunnen und viele weiteren steinernen Zeitzeugen. Besucher wissen die regelmäßig stattfindende Workshops zum Weber- und Töpferhandwerk sehr zu schätzen.
Was machte van Gogh in Drenthe?
Vincent van Gogh sagte über Denthe: „Drenthe inspiriert mich ein Leben lang und fand im Malen mein Ziel.“
- Im Museum für Kunstfälscher in Vledder hängen Monet, van Gogh, Rodin und viele weitere Künstler direkt nebeneinander, nur waren hier Fälscher am Werk. Das Museum für Kunstfälscher gibt Antworten und legt Beweggründe für Fälschungen an ägyptischen Mumien, außergewöhnliche Vasen, Goldschmuck und gar Fälschungen an Uhren aus dem Hause Rolex vor.
- Auf der Spurensuche nach Vincent van Gogh kommt man an Veenoord in Drenthe nicht vorbei. Hier lebte und arbeitete Vincent von Gogh. Sein Zimmer befindet sich bis heute im originalen Zustand.
Von der Dolmenkultur zum Großen Preis der Niederlande
Es ist eine weite Reise durch die Geschichte Drenthe, eine gut 5.000 Jahre lange Reise.
- In der Gemeinde Borger befindet sich das Hünengrabzentrum. Das einzigartige Museum gibt auf bewundernswerte Weise einen Einblick in die gut 5.000 Jahre alte Megalithkultur. Findlinge, Dolmen und sogenannte Hünengräber geben spätestens seit Stonehenge immer wieder neue Rätsel auf. In Borger befinden sich direkt neben dem Museum gleich mehrere Hünengräber. Ob nun alle spirituellen, historisch wertvollen oder wissenschaftlich aufgestellten Mythen und Thesen in ihrem Wahrheitsgehalt eine Berechtigung finden oder nicht - das Hünengrabzentrum in Burger versucht sich an Erklärungen.
- Ein trauriges Zeugnis unserer jüngeren Vergangenheit ist das Herinneringcentrum Kamp Westerbork. Das Mahnmal für zehntausende Opfer aus der nationalsozialistischen Diktatur befindet sich bei Hooghalen. Die Gedenkstätte wurde nach dem Vorbild des polnischen Auschwitz errichtet.
- In unmittelbarer Nähe befindet sich die größte Teleskopstation Europas. Im benachbarten Dwingerloo können Interessierte im Planetron mehr über Radioteleskope und Observatorien erfahren.
- Die beiden Highlights der Saison in Drenthe kommen aus Assen, der Hauptstadt der Provinz Drenthe. Mit Fiet4daagse startet die Kleinstadt jedes Jahr im Juli die größte Radfahrveranstaltung der Niederlande. Ob Profiradfahrer oder fit-for-fun-Radfahrer, das Land bietet ein mehr als 15.000 km großes Radwegenetz. Es gibt also zahlreiche Routen, um an diesen vier Tagen mit dem Rad in Drenthe unterwegs zu sein.
- Mit „Curcuit von Drenthe“ holt das Land die Motorradweltmeisterschaft, den "Großen Preis der Niederlande“ in die Provinz. Der Grand Prix Assen startet seit Jahren in unterschiedlichen Klassen und lockt mit herausragenden Konzerten und Veranstaltungen auch nicht Motorsportbegeisterte in die kleine Stadt Assen, die übrigens neben den Oldtimern und uralten Dampfmaschinen im Verkehrspark Assen mit Stolz ihren Bartje präsentiert, den friesischen Männeken Pis.
Und was gibt es sonst noch so, in Drenthe?
Man mag über die Feststellung, dass die Gemeinde Westerbork den geografischen Mittelpunkt Drenthes darstellt, gerne witzeln, dennoch bietet die Gemeinde außer zwei kleine Museen fast nichts an Sehenswürdigkeiten. Es sei denn, man liebt zwischen Moor und Heide, ähnlich wie Vincent van Gogh, die unsagbar laute Stille der Natur. Dann findet man gewiss das richtige Feeling, um Papier als Kunstgegenstand zu betrachten. Das Museum van Knipkunst (Kleinkunst) zeigt dieses wahrlich beeindruckende Spiel aus Fantasie, Kreativität und Faltkunst.
Und natürlich gibt es in Emmen die Schmetterlingsfarm, auf dem Lavendelhof Adri van Ruiten auch Honig, Minze, Wellness, Seifen und Rosen. Etwas herber mag das Bier in der Brauerei De Drentsche Schans in Holsloot schmecken. Es ist für alle etwas dabei.
Weiterführende Informationen findet man auf den Seiten des Van-Gogh-Museums, des Hünegrabzentrums und dem Lavendelhof Ruitenborgh sowie den Seiten des Kunstfälschermuseums und der offiziellen Homepage der Provinz Niederlande. Die meisten Webseiten sind in englischer, deutscher und niederländischer Sprache.
Quelle: Dirk Sievers, Niederlande, Michael Müller Verlag, Auflage 2006
Imagebroschüre "Holland für Genießer" 2009
