
- Heinrich Groß bebilderte die Chronik - Patricia Kutsch
Ein Protokoll über die Wunder der heiligen Elisabeth gilt als erster Beleg für die Existenz von Niederwalgern. Im Jahr 1235 soll der Junge Hermann Ohsethen aus dem Dorf an einem „geneigten Kopf und zitternden Arm“ gelitten haben. Geheilt worden ist er durch einen Besuch am Grab der Heiligen Elisabeth. Der Text dieses Protokolls findet sich in der Chronik, die anlässlich des 775. Geburtstags von Niederwalgern nun erschienen ist.
Ein Buch voller Erinnerungen
Die Chronik des Weimarer Dorfes ist ein prall gefülltes Werk, auf deren 850 Seiten sich nicht nur Geschichte nachlesen lässt, sondern vor allem Erinnerungen miterlebt werden können: 39 Autoren aus Niederwalgern haben Beiträge für die Chronik geschrieben und damit ein außergewöhnliches historisches Werk erschaffen, das nicht nur pure Fakten enthält, sondern vor allem vom Charme der persönlichen Erinnerungen lebt.
Lange Zeit der Vorbereitungen führt zum Erfolg
Fast zwei Jahre hat der Ausschuss, der für die Chronik verantwortlich zeichnet, an den Vorbereitungen für das Werk und den letztendlichen Inhalten gearbeitet. Dabei haben nicht nur Beiträge aus Weimar Platz gefunden: Der Marburger Historiker Dr. Siegfried Becker etwa beteiligte sich mit zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen. Besonderen Charakter verleihen dem Buch Texte, die vor der Planung einer Chronik von zwei bereits verstorbenen Autoren geschrieben wurden: von Pfarrer Otto Dettmering und dem Chronisten Herbert Kosog. Daneben zieren Fotos aus dem Nachlass von Dettmering die Geschichten der Autoren, der ortsansässige Künstler Heinrich Groß bebilderte die Chronik zusätzlich mit Kunstdrucken.
Ein Dorf im Wandel der Zeit
In dem Werk kommen unterschiedlichste Themen, die ein Dorf über die Jahrhunderte ausmachen, in Wort und Bild zur Sprache: Neben der Geschichte von Flurnamen, Dorfnamen, Häusern, Handel und Landwirtschaft werden auch Auswanderungen, die Eisenbahn, Schule, Politik und ausgewählte Persönlichkeiten thematisiert. Dabei darf etwa die Lebensgeschichte des „Keil-Hann“ nicht fehlen: Er wurde 1908 in Fronhausen geboren und heiratete 1946 Katharina Weber aus Niederwalgern, wo er dann bei „Wewesch“ einzog, schreibt Friedrich Keil. „Johann Keil spezialisierte sich schließlich auf Radieschen. Er hatte einen Vertrag mit den Marburger Kliniken über eine bestimmte Menge“, erinnert der Autor sich. Schließlich wurde er bei der Gemeinde als „Ausrufer“ angestellt und trug Informationen in die Bevölkerung. Er war der letzte Ortsdiener von „Waljern“.
Offizieller Termin zum Erscheinen des Buches
Die Chronik ist in einer Feierstunde offiziell vorgestellt und erstmals zum Verkauf angeboten worden. Der Ortsvorsteher machte dabei deutlich, welche Arbeit in dem Buch steckt: Nach fast zwei Jahren konnte die Chronik nur äußert knapp fertig werden, denn erst am Tag vor der Präsentation lieferte ein Laster die Drucke. Bürgermeister Volker Muth (SPD) zeigte sich begeistert von der Chronik, die er als erster in den Händen halten durfte: „Hier wird sehr viel mit Liebe, Engagement und Leidenschaft auf die Beine gestellt“. Daher hat der Gemeindevorstand sich entschlossen, den Weg für eine Weimarer Schriftenreihe frei zu machen. „Niederwalgern 1235 – 2010“ erscheint als Band 1 dieser Reihe und erhält eine eigene ISBN-Nummer. Für den Preis von 20 Euro ist das Buch bei Ortsvorsteher Heinz Heuser und der Gemeindeverwaltung Weimar/Lahn erhältlich.
