Nikon 1: Nikon stellt erste spiegellose Systemkamera vor

Spiegellose Systemkameras sind der neue Trend auf dem Kameramarkt. Nikon folgt dem Trend mit einem komplett neuen Kamerasystem.

Spiegellose Systemkameras wollen das Beste zweier Welten zusammenführen: die Kompaktheit der kleinen Digitalkameras und die Universalität und Bildqualität der großen Spiegelreflex-Boliden. Nikon hat als erster der beiden Big Player des Kameramarktes die Katze aus dem Sack gelassen, Canon wird sicher bald folgen. Aber hat die neue Kamera-Generation das Zeug dazu, den Markt aufzumischen?

Das Nikon 1-System

Am 21.9.11 stellte Nikon das neue System „Nikon one“ vor, bestehend aus dem Modell V1 und dem abgespeckten Modell J1. Dazu vier Objektive, einen Aufsteck-Blitz und einen Objektivadapter für Nikons Spiegelreflex-System. Die Rahmendaten: 10 Megapixel-CMOS-Sensor, 13,2 x 8,8 mm, also im 3:2 - Format. Full-HD Video, Reihenaufnahmen mit 10 Bilder pro Sekunde. Die V1 hat einen hochauflösenden Video-Sucher und nutzt einen Aufsteckblitz, die J1 kommt ohne separaten Sucher aus, hat aber nur einen integrierten Blitz und keinen Blitzschuh. Ab Ende Oktober sollen beide Modelle zu Set-Preisen (Kamera + Objektiv) zwischen ca. 600 und 1000 Euro in den Läden stehen.

Das Nikon 1-System im Vergleich mit anderen Herstellern

Inzwischen bieten alle Kamerahersteller außer Canon ein spiegelloses System an. Zweifellos hat diese Technik das Zeug, wesentliche Marktanteile zu gewinnen, die Vorteile sind offensichtlich: Gegenüber den kleinen Kompakt-Kameras sind dies die erheblich größeren Sensoren und damit eine bessere Bildqualität und der grundsätzliche Vorteil von Wechselobjektiven. Gegenüber den Spiegelreflex-Systemen ist insbesondere die deutliche Verringerung von Größe und Gewicht zu nennen bei akzeptablem Kompromiss in der Bildqualität. Entsprechend liegen auch die Preise etwa zwischen beiden Welten.

Das neue Sensorformat, von Nikon „CX-Format“ getauft, entspricht einem Faktor 2,7 im Vergleich zum Kleinbild-Vollformat, ist also deutlich kleiner als die Sensoren der direkten Konkurrenz mit Faktor 2,0 (MFT-Format) und ca. 1,5 bei Samsung und der neuen Sony Nex7. Das kleine Format schränkt prinzipiell die Möglichkeiten zur Bildgestaltung ein, was das Spiel mit der Tiefenschärfe betrifft sowie die Weitwinkel-Fähigkeiten. Die kürzeste bisher vorhanden Brennweite beträgt 10 mm, was aufs Kleinbild bezogen lediglich 27 mm entspricht, einem nur mäßig weiten Bildwinkel.

Im Gegensatz zu den Konkurrenten wie etwa Panasonic, Olympus, Sony und Samsung liegt bei Nikon der Schwerpunkt auf dem Spiegelreflex-Sektor, mit dem Nikon seinen Ruf begründete und auch heute noch den wesentlichen Teil das Umsatzes erzielt. Da verwundert es nicht, wenn die neue Kamerageneration sich davon deutlich abhebt, um nicht im eigenen Lager zu kannibalisieren. Unter diesem Gesichtspunkt wird verständlich, dass der Sensor der neuen Nikon mit 1 Zoll Durchmesser der kleinste unter allen Konkurrenten ist. Vernünftigerweise hat man mit den Pixeln gegeizt und sich auf „nur“ 10 Megapixel beschränkt, was der Bildqualität eher zuträglich ist. Eindeutig zielt Nikon damit auf die „Aufsteiger“ aus dem Lager der Kompakten und nicht aufs Lager der Spiegelreflex-Besitzer.

Anbindung ans Nikon-System

Während etwa Panasonic und Olympus ein offenes System anbieten, an das viele Objektive von Fremdherstellern passen, öffnet Nikon der V1/J1 den Zugang zum hauseigenen Spiegelreflex-System mit Hilfe des Objektivadapters FT1, der weitgehend mit der aktuellen SLR-Objektivpalette kompatibel ist. Ein eleganter Weg, den Nikon-Fotografen das neue System schmackhaft zu machen. auch wenn manche dieser Kombinationen von winzigem Gehäuse mit den dicken Profi-Linsen schon recht merkwürdig aussehen wird.

Quelle: Nikon

Klaus Rainer Krieger, K.R. Krieger

Klaus Rainer Krieger - Klaus Rainer Krieger freier Journalist für Bild und Text, Schwerpunkt Sport und Reisen. Mitglied im Verband Deutscher ...

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