
- Cover Nine Dead - http://www.schroeder-media.at
Am Anfang war „Das Schweigen der Lämmer“. Später kamen David Finchers „Sieben“ und ziemlich blutige Filme der „Saw“-Marke hinzu. Das Subgenre des Psychothrillers erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit, obwohl die Anzahl der gelungenen Werke völlig konträr zur Masse an Produktionen steht.
Noch ein Psychothriller: „Nine Dead“
Mit „Nine Dead“ reihte sich ein weiterer Psychothriller in die Riege dieser Produktionen ein. Der von Chris Shadley inszenierte Streifen kann immerhin mit Ex-Teenie-Hexe Melissa Joan Hart („Sabrina – total verhext!“), Daniel Baldwin und einer vielversprechenden Plotidee aufwarten.
Entführer ohne Genierer
Nicht der Kommissar, sondern ein knallharter Psychopath geht in der Stadt um und überwältigt seine anscheinend willkürlich gewählten Opfer per Chloroform, ehe er sie in eine von der Außenwelt abgeschotteten kleinen Raum sperrt. Den an Stahlstangen gefesselten neun Entführten stellt der Täter die Frage: „Warum seid ihr hier?“
Zehn Minuten bleiben seinen unfreiwilligen Gästen um herauszufinden, weshalb sie gekidnappt und an diesen Ort gebracht wurden. Zunächst rückt keiner der Anwesenden mit kompromittierenden Informationen heraus, die das Rätsel lösen könnten. Denn noch glauben sie an einen Trick der hiesigen Polizei, um Geständnisse herauszupressen. Aber nach Ablauf von zehn Minuten setzt der maskierte Psychopath seine Drohung in die Tat um und erschießt einen der neun Entführten. Erst jetzt wird ihnen unmissverständlich klar, wie ernst es dem Entführer ist. Schließlich bleiben ihnen wiederum nur zehn Minuten Zeit, bis der Nächste von ihnen an die Reihe kommt …
Bei dieser Frau versteht man nur chinesisch
Die Ausgangslage von „Nine Dead“ ist geradezu klassisch gewählt: Eine Gruppe völlig unterschiedlicher Charaktere wird in eine schier ausweglose Situation geworfen, wobei ihnen immer wieder Prügel vor die Füße geschmissen werden. Beispielsweise in Form der mitgefangenen Chinesin Nhung Chan (Lucille Soong), die kein Wort Englisch spricht oder versteht. Regisseur Chris Shadley lässt den Zuschauer die Perspektive der Gefangenen einnehmen und miträtseln, was hinter der ganzen Sache eigentlich steckt.
Die einzelnen Figuren könnten unterschiedlicher kaum sein: Seite an Seite stehen ein Priester und ein Serienvergewaltiger, eine Anwältin und ein Mörder. Daraus könnte sich ein fesselndes Psychodrama entspinnen, würde sich der Film nicht unablässig um die eigene Achse drehen. Denn so spannend „Nine Dead“ auch beginnt: Spätestens nach dem ersten Toten ist die Luft raus.
Melissa Joan: Hart!
Dies liegt zum einen an den Klischeefiguren, denen kein Fünkchen eigenes Profil zugestanden wird. Den Priester mit Gewissensbissen hat man ebenso oft bereits gesehen, wie den ständig nur fluchenden Schwerverbrecher, der selbst im Angesicht des Todes nicht um Gnade fleht, sondern munter provoziert.
Nicht viel besser hat es Melissa Joan Hart, in den 1990er Jahre Teenie-Idol mit der TV-Serie „Sabrina – total verhext!“ erwischt. Ihre Darstellung einer anfangs knallharten, später zwischen Hysterie und Selbstmitleid pendelnden Anwältin vermag nicht zu überzeugen. Dies liegt nicht einzig an ihren deutlich begrenzten schauspielerischen Qualitäten, sondern vielmehr auch an der unsympathisch angelegten Rolle. Eine Fülle an Schicksalsschlägen erweckt nicht per se Mitleid oder gar Sympathie. Wie „Nine Dead“ beweist kann dies sogar ins Gegenteil umschlagen. Zugegeben: Für die nervige deutsche Synchronstimme kann die Ex-Hexe nichts.
Dauerquasselsendung „Nine Dead“
Abgesehen vom überstürzten Schluss erweist sich „Nine Dead“ als dialoglastiger Thriller ohne Actionszenen. Leider dümpeln gerade diese Dialoge belanglos dahin, ohne das Interesse des Zuschauers zu halten. Hierbei ist kein Hauch geschliffener, ironischer Unterredungen wie etwa in „Das Schweigen der Lämmer“ zu spüren. Die Oberflächlichkeit der meist trivialen Diskussionen zieht mitunter den letzten Nerv. Schließlich wissen die Protagonisten um die Ernsthaftigkeit ihrer Situation Bescheid und sind mit dem Countdown bis zur nächsten Ermordung dank einer Uhr bestens vertraut. Statt die eigene Haut zu retten wird die Zeit jedoch meist mit nichtigen Sticheleien vertrödelt.
Kaffeekränzchen mit dem Killer
Fazit: „Nine Dead“ punktet mit einem interessanten Beginn und einer vielversprechenden Prämisse, tritt jedoch bereits nach wenigen Minuten auf der Stelle und gleitet in einen unglaubwürdigen „Plot Twist“ ab. An Genreklassiker kommt das Werk nicht annähernd heran und erweist sich als lahmer Thrillerversuch ohne jeglichen Esprit und ohne Spannungspunkte. Für leidenschaftliche Filmfans sicher einen Blick wert, muss man „Nine Dead“ doch als enttäuschendes Mittelmaß einstufen, dem es an sorgfältigerer Ausführung und vor allem hörenswerten Dialogen mangelt.
Erscheinungstermin der Blu-ray ist der 23. September 2010 bei SchröderMedia.
