
- Nofretete - Sven Fauth
Nofretete hat nach fast 70 Jahren wieder Einzug ins Neue Museum gehalten, wo sie erstmals im Jahre 1924 ausgestellt wurde. Im Jahre 1930 wurde angedacht, die Nofretete gegen eine klassische Monumentalstatue im Neuen Museum auszutauschen, aber da war sie bereits von den Berlinern als eine der Ihren angesehen, was nach einer derart kurzen Zeit bereits eine Auszeichnung an sich darstellt.
Die Schöne ist zurück - Die Odyssee einer Königin
Ab dem Jahre 1943 begann die Odyssee der Nofretete. Geschützt vor den Kriegswirren wurde sie zunächst im Tresor der Reichsbank verwahrt, kurz darauf gelangte sie mit vielen anderen Kunstschätzen in den Flakbunker Zoo und daraufhin wurde sie, als die Luftangriffe auf Berlin zunahmen, in ein Salzbergwerk nach Thüringen verfrachtet. Bevor russische Truppen nach Thüringen gelangten, wurde die Büste von den Amerikanern abtransportiert und von 1946 bis 1956 im Wiesbadener Stadtmuseum untergebracht, welches von den Amerikanern als Sammellager für Kunstschätze eingerichtet wurde.
In den Jahren 1956-1967 wurde sie mehr schlecht als recht in der Gemäldegalerie in Dahlem untergebracht, bis sie schließlich 1967 ihr eigenes Museum, das ägyptische Museum im östlichen Stüler Bau, als Hauptattraktion beziehen durfte. Gegenüber dem Schloß Charlottenburg residierte die Königin bis zur Schließung des ägyptischen Museums im Jahre 2005. Nach einem kurzzeitigen Intermezzo im Kulturforum gelangte die über 3.000 Jahre alte Büste mit anderen Exponaten aus der Amarna Zeit (circa 1350 vor unserer Zeitrechnung) im August 2005 zumindest wieder zurück auf die Museumsinsel ins alte Museum.
Echnaton und Nofretete ein (Alp-)Traumpaar?
Nofretete lebte zur Zeit der 18. Dynastie, dem sogenannten Neuen Reich, und prägte gemeinsam mit ihrem Gemahl, dem Pharao Echnaton, auch bekannt als Amenophis IV, eine von Umbrüchen geprägte Ära. Die wunderschöne Büste der Nofretete wurde 1912 während Ausgrabungen in der Werkstatt des Oberbildhauers Thutmosis in der von Echnaton gegründeten Stadt „Achet-Aton“ vom Ägyptologen Ludwig Borchardt entdeckt. Nofretetes Name bedeutet „Die Schöne ist gekommen“ und ihr Namenszusatz, „Nefer neferu aton“, den sie nach dem Umzug in die Stadt Achet-Aton erhielt, bedeutet „Schön sind die Schönheiten des Aton“. In den meisten anderen Sprachen, so auch im englischen Sprachraum, wird Nofretete „Nefertiti“ genannt, die ägyptische Umschreibung Nfr.t jy.tj wurde aber vermutlich „Nafteta“ ausgesprochen.
Aton stellte eine der Erscheinungsformen des Sonnengottes Re dar und symbolisierte die Sonnenscheibe. Der von Echnaton etablierte und mit diktatorischen Mitteln durchgesetzte Atonkult ist der erste geschichtlich belegte Monotheismus.
Borchardt und die Büste
Nach Aufteilung der Funde der Ausgrabung gelangte Nofretete schließlich 1913 ins Deutsche Reich. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, unter welchen Umständen dies erfolgte, da schwerlich anzunehmen ist, dass das Prunkstück der Ausgrabungen nicht von den Ägyptern sofort in Beschlag genommen wurde. Im nachhinein wurde unterstellt, Borchardt hätte die Nofretete unvorteilhaft präsentiert, andererseits ist allerdings zu bedenken, dass insbesondere in der damaligen Ägyptologie ein Fundstück nicht so sehr nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt wurde, sondern vielmehr danach, ob Inschriften – die sogenannten Hieroglyphen – vorhanden waren. Allerdings ist es erstaunlich, daß Borchardt die Nofretete bis 1924 der Öffentlichkeit vorenthalten hat. Böse Zungen behaupten gar, die Nofretete sei eine gutgemachte Fälschung und von Borchardt selbst vergraben worden, um einen sensationellen Fund vorweisen zu können. Bereits damals wurden die ersten Rufe nach einer Rückkehr der Nofretete nach Ägypten laut, die bis heute nicht verstummt sind.
Nofretete – ein Publikumsmagnet
In der heutigen Zeit stellt die Nofretetebüste natürlich einen Publikumsmagneten par Excellence dar und zur offiziellen Wiedereröffnung am letzten Wochenende (17.10.2009) strömten tausende Berliner und Touristen in das Neue Museum, um insbesondere die „Schöne“ an ihrem neuen Wohnort zu bestaunen, die bereits am 15.10. dort ihren Platz eingenommen hatte.
